Berlin für RocknRolla: Manu Tanzratte.

Alle Wege führen nach Rom – für viele Rock’n‘Roller ist „Rom“ natürlich die Tanzfläche. Getanzt wird dort allerdings fast nie „das mit dem Rumschleudern“ – also Akrobatik-Rock’n’Roll, das eher als Leistungssport zu betrachten ist und in Clubs oder bei Weekendern seltenst auftaucht. Häufiger vertreten ist der mit vielen Elementen des LindyHop angereicherte Jive.

(c) Manu Tanzratte

(c) Manu Tanzratte

Den kann man sogar relativ leicht lernen – allerdings hat der Jive, den man in normalen Tanzschulen geboten kriegt, damit wenig zu tun. Zum Glück hat Berlin ja für jedes Pläsierchen auch ein Tierchen – in diesem Fall Manu Tanzratte, ihres Zeichens Tanzfeldwirbel und hart, aber herzlich. Ich habe sie mal ein bisschen ausgefragt:

Woher kommst du ursprünglich?
Ich komme gebürtig aus Duisburg-Meiderich – also aus dem Ruhrpott. Ich bin eine echte Schachtratte!

Wie lange tanzt du schon?
Besser gesagt: Wann habe ich es mal nicht getan? In dieser exzessiven Variante  betreibe ich es aber erst seit 2006. Jive-Unterricht gebe ich seit 2008, aber daneben tanze ich auch liebend gerne Lindy Hop, und damit verbunden auch Balboa, Shag und andere Varianten des Swingtanzes.

Rock’n’Roll und Tanzen sind bei dir ja keine Freizeitveranstaltung, sondern Lifestyle – wie bist du dazu gekommen?
Lifestyle ist bei mir nicht der richtige Begriff dafür, denn Lifestyle klingt auch nach Modeerscheinung. Es ist eher ein Lebensgefühl, was sich aufgrund der Intensivität für mich auch nicht mehr ändern wird! Aber der Verlauf lässt sich grob so zusammenfassen: Es begann mit musikinteressierten Eltern – natürlich inklusive deren Plattensammlung. Die Liebe und das Interesse zu den 40er bis 60er Jahren haben sich dann schnell ausgedehnt, d.h. sowohl auf das Geschichtliche als auch auf die Lebensweise, die Musik, die Autos, die Einrichtungen und-und-und. Dann bewegt man sich auch schnell überwiegend in einem Freundeskreis, der sich mit den gleichen Vorlieben beschäftigt. Grundsätzlich mag ich Begriffe wie „Szene“ dafür allerdings nicht besonders, da sie nicht mehr das beschreiben,  was es mal war. Leider gibt es inzwischen sehr viele Leute mit Scheuklappen, die gerne Leute ausschließen, wenn sie nicht gewissen Standards entsprechen.

Das ist etwas, was beim Angebot meiner Tanzkurse für mich sehr wichtig ist: Es ist für mich nicht vorrangig, wie jemand gekleidet ist, wenn er bei mir Rockabilly-Jive erlernen will. Für viele Leute ist es auch überhaupt erst der Zugang, um eine tiefere Verbundenheit dazu zu bekommen. Es ist jede Altersklasse vertreten und es sind natürlich auch Leute dabei, die einfach nach anderen Tanzkursen eben auch mal das Rock’n’Roll-Ding ausprobieren wollen. Soll heißen: JEDER darf und soll auch!

(c) Manu Tanzratte

(c) Manu Tanzratte

Kannst du schätzen, wie vielen Leuten du mittlerweile schon das 5-6-7-8 beigebracht hast?
Nicht wirklich. 5678 waren es noch nicht, aber ich arbeite daran.

Was macht einen guten Tänzer aus?
In erster Linie Spaß an der Musik und an der Bewegung. Sehr hilfreich allerdings ist Geduld am Anfang, Rhythmusgefühl und ein gutes Körpergefühl – das gilt übrigens für beide: Führende und Folgende. Kurz gefasst lässt es sich so sagen: Ein guter Tänzer tanzt MIT seiner Dame und hat sie nicht nur als Deko-Objekt um sich selber durch einen auffälligen Tanzstil zu profilieren.

Persönlich empfinde ich jemanden außerdem als einen guten Tänzer, wenn er ein Gespür für die schön tanzbaren Songs entwickelt und nicht auf Teufel komm raus – bzw. egal zu welchem Musikstil oder Tempo – seine Runden drehen will.

Im weitesten Sinne gibt es aber kaum Dinge, die jemand wirklich falsch machen kann. Und wenn etwas nicht direkt funktioniert, sollte man gemeinsam drüber schmunzeln, um es dann direkt wieder zu versuchen. Dinge, die nicht direkt klappen wollen, oder selbst wenn man bei einer Drehung mal seine Dame verliert, kann man auch ganz charmant als Variation verkaufen.

Wo wir grad bei charmant sind: Wie fordert der korrekte Rock’n‘Roller auf?
Der unschlagbare Vorteil für alle Tänzer ist, dass es dazu nicht vieler Worte bedarf: Es genügt, wenn zur Aufforderung die Hand gereicht wird. Beliebt ist natürlich auch der Spruch: „Darf ich bitten oder wollen wir vorher noch tanzen?“

Sehr schön finde ich die mittlerweile leider nicht mehr so häufig gewählte Variante, wenn die Aufforderung zum Tanz an eine Person gerichtet wird, die mit Partner auf der Veranstaltung ist: In diesem Falle gehörte es nämlich zum guten Ton, nicht direkt den Wunschtanzpartner, sondern dessen Begleitung zu fragen. By the way…. Was heißt hier eigentlich korrekter Rock’n’Roller?! (lacht)

(c) Manu Tanzratte

(c) Manu Tanzratte

Welche Veranstaltungen kannst du für gewillte Tänzer besonders empfehlen?
Es gibt sehr viele Spielarten des Rock’n’Roll und nicht alle sind ausschließlich zum Paartanz geeignet, daher ist es schwierig eine komplette Veranstaltung zu bewerten. Ich selbst entscheide es immer anhand des DJs, der den Record Hop macht, bzw. anhand der Band. Grundsätzlich sind es die melodischen Mitteltempo-Songs, die sich am schönsten tanzen lassen. Einige der besten Beispiele hierfür sind z.B.: Ruth Brown „Lucky Lips“, Big Joe Turner „Love Roller Coaster“, Ray Collins Hot Club „Barefoot „ und „Bye-bye Paris“, Jackie Wilson etc.

Abgesehen von der tanzbaren Musik ist es natürlich immer schön, einen Holzboden zu haben statt eines Betonuntergrundes. Denn das geht auf Dauer tatsächlich merklich auf die Gelenke! Allerdings muss ich es nicht immer besonders schick haben: Richtig runtergerockte Läden mit Charme machen auch sehr viel Spaß!

Du bist selbst auch DJane. Wo legst du auf und was ist dein derzeitiges Lieblingsstück?
Mich findet man z.B. im Bassy Cowboy Club, im Insomnia, im White Trash, im CCCP, in der Woanders Bar, im Home of Rock’n’Roll und auch schon mal im Cafe Keese. Allerdings kommen immer auch neue Locations dazu. So gesehen bin ich käuflich, ganz nach dem Motto „Rent A Rat“.

Mein Problem mit der Frage nach dem EINEN Song ist immer das gleiche. Bei so viel toller Musik kann man es wirklich nicht auf einen einzigen Song beschränken. Somit nenne ich mal 3 von aber sicherlich mindestens 10 jetzt aktuellen Lieblingssongs: Ray Gelato „Pasquale Americano“, Drifters „ Fools Fall in love“ und Capone Brothers „Pe te  Pe te“.

Zu guter Letzt: Gibt es etwas, was du selbst tanzmäßig gern noch lernen würdest?
Gerne würde ich weitere Spielarten des Lindy Hop erlernen (damit wird man nie so richtig fertig) und eventuell sogar Mambo/Cha Cha Cha, obwohl ich kein Freund dieser standardisierten lateinamerikanischen Sachen bin. Aber da gibt es einfach auch herrlich schräge Sachen aus den 40ern und 50ern.

Ich danke dir für das Gespräch! Wir sind bei… Herr-Dame, zu-rück-im-Basic.

(c) Manu Tanzratte

(c) Manu Tanzratte

Apropos Rom – der Weg kann lang sein: Bei meinem ersten Jive-Kurs war ich 8 von 10 Stunden damit beschäftigt, meinen Körperklaus beifuß zu kriegen – wer meine Kolumne las oder das Vergnügen hatte, mit mir tanzen zu müssen, weiß, wovon ich spreche.

Manu weiß es auch. Immerhin hat sie mir in harter Arbeit das kniemotivierte Gehopse (fast) ausgetrieben und in Tanzkurs Numero 2 werde ich mittlerweile als Vorzeigeexemplar geführt: „Die hat’s gelernt, also werdet ihr’s alle lernen.“

Und was in diesem Tanzkurs geboten wird, das lernt tatsächlich jeder, der auch nur ein bisschen will: Zur Rock’n’Roller-Grundausstattung gehört dabei natürlich der Stroller, der mit seiner einfachen Gruppen-Choreo und der wiederholten 360°-Drehung auch liebevoll „Hühnertanz“ genannt wird. Der Jive-Grundschritt ist genauso einfach gestrickt: Es gibt ihn nämlich nicht mal. Eigentlich braucht man als Dame nur eine halbwegs brauchbare Körperspannung – und einen Herrn, der führen kann. Dann geht es ganz von allein.

Kurz: Ich kann es nur empfehlen. Für die Damen sowieso – denn wer einen Tellerrock trägt, soll ihn auch schwingen – und für die Herren gilt es ebenfalls. Selbst wenn sie nur in James-Dean-Pose am Rand lehnen und die anwesenden Damen beim Hühnertanz taxieren wollen.

Für alle, die jetzt Blut geleckt haben oder schon immer einen Tanzkurs machen wollten oder Lust auf Wiederholung haben: Am 21.08.2013 geht es definitiv in die nächste Runde im Bassy Cowboy Club. Außerdem plant Manu weitere Kurse sowie weiterführende Workshops in anderen Locations. Am besten schreibt Ihr bei Interesse direkt an Manu Tanzratte – bei ihr bekommt ihr auch genaue Kostenangaben. Ich kann nur sagen: Die Kursgebühr ist sehr erschwinglich und mehr als gerechtfertigt für Tanzschritte, Comedy mit Manu & Mykey und (wenn es im Bassy stattfindet) ermäßigten Eintritt für Country Swindle und andere Veranstaltungen.

… und wenn man sich dann durch alle Figuren durchgekämpft, Kniewipp-Klatschübungen und persönliche Ermutigungen („HÖRST du jetzt mal auf zu hüpfen?!“) überstanden hat, dann könnte es so aussehen:

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5 Gedanken zu “Berlin für RocknRolla: Manu Tanzratte.

  1. Nika schreibt:

    „Ihres Zeichens Tanzfeldwirbel“ finde ich sehr schön. 5, 6, 7, 8 – Herr, Dame, Herr, Dame… Hahahaha. Manu ist doch immer wieder eine Freude. Danke Sabine.

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