Serj Tankian – Harakiri.

(VÖ 06.07.2012) Das dritte Solo-Album von SOAD-Frontmann Tankian ist rockig angelegt und enthält nur wenig Balladenhaftes. Der Titelsong ist radio- und massentauglich, aber die besseren Stücke sind eben doch besondere Leckerbissen für wahre Genießer.

Serj Tankian - Harakiri.

Serj Tankian – Harakiri.

Ist es gut oder schlecht, wenn ein Album mit dem besten Song überhaupt beginnt? Schlecht vielleicht, weil man danach kein Highlight mehr entdecken kann – und gut, weil „Cornucopia“ einfach mit einem Bombenschlag startet. Fette Powerchords, ein starker Bass und natürlich die unverkennbare Stimme von Serj Tankian, die einem spätestens im epischen Refrain Schauer über den Rücken jagt. Ein bisschen erinnert es an das großartige „Shy Is Over“ – aber eben mit erheblich mehr Druck.

Rockig geht’s danach weiter: „Figure It Out“ erinnert mit seinem Stakkatogesang und Worttempo eher an SOAD, aber allein fehlt Tankian ein bisschen die filigrane Feinheit und die eckige Fantasie, die den Reiz der System-Songs ausmachen. Nichtsdestotrotz ein guter Song, der vom nachfolgenden „Ching Chime“ dennoch haushoch getoppt wird: Nach dem orientalisch anmutenden Einstieg stimmt hier einfach alles: Gesang, Rhythmus, Abwechslung und Exotik, der an einen Muezzin erinnernde Zwischengesang, die Höhen, die Tiefen – definitiv der zweite Knaller auf „Harakiri“.

Danach wird es eine ganze Weile trotz kryptisch-kritischer Texte beschaulich. „Butterfly“ wartet mit genial melodiösen Gitarren auf, und der Titelsong ist beinahe schon ein wenig zu populär poppig geraten. „Occupied Tears“ ist überall dort witzig und fantasievoll, wo die Drummachine schweigt. Mit „Forget Me Not“ bringt Tankian dann auch die Ballade, die man nach den Vorgängeralben schon halb erwartet hat – mit Klavierbegleitung und ebenfalls radiotauglich. Was an dieser Stelle allerdings ein Kompliment ist.

Drehte man bei „Reality TV“ den Speed ein wenig hoch, wäre er durchaus für ein SOAD-Album geeignet – nur die Extreme sind bei Tankian solo nicht ganz so ausgeprägt. „Uneducated Democracy“ geht mit punkrockigen Gitarren einen ganz anderen Weg – und erstaunlicherweise passt Tankians hymnische Stimme gut dazu. Apropos: Der Gesang ist etwas, worüber man bei „Harakiri“ eigentlich nicht reden muss. Präzise, sauber, oktavenreich, genialisch. Serj Tankian eben.

Dass der letzte Song beinahe unbemerkt vorübergeht, ist deswegen schade. „Weave On“ startet mit vielversprechendem Rhythmus, aber der Song selbst ist teilweise eher dünn – wie die gesamte Scheibe. Alles in allem trotzdem ein gutes Album, aber für Tankian gilt wie für so viele andere Solokünstler: Vier Köpfe können mehr als einer.

Bewertung: 3,5/5
Highlights: Cornucopia, Ching Chime, Uneducated Democracy

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