Cherry Bomb: Where We Started From.

Zwei Worte vorweg: knallt rein!

11241622_926678640723413_1382729135965032606_nCherry-Bomb-Alben transportieren transportieren (neben einer ausgesprochenen Potsdam-Verhaftung) für mich vor allem gute Laune. Wenn Fleisch und seine Jungs die Bühne entern, muss ich tanzen – dass die „Jungs“ altersmäßig betrachtet längst keine mehr sind, macht das Ganze umso besser.

Aber von vorn: Der Titelsong und Opener beginnt mit ordentlich Gitarrendresche, wie man es von Cherry Bomb gewohnt ist. Danach sind Füße und Ohren aufgewärmt, weiter geht’s mit „For The Kids“: Oh Boy, this is all for you/ I will give you shelter… – bei diesem Auftakt läuft mir ja immer eine Gänsehaut den Rücken runter. Und mit viel Krawall gibt Papa Fleisch dann noch einen guten Rat: nämlich das Leben mit Leidenschaft zu leben. Und wenn man sich die Cherry-Bomb-Scheiben so anhört, kann man davon ausgehen, dass die Herren durchaus wissen, wovon die singen.

„Here Comes The Blitz“ schlägt tatsächlich ebenso ein, „Lights Of Our City“ bringt ein wenig ruhigere Töne mit (Betonung auf: „ein wenig”) und der ausgestreckte Mittelfinger von „Go Away“ räumt danach mit alten Freunden und Liebschaften auf. „Heroes“ schleicht sich mit dem sanften Klingklang einer Spieluhr an und legt dann umso heftiger nach: We push hard forward, we keep moving on – noch so ein Mantra, was man Cherry Bomb ohne Abstriche abnimmt.

Und nach „Euphoria“ erwartet einen eine kleine Sensation – oder doch eine Premiere: Cherry Bomb auf Deutsch mit „Herz“. Ich war arg skeptisch, muss ich sagen, weil Punk- und sonstige Texte auf Deutsch einfach mal verdammt viel lächerlicher sein können als auf Nur-halb-verstanden-Englisch. Aber Fleisch behielt recht: „Hör’s dir zwei Mal an, dann lässt es dich nicht mehr los.“ Tatsache. Beim ersten Mal war ich noch leicht peinlich berührt, aber dann lässt sich: Höööör auf dein Herz… ganz hervorragend mitgrölen.

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Mein absolutes Highlight ist allerdings der stockend-schaukelnde Rhythmus von „The Fire“. Hier kommt man vom Pogen ins Schwanken und wieder zurück – das fühlt sich neu an und gibt für mich diesem Album noch mal eine Extra-Portion Drive. Mit „So Long“, „Alive“ und dem abschließenden „Those Who We Miss“ legen Cherry Bomb dann wieder mit ihren bewährten Zutaten nach: mit eingängigen Ohrwurm-Melodien, fetter Gitarre und Texten, die mehr sind als bloß Worte auf Musik.

Es wurde auch wirklich Zeit für neuen Stoff! „Lovers“ (2009) und „Generation Nowhere“ (2011) waren schon verdammt lang her, aber – leider! – muss man ja fast sagen, haben die vier Punkrocker Brandenburg ja noch ein anderes Leben neben der Musik und so hat sich die Produktion der neuen Scheibe ganz schön in die Länge gezogen. Im März wurden endlich die letzten Studioaufnahmen abgeschlossen und ein neues Bandmitglied eingeweiht: Nachdem Bassist Dr. Waldi die Band wegen neuem Job und neuer Stadt verlassen musste, haut nun Freddy in die tiefen Saiten.

Und nicht zuletzt gestaltete sich auch die Labelsuche schwierig bis unmöglich. Aber Plattenverträge sind tot, es lebe die Platte! Oder in diesem Fall: Es lebe das Tape. „Die CD ist doch tot“, sagt Bandchef Dr. Fleisch. Also Klappe auf, Tape rein, Pogo an. Right in your fuckin‘ face!!

Zusammengefasst: Ein großartiges Album. Tanzbar und über Themen, die auch jenseits der 20 noch relevant sind. Freunde, Familie, lange Nächte und der Sinn des Lebens – nach „Where We Started From“ hat man das Gefühl, dass da noch was geht. Dass da immer noch was geht, solange man lebt. Und ich wette mit euch, dass euch das typische „Klack. Krrrrt…“-Kassettengeräusch auch direkt um 20 Jahre verjüngt.

Zu bestellen ist das Tape für einen 5er direkt bei Tape Or Die, Cherry Bomb oder PDM Beach Tattoo.
Und damit man überhaupt weiß, wie’s klingt (vom neuen Album gibt’s noch keine Videos): einer meiner alltime-favorits:

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