DYNAMITE #83: The Fucking Buckaroos im Interview.

Dieser Artikel liegt mir aus drei Gründen am Herzen:
a) The Fucking Buckaroos fabrizieren da drüben in Amerika einen großartigen Mix aus Folk, Punk und Bluegrass.
b) Ich hatte großen Spaß beim Interview.
c) Es war mein erster großer Auftrag für das DYNAMITE.

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The Fucking Buckaroos kommen aus San Francisco und haben gerade ihr zweites Album „II“ herausgebracht. Sie spielen darauf eine Menge Highspeed-Banjo – aber wenn man ihnen mit einem nicht kommen darf, ist es der Vergleich mit Mumford & Sons. Aber veralbern lassen sie sich gern und mischen dabei kräftig mit, q.e.d.. Außerdem spielen sie selbsternannten „Punk Rock Americana“ mit einer Prise Bluegrass und wenn es nicht gerade um Musik geht, darf man ihnen eigentlich kein Wort glauben. Kurz: Diese Band hat einfach Spaß.

The Fucking Buckaroos wurden 2004 als Akustik-Projekt gegründet. Die Gründungsgeschichte ist allerdings nicht ganz eindeutig – wer ist neben euch Vieren der ominöse Sean Taylor, der in manchen Biografien auftaucht?

Tim: Am College hatte Thom einen halbfertigen Song namens „I Think You Secretly Wish I Had No Penis”. Ich hab ihm damit geholfen und dann haben wir es in Thoms versifftem Schlafzimmer aufgenommen. Wir haben dabei eine Flasche Whiskey leergemacht und das Ganze „Fucking Buckaroos” getauft. Außerdem haben wir einen Typen namens Claim Johnson erfunden, der den Song angeblich eingesungen hätte. Ein paar Leute haben uns das tatsächlich geglaubt. Sean ist ebenfalls aus dieser Art von Humor entstanden, und im nächsten Jahr kamen dann Ricky und Andy dazu.

Andy: Die ganze Biographie wurde von einem guten Freund namens Jeff Roman erfunden – ohne Autorisierung. Wir werden ihn deswegen noch bis aufs letzte Hemd verklagen.

Euer erstes Album The Fucking Buckaroos” gibt es ja nur als Download bei bandcamp.com. Wie fühlt es sich an „II“ als erste richtige CD in den Händen halten zu können?

Thomas: Großartig! Es ist definitiv unsere bisher größte Leistung.

Andy: Vom ersten Album hatten wir 1000 Exemplare pressen lassen – also nur die CDs, ohne Hüllen.

Ricky: Wir haben Stunden um Stunden damit zugebracht, das Artwork zu basteln und die Cover zurechtzuschneiden, zu falten und zu verpacken. Es war verdammt hart!

Andy: Billig war’s auch.

Ricky: „II“ ist in zehn Jahren das Erste, was perfekt auf dem Punkt ist, was gut aussieht und auch noch gut klingt. Damals waren wir zwar stolz, aber das erste Album ist wie ein Dorn in unserem Fleisch. Wir überlegen, ob wir die besten Songs noch einmal so aufnehmen, wie sie es verdient haben.

Euer Debüt klingt, als würde ein Haufen talentierter Amateure mit Aufnahmeequipment herumspielen: Die Vocals werden teils fast vom Schlagzeug überdeckt und die Melodie kommt kaum zum Tragen. II” ist anders: Immer noch voller Power, aber es klingt nach einer erfahrenen Band, die professionell sehr durchdachte Songs aufgenommen hat.

Ricky: Seit dem ersten Album haben wir Hunderte von Shows gespielt und einiges durchgemacht. Wir haben uns kontinuierlich weiterentwickelt und „II” war viel einfacher aufzunehmen.

Tim: Je mehr Erfahrung man im Studio gewinnt, umso mehr Kreativität entdeckt man an sich selbst. Bei „II“ hatte ich das Gefühl, meine Ideen auch geschliffen auf den Punkt bringen zu können.

Andy: Außerdem war es großartig, mit Bart Thurber im House of Faith aufzunehmen. Er ist eine Legende in der Punk-Recording-Szene hier und wir verdanken ihm einiges von unserem jetzigen Erfolg.

Thomas: Er ist Recording Engineer, spiritueller Führer und Vaterfigur in einem.

Ricky: Außerdem hat er Thomas aus dem Klo rausgequatscht, als der sich einmal völlig verstört eingeschlossen hatte.

Tim: Allerdings vor allem, weil er selber aufs Klo musste, wie wir später rausgefunden haben.

Ihr nennt Leadbelly und Elvis als Vorbilder – genauso wie Nick Cave und Mike McColgan von den Dropkick Murphys. Welche Zeit der Musikgeschichte hättet ihr gern erlebt?

Ricky: Ich mag die späten 20er, ich würde gern die Helden der Folk-Revivals aus den 60ern sehen. Das wäre mir die Depressionszeit dicke wert! Die frühen 50er wären auch gut, damals war die Countrymusik noch groß. Dann hätte ich auch so einen schicken Glitzer-Anzug wie Ray Price oder Hank Thompson.

Tim: Ich habe als Kind davon geträumt, ein wandernder Barde im mittelalterlichen Britannien und Irland zu sein.

Ricky: Das wäre sicher toll gewesen! Bis irgend so ein Lord dir die Eier abgeschnitten hätte, um deinen Stimmumfang zu erweitern.

Habt ihr eine Verbindung zu Irland?

Tim: In den irischen Melodien und Worten steckt eine großartige Atmosphäre von Tragödie – und gleichzeitig davon, diese Tragödie abzuschütteln und das Leben einfach zu genießen. Als ich klein war, war ich richtig heiß auf Mittelalter- und Barockmusik. Es gibt einen blinden Komponisten namens Turlough O’Carolan, dessen Stücke mich sehr berührt haben. Später kam ich dann zum Punkrock und damit zu den Pogues.

Wie unterscheiden sich The Pogues und die Dropkick Murphys als bekannte Vertreter des Irish Folk Punk von euch?

Ricky: Wir hatten die Idee, traditionelle Musik mit der Energie von Punkrock zu verbinden. Aber wir haben uns immer davor gescheut, Verzerrung und so etwas zu benutzen. Wir erzeugen Energie mit akustischen Instrumenten und verstärken sie pur und unverfälscht. Heute sind wir offener gegenüber elektrischen Gitarren und dem ganzen Zeug, aber früher war das ein wichtiger Punkt für uns.

Andy: Wir beschäftigen uns mehr mit den allgemeinen amerikanischen Folktraditionen, anstatt uns nur auf die irische Musik zu konzentrieren. Mittlerweile verarbeiten wir sogar mexikanische Einflüsse.

Wenn wir von Akustik- und Banjo-Bands sprechen, kommen wir an Mumford & Sons nicht vorbei. Sie wurden gegründet, als ihr euer erstes Album aufgenommen habt – wie kommt es, dass sie mittlerweile die größte Folk-Band Europas sind, während euch hier kaum einer kennt?

Andy: Toll, dass uns im Moment immer alle mit denen kommen, denn wir haben außer den Instrumenten absolut nichts gemeinsam. Wir sind nämlich keine Pussies.

Tim: Außerdem kann ich vernünftig Banjo spielen.

Ricky: Wir waren nicht auf der Kunsthochschule und wir haben ein „Fuck” im Namen. Für mich klingen Mumford & Sons wie die verdammten U2 mit Modern-Folk-Topping. Den Leuten gefällt vielleicht die nostalgische Idee vom Folk-Straßenmusikanten, aber drei von uns verbringen ihre Arbeitstage vor dem Computer. Wir haben kein Problem damit, in welcher Zeit wir leben.

Um was geht es in euren Texten?

Tim: Ich glaube, die meisten meiner Songs sind Liebeslieder. Und auf „II“ gibt es zwei Songs über einen Freund, der in einem ungeklärten Mord hier in San Francisco ums Leben gekommen ist.

Ricky: Wir schreiben über eine Menge Zeug, querbeet. Wir schreiben Non-sense-Songs wie „Toto James”, der sich um einen kleinen Hund dreht, genauso wie sehr ernsthafte Tracks über Tod und Verlust, die Liebe und das Leben.

Welcher ist euer Lieblingssong vom neuen Album?

Ricky: Ich mag „Headin’ Back”. Für mich steckt darin die Grundessenz der Band.

Tim: „Toto James” ist ein superwitziger Song, es hat Spaß gemacht, den aufzunehmen. „Death Will Not Turn Away” ist, musikalisch betrachtet, wirklich episch. Was das Songwriting angeht, bin ich wirklich stolz auf „Footsteps“.

Andy: Tim hat diese Gabe, verrückte dylaneske Lyrics schreiben zu können. Dafür ist „Footsteps” wirklich ein gutes Beispiel.

Thomas: Obwohl mich der Gesang von „Footsteps“ immer an die Meat Puppets erinnert.

II” ist der erste Release des neugegründeten deutschen Labels Out Of My Minds Record. Wie ist dieser Kontakt zustande gekommen?

Ricky: Philip hat uns angeschrieben. Andy hatte das Album an das Ox-Fanzine geschickt und dann kam wie aus dem Nichts dieser Junge und wollte unsere Platte in Deutschland veröffentlichen. Da wir gehofft hatten, mal in Europa zu spielen, kam uns das gerade recht.

Ihr seid ein fester Bestandteil der Punkszene in San Francisco, ihr spielt seit fast 10 Jahren zusammen und ihr habt euch sogar Buckaroos-Tattoos stechen lassen. Was bedeutet die Band für euch?

Andy: Es ist meine Entschuldigung dafür, einfach weiterhin Schlagzeug zu spielen und mich um nichts zu kümmern.

Tim: Ich habe das Gefühl, auf der Bühne alle Dämonen raus zu lassen. Man wird den ganzen Scheiß los, den man sonst so mit sich rumschleppt.

Ricky: So geht’s mir auch, es ist wie eine Befreiung. Ich erinnere mich gut daran, wie wir mit lauter Demo-CDs rumgefahren sind und in jeder Sportsbar versucht haben, einen Gig zu kriegen. Die Leute haben uns ausgelacht! Aber wir haben es ihnen gezeigt.

Habt ihr nie davon geträumt, Vollzeit-Rockstars zu werden?

Tim: Und ob – die ganze Zeit!

Ricky: Für mich sind die Träume von großem Glanz und Ruhm vorbei, aber ich würde am liebsten die ganze Zeit touren. Wir sind da sehr amerikanisch: Wir sind stolz darauf, dem Rest der Welt unsere amerikanische Musik zu bringen. Das ist allerdings nicht mit Patriotismus zu verwechseln! Aber ja, die Touren sind extrem wichtig. Wenn wir das nicht machen würden, würde es uns wohl nicht mehr geben.

Andy: Amen… Aber ich träume noch vom Rockstar-Leben. Ich wäre allerdings auch glücklich, wenn ich bloß rumvögeln und Musik machen könnte.

Im Moment spielt ihr in San Francisco und Mexiko, aber für den Sommer habt ihr eine Europatour angekündigt. Kommt ihr nach Deutschland?

Tim: Wir fangen in Berlin an, dann geht’s weiter.

Ihr seid alle in den Endzwanzigern. Der 30. Geburtstag ist ja so etwas wie eine magische Grenze. Gibt es etwas, was ihr vorher unbedingt noch schaffen wollt?

Andy: Ich will rausfinden, wie man nicht 30 wird, bevor ich 30 werde. Wenn ich es weiterhin schaffe, keine Gesichtsbehaarung zu kriegen, bin ich schon mal gut dran.

Tim: Ich würde gern meinen B.A. beenden. Außerdem ist 30 das neue 20.

Thomas: Das machst du dir vor, alter Mann.

Habt ihr keine besonderen Ziele, was die Band angeht?

Andy: Oh, das meinst du! Na ja, wir waren jetzt in Mexiko, Kanada und im Sommer kommen wir nach Deutschland. Vielleicht Japan oder Indonesien als Nächstes? Oder an die Ostküste.

Tim: Ich fände Ostküste und die Südstaaten großartig. Das sollten wir uns hinkriegen, bevor wir 30 werden.

Das klingt doch nach einem guten Plan. Vielen Dank für das Interview und euch eine erfolgreiche Tour!

 

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