Donots im Astra, Berlin am 20.10.2012.

Was macht eigentlich der gemeine Münsteraner so, wenn er so richtig Rücken hat? Er braucht eine halbe Stunde, um seine Unterhose mit Hilfe von Fußwurf-Technik an den rechten Platz zu bringen und fährt dann nach Berlin, um ein Wahnsinnskonzert abzuliefern.

So geschehen am Samstag, mit Donots-Sänger Ingo in der Hauptrolle. Aber bevor der mitsamt Band auf die Bühne kam, waren erst mal Nothington mit Punk-Rock aus San Francisco dran. Leider war er ihr letzter Auftritt mit den Münsteranern – zumindest für diese Tour –, aber sie haben mit ihrem rohen Sound mit Sicherheit nicht nur einige Fans dazugewonnen, sondern nehmen auch selber mindestens eine Erkenntnis mit nach Hause: Diese verrückten Deutschen tun Gurke in ihre Drinks. Zumindest haben die Donots nach eigener Aussage während der Tour eifrig an diesem urbanen Mythos gebastelt – also, Nothington! War ein großartiger Auftritt, eine Gurke auf euch!

Anschließend machte die Location beim Auftritt der Donots ihrem Ruf einmal mehr alle Ehre: Abmischung und Sound: schlecht, schlechter, Astra. Vom Text war plötzlich kein Wort mehr zu verstehen, dafür übertönte das Keyboard sogar die Gitarren. Hm ja. Zum Glück kriegten die Tontechniker das schnell in den Griff – wäre sonst auch schade gewesen, denn die Donots haben musikalisch einiges zu bieten. Was davon (zunächst) nicht zu hören war, machten sie allerdings mit Elan und Witz wieder wett.

Freimütig berichtete Ingo von seinem Kampf mit Dusche, Socken und Unterhosen und den wunderbaren Taten eines Berliner Masseurs. Der seinen Rücken offensichtlich derartig in die Mangel genommen hatte, dass ihm nach einer noch vorsichtigen Einstiegphase – „das rächt sich alles morgen früh, ich sag’s euch, aber egal“ – später sogar Stagedives und zaghafte Sprünge möglich wurden.

Die sechs Herren aus Münster sind dabei Meister des Crowd-Entertainments: Vom Circle über den Mosh Pit, über „setzt euch doch mal alle hin“ bis zum Telefonat mit einem Handy aus der ersten Reihe („Hallo Nina! Sagt doch mal alle: Hallo Nina!“) bis zur selbstironischen Lehrstunde in effektiver Selbstvermarktung („Man fragt nicht, ob sie wiederkommen… man sagt: Ich sehe euch alle wieder, Berliiiin!!!“ – „Ach, dann kann ich mir vorstellen, wie du deine Freundin überzeugt hast…“)… wird alles geboten. Mit dabei natürlich auch jede Menge Songs vom neuen Album, ein Cover dieser „jungen, aufstrebenden Band aus Düsseldorf, den Toten Hosen“ und die Klassiker à la „Whatever Happened To The 80s“.

Als Zugabe gibt es eine beinahe privat anmutende Konzerteinlage am aufklappbaren Lagerfeuer: Alle setzen sich hin, Ingo und Guido steigen samt Akustikgitarre von der Bühne und legen mitten im Publikum einen kleinen Unplugged-Auftritt hin.

Der Rücken übersteht das Gekraxel zurück auf die Bühne ganz gut, also wird beim finalen Song dann doch noch ein Stagedive nachgelegt. Und sich noch und noch einmal über die glücklichen Gesichter im Publikum gefreut, während der Schweiß läuft und die Band selber das Grinsen nicht aus dem Gesicht bekommt. Also, wenn DAS „Rücken“ ist, dann scheint es gewaltig Spaß zu machen. Ein Schnaps mit Gurke auf die heilenden Hände der Berliner Masseure!

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