Menschen: Sabine Wirsching und die Liebe, von der keiner weiß.

"Wo passiert es, dass Liebe zu Hass mutieren kann. Oder dass wir uns fragen, ist das jetzt wirklich Liebe oder war das nur ein: ich finde dich etwas mehr als okay nach zu viel Schnaps und Gefummele auf der Bierbank." - Großartige Zusammen-Arbeit mit der wunderbaren Sarah Riedenberger - Keiner weiß, wo die Seele sitzt. … Menschen: Sabine Wirsching und die Liebe, von der keiner weiß. weiterlesen

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swi: Silly Swingers.

Suburban Road.

Die junge Frau vor mir hat ihren Einkauf immer noch nicht auf das Laufband gelegt, langsam wird der Platz knapp.

Ich stapele drei Pizzaschachteln, einmal Lasagne, die Currywurst und zwei Pakete Tiefkühlpaella eng nebeneinander auf, aber erst, als die Kassiererin schon nach meiner Pizza Funghi greifen will, leert die Frau den Inhalt ihres Einkaufskorbs aus: Hirsestangen für Kanarienvögel, zwei Gurken, drei Tiefkühlbaguettes, eine italienische Salami, und eine Dr. Best Zahnbürste poltern auf das Band. Und eine Schachtel Kondome. In diesem Zusammenhang sieht plötzlich alles Gekaufte phallusförmig aus, denke ich und muss grinsen, während ich mich nach dem Sixpack in meinem Einkaufswagen bücke.

Als wenn sie meine Gedanken gelesen hat, wird die junge Frau rot. Es gelingt ihr nicht, den Einkaufskorb akkurat auf den Turm seiner bereits abgestellten Vorgänger zu setzen, er stellt sich quer und sie kann ihn nur mit einem Ruck an seinen Platz zwingen. Ihr Gesicht rötet sich…

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Farewell.

Die Legende sagt, dass sie kaum sprachen, als sie sich zum ersten Mal begegneten. Nicht mehr als 30 Sekunden, so wurde geschätzt, lagen zwischen dem ersten Wort und dem ersten Kuss. Gelogen. Die Wahrheit ist, dass die Musik viel zu laut war, um auch nur ein Wort zu reden. *** Es ist diesmal das Gute, das bleibt. … Farewell. weiterlesen

swi: Please Don’t Pull The String.

Suburban Road.

Ich sitze an deinem Bett und sehe dir beim Schlafen zu. Du atmest ganz tief, ich sehe, wie dein Bauch sich hebt und senkt. Deine Hand hält meine ganz fest. Deine zarte, zerbrechliche Hand, ich bin immer überrascht, wie kräftig du damit zufassen kannst. Die Bettwäsche ist weiß, ganz weiß, kein einziger Fleck weit und breit, auch nicht auf dem Rahmen oder auf dem türkisgrau gemusterten Linoleum, das in allen Krankenhäusern dasselbe zu sein scheint.

In dem Bett neben dir liegt eine alte Frau. Auch sie schläft, sie schläft immer. Ihr Mund ist offen, der Atem weht hinein und hinaus; es klingt, als würden Blättern rascheln in ihrer Lunge. Sie bekommt bald Besuch, jeden Tag pünktlich um viertel nach drei steht ihr Mann in der Tür. Ich werde dann rauchen gehen und meine Runden durch den Park unten laufen, bis er nach genau zwei Stunden wieder geht. Ich war nur…

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swi: Der Brand oder Von dem, was bleibt.

Suburban Road.

–        „Es brennt im Hinterhof!“

Ein stilles Silvester, das war der Plan gewesen. Sie hatte gekocht. Drei komplizierte Gänge, nur für sich allein. Vier Stunden hatte sie in der Küche verbracht, in schlabbrigen Jogginghosen, mit selbstgestrickten Filzpatschen an den Füßen und mit purer Gemütlichkeit. Laute Musik, gutes Essen und bitte, bitte keine Menschenmassen.

Dieses Jahr wollte sie ganz allein feiern. Und während alle anderen aufgeregt ihre Party planten („Wenn wir zum Brandenburger Tor wollen…“ – „Ey, was für’n Berliner bist du denn?! Das ist nur was für Touris!“ – „Aber das Feuerwerk…“ – „Lass uns lieber in’n Club gehen““ – „Aber das Feuerwerk…“), hatte sie durch Kochbücher geblättert und in sich hinein gegrinst. In diesem Jahr würde sie Feuerwerk sehen, entspannt und ganz oben aus dem 5. Stock, in ihrer Hinterhofwohnung.

Es war nach 22 Uhr als sie es sich zum Nachtisch in ihrem Lieblingssessel bequem machte und die „Dinner…

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swi: Give This Man A Ride.

Suburban Road.

Als ich fast 4 war, las mir mein Vater wie jeden Abend ein Märchen vor, deckte mich gut zu und ging Zigaretten holen. Er kam nie wieder.

Meine Erinnerung an ihn schwand schnell. Am deutlichsten ist das Bild, wie er neben mir auf der Bettkante sitzt und eine Geschichte vorliest. Und wie ich mich danach beim Gute-Nacht-Kuss an seinen Hals hänge, damit er noch ein bisschen länger bei mir bleibt. Ich weiß, dass er einen Bart hatte, weil der bei dieser Umarmung immer ein bisschen kratzte. Ansonsten sind die Erinnerungen an meinen Vater verschwommen – es blieb wenig mehr als ein Gefühl von Geborgenheit und der Geruch von Rauch an in seiner Kleidung, wenn ich auf seinen Schoß krabbelte. Ich frage mich heute, ob er in dieser Nacht noch Zigaretten holte, oder ob er das Rauchen so schnell aufgab wie uns.

Nachdem meine Mutter aufgehört hatte zu weinen, sprach sie…

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swi: Schlangenleder.

Suburban Road.

Du hast mir nichts als Pech gebracht.

Als ich dich kennenlernte, war ich nicht unbedingt das, was man landläufig erfolgreich nennt. Aber ich hatte einen Job, von dem ich gut leben konnte und der mir den ein oder anderen kleinen Luxus erlaubte. Trekking-Urlaub in Thailand, mindestens zwei gute Rockkonzerte im Monat und mein jährliches Paar Schlangenlederstiefel.

Ich hatte gerade mein achtes Paar vom Schuster geholt als wir uns kennenlernten. Sie waren noch ganz neu, blau mit weißen Einsätzen diesmal, das Leder knirschte bei jedem Schritt und ich hatte sie frisch besohlen lassen. Mit Metallplättchen. Wenn die Absätze mit einem harten Klicken auf den Asphalt trafen, fühlte ich mich mitten in der Stadt wie ein Cowboy. Wie ein harter Mann, der abends am Lagerfeuer seine Bierflasche mit den Zähnen aufknackt und den Deckel hinter sich ins Gras spuckt.

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