How to be treated by a Lada.

Ein Lada ist kein Wertgegenstand? Nun ja. Vom Wahrheitsgehalt dieser Behauptung, von freundlichen Hunden und einem Abend im Nirgendwo handelt die nächste Epidode mit unserem russischen Freund.

In einem schwedischen Werbefilm wird ein Klischee-Spießbürger in seinem Lada Niva von einem Klischee-Russen überfallen, der seine friedlichen Fahrweise in die richtige Spur bringt. That’s not a way to treat a Lada!! Dabei ist es eigentlich umgekehrt: Einen Lada kann man so ziemlich behandeln wie man will, aber der Lada zahlt es einem heim.

Zerkratzter Lack nach der Flugrostentfernung? Kein Problem. Der fügt sich harmonisch ins Gesamtbild von rostigen Kotflügeln, eingedrücktem Hinterteil und verbeulter Stoßstange (denn diese Stoßstange lässt sich noch verbeulen, statt wie ein faules Plastikei zu platzen).

Etwas problematischer war dagegen das Fiepen, das beim Anlassen zeitgleich mit der Zündung startete. Es kam irgendwo von hinten und klang wie einer dieser Pieper, die man zum Ungeziefervertreiben in die Steckdose stecken kann. Nur waren in diesem Fall wir das Ungeziefer. Der Mann beschloss also umgehend, sich nach langer Auszeit seine KFZ-Mechanikerausbildung zu Nutze zu machen. Sprich: an einem Vormittag nahm er die halbe Kiste samt Rückbank und Kofferraum auseinander und fand schließlich den Übeltäter: Die Kraftstoffpumpe war’s und damit das bekannte Lada-Problem Nr. 3 (zu dem sich nettweise gleich Nr. 4 gesellte – nämlich die immer wieder aufblinkende Motorleuchte, die etwas mit dem Klopfsensor und dem Nockenwellensensor zu tun hat und Probleme meldet, die gar nicht da sind).

In unseren Nichtwertgegenstand wanderte also eine neue-alte Kraftstoffpumpe. Ziemlich günstig, weil gebraucht und weil Lada, aber es war das erste Stück Kleinvieh in der (Problem-)Herde. Übrigens piepte die neue Kraftstoffpumpe genauso. Der Mann nutze also zusätzlich zu den KFZ-Kenntnissen seine Improvisationsgabe und stopfte dem Ding mit Gummifolie weitgehend das Maul.

So beruhigt und abgedämmt machten wir uns nach der ersten Woche auf die erste längere Tour: 300 Kilometer Autobahn waren angesagt. Und wenn man sich an eine Höchstgeschwindigkeit von 110 km/h hielt, kam man nicht nur in den Genuss von vibrierenden Massagesitzen, sondern konnte man sich sogar noch unterhalten. Außerdem erfreute uns Rosti mit einem Verbrauch von gerade mal etwas mehr als 8 Litern. Da tanzte nicht nur das Hula-Mädchen!

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Kaum waren wir von der Autobahn runter (und der Lärmpegel im Auto gesunken), tauchte ein neues Geräusch auf: Diesmal war es ein Klopfen im Motorraum.

Zum Glück war es zum Ziel nicht mehr weit und zum Glück war mein Vater erfreut über den Familienzuwachs: „Endlich mal ein richtiges Auto!“, strahlte er und am nächsten Morgen machte er sich gemeinsam mit dem Mann an das Klopfproblem. Zwei Stunden und ein paar Youtube-Videos später („Die Ventilsitze kann man nicht einstellen, es ist der Hydrostößel!“) schnurrte Rosti wie ein Kätzchen und die beiden Herren ebenfalls.

Ein Ausflug durch Wälder, über Serpentinenkurven und das vollgepackt mit vier Leuten? Kein Problem. That was scheinbar the way how to treat a Lada!

Am nächsten Tag machten wir uns auf die Rückreise. Rosti schnurrte, und zwar dank Herbstferienende mitten in einen Stau hinein. Zum Glück, muss man im Nachhinein sagen. Zum Glück fuhren wir langsam, zum Glück war der Fahrer neben uns so nett, ein „Ey! Eure Karre verliert Flüssigkeit!“ zu brüllen und zum Glück war es ein schöner Herbsttag, so dass wir nicht in Kälte und Regen auf den ADAC warten mussten. Denn den brauchten wir, das stellte sich direkt heraus als wir die Motorhaube öffneten und uns direkt die komplette Kühlerflüssigkeit entgegenkochte (oder doch das, was wir noch nicht verloren hatten).

Der Mann kochte mindestens auf der derselben Temperatur. Er verfluchte seine vorschnelle Liebe zur Russenkiste und wäre allen Gaffern am liebsten mit dem nackten Hintern auf die Windschutzscheibe gesprungen. Denn: Was war es nun schon wieder?

Der ADAC-Mann kam nach einer Stunde, hatte gleich einen Abschleppwagen mit und brachte auch sonst nur Gutes mit: Er tippte lediglich auf einen kaputten Austauschflüssigkeitsbehalter (denn hier bröckelte ihm das Gewinde entgegen), vielleicht noch auf Thermostat und einen rostigen Kühlerdeckel. Nichtsdestotrotz: „Hier reparieren wir aber nichts“, sagte er und lud Rosti auf.

Im Riesen-ADAC-Schlepper-Schlachtschiff gondelten wir dann im Schneckentempo davon. Natürlich nicht nach Hause (denn bis gestern Abend waren wir noch keine ADACplus-Mitglieder), sondern auf den Hof des Schlepperfahrers, den wir dank ländlichem Dialekt und fleckigem Pulli noch für einen kleinen Schlucker hielten. Einen ADAC-Schlepperfahrer eben.

Nun ja. Der kleine Schlepperfahrer stellte sich als König eines 160-Seelen-Ortes in malerischer Lage heraus. Dort bewirtschaftete er mit seinem Sohn nämlich auf einem professionell umgebauten Bauernhof ein monströses Autohaus mit Werkstatt sowie etliche Schafe und zwei Ponys zur Belustigung seiner sechs Enkelkinder. So kann man sich irren.

Ziemlich überwaltigt vom Interieur kraulten wir seinen beiden Australian Shepperds die felligen Bäuche und schlossen Freundschaft mit zwei Campern, die auf dem Hof auf Montag und den Ersatz für einen gerissenen Kupplungszug warteten. Zum Abendbrot gab es Schinken mit Äpfeln aus Mamas Fresspaket. Dann drehten wir eine Runde durch die Wiesen, um den Blutkreislauf in den kalten Füßen anzuregen – zumindest bis der König (der mit seinen Hunden auf dem Feld die Schafe einsperrte) uns mit dem Kommentar „Um die Zeit sind draußen die Jäger unterwegs“ wieder zurück in den Ort scheuchte, während vor uns bereits der erste Schuss krachte.

Wir flohen auf den dunklen Kinderspielplatz. Der Mann reagierte sich mit ein paar Klimmzügen ab und ich schaute mir von einer Schaukel aus den Aufgang des Vollmonds an. So unverhofft idyllisch kann ein Ausflug mit dem Lada sein.

Netterweise mussten wir die Idylle nicht mehr allzulang genießen. Es reichte, um der ADAC-Mitgliedschaft ein Upgrade zu verpassen (beim nächsten Breakdown bekommen wir jetzt einen Mietwagen und Rosti wird frei Haus geliefert) und die nötigen Ersatzteile per Handy zu bestellen (diesmal neu, aber immer noch günstig, weil immer noch Lada). Dann kam Schwiegervater um die Ecke gebrillt und brachte uns mit stürmischen 190 km/h zurück nach Berlin.

Rosti wird am Freitag wieder fitgemacht. Der Mann und mein Vater werden ihre Bastelstunde auf halber Strecke fortsetzen und wenn ihre Zauberkräfte nicht reichen, haben wir ja jetzt ADACplus. Einmal Standgebühren reichen, da kann der Autohof noch so idyllisch sein. That’s the way how to treat a lada.

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2 Gedanken zu “How to be treated by a Lada.

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