Happy oder End – das ist hier die Frage.

Gestern habe ich mit meiner Frau Mama telefoniert. Und nachdem wir eigentlich alles Wichtige besprochen hatten, was Mütter und Töchter so zu besprechen haben, klingelte abends schon wieder das Telefon bei mir. Ein Blick aufs Display – und Herzklopfen, denn meine Großeltern sind alt und just for fun hatten wir ja schon geplaudert.

Um es vorweg zu nehmen: Meinen Großeltern geht es prima. Dennoch war meine Mutter völlig aufgekratzt und musste mir noch schnell erzählen, dass eine Dame aus ihrem Wirbelsäulenturnkurs sich unlängst nach mir erkundigt habe. Was ich denn so mache und überhaupt. Meine Mutter erzählte vom Autorenträumchen – und tatsächlich flitzte die Dame los, kaufte den „Druckstau“ und las ihn in drei Tagen.

Sehr gut zu lesen, mal was anderes. Nur schade, dass es so traurig ausgeht!

Das war die Rückmeldung, die meine Mutter fröhlich überbrachte. Und ich freute mich. Sehr. Liebe unbekannte Wirbelsäulendame: You made my day. Gleichwohl geriet ich auch ins Grübeln. Denn ich neige ja zu Nicht-Happy-Ends. Oder jedenfalls zu offenen Enden, an denen ich (wenn man es denn so lesen will) dezent die Moralkeule aus dem Handgelenk kreisen lasse. Enden, an denen man überlegen kann, welche Perspektiven der Protagonist an dieser letzten (Text-)Stelle hat und wie er sie wohl nutzen wird.

Klassische Mainstreamtechnik ist ja: Ausgangssituation, leichtes-bis-schweres Chaos, Lösung, Neuanfang. Und auch, wenn man am Ende schlucken oder gar weinen muss: In der Regel ist der Protagonist doch im Aufbruch. Geklärt, geläutert, um Erfahrungen reicher und im Aufschwung – mehr oder minder. Ich setze den Cut ein Stückchen früher; nämlich am Ende des Chaos‘,also kurz vor der Lösung.

Inzwischen frage ich mich… reicht das? Will das so wirklich jemand lesen? Will das ein Verlag haben? Will ein Leser diesen Stups mit der Reflexionskeule? Sollte ich nicht noch ein Stückchen mehr Ausblick wagen? Der Figur mehr Richtung geben?

Was meint ihr? Wie lest ihr gern? Wie schreibt ihr?

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15 Gedanken zu “Happy oder End – das ist hier die Frage.

  1. Curima schreibt:

    Am liebsten mag ich Enden, die beides sind. Gut und schlecht, ein Abschluss und ein Neuanfang, ein Schlusspunkt und Grundlage für eigene Überlegungen. So wie – um jetzt mal ein Beispiel zu nehmen, das jeder kennt – Frodo zwar die Welt rettet, aber dafür selbst nicht mehr glücklich werden kann. (Aber da ich nur eins anwählen konnte, hab ich fürs Unhappy End gestimmt 😉 )

  2. eimaeckel schreibt:

    Nee, happy end muss sein, oder zumindest ein offenes Ende. Ich bin sowieso traurig, wenn ich mich von einer Geschichte trennen muss, da brauch ich nicht noch einen Moralischen.

  3. Sylvia Kling schreibt:

    Ich liebe „Refexionskeulen“!
    Happy End?
    Vielleicht ein wenig Hoffnung (so ganz ohne kann ich kaum), aber ich persönlich finde ein Happy End langweilig, denn das Leben ist oft anders.
    Schön, Dich hier gefunden zu haben. Ich freue mich über nicht zu engstirnige Autorengespräche. 😁

    Liebe Grüße
    Sylvia

    • Sabine Wirsching schreibt:

      autorengespräche sind immer willkommen! und engstirnig… nee, das machen wir nicht 🙂
      schön, dass du da bist – willkommen!!

      PS: wer reflexionskeulen mag, kann gar nicht engstirnig sein.
      PPS: mit den hapy ends geht es mir nämlich ganz genau so. im echten leben gibt es die einfach nicht, da kommt immer noch was & nichts bleibt wie es ist. (gut so, übrigens)

  4. 500woerterdiewoche schreibt:

    Hmm, mal so mal so, würde ich sagen. Es gibt Bücher, denen würde was fehlen, wenn nicht alle Fäden am Ende wieder aufgenommen und verknotet würden. Und es gibt Bücher, bei denen ein offenes Ende stärker wirkt, als jede Auflösung das könnte.

    Zum Druckstaueffekt bin ich leider immer noch nicht gekommen 😦 Sonst könnte ich dir sagen, ob es mir da gefallen hat. So viele Bücher, so wenig Zeit! *heul*

    • Sabine Wirsching schreibt:

      so ist das leserleben… hart, aber ungerecht!
      der „druckstau“ ist (und bleibt) wie er ist. der kann tatsächlich auch in meinem kopf gar nicht anders enden. aber die „drei worte“ liegen ja noch auf dem schreibtisch und da frage ich mich schon, ob es so reicht – auch mir selber. herrgott, manchmal ist es kompliziert 😀

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