Bockstarre oder Was ist ein Hase im Fitnessstudio?

Ich war immer ein Sportmuffel. Oder sagen wir es anders: Ich war immer ein Muss-Muffel. Denn als ich als frischgebackener Erstklässler meine allererste Laufrunde um den Sportplatz antreten wollte und dabei nicht schnell genug in Gang kam, keifte mich meine damalige Lehrerin derartig an, dass ich keinen Schritt mehr lief. Nie. Mehr.

Vier Jahre bin ich mit der Keifziege an meiner Seite um den Sportplatz geschlurft. Im Schneckentempo. Wenn ich meine Ex-Sportlehrerin heute sehe, falle ich immer noch automatisch im Bockstarre. Mein einziger Triumphmoment in vier Jahren Sportterror: das silberne Schwimmabzeichen. Statt in so-und-so-viel Minuten so-und-so-viel Bahnen abzureißen, blieb ich einfach die vorgeschriebene Maximalzeit im Wasser. Als Toter Mann, gemütlich in der Mitte des Beckens treibend, und die Ohren so voller Wasser, dass die Alte am Beckenrand toben konnte wie sie wollte. Das Abzeichen musste sie mir trotzdem geben.

Auf dem Gymnasium nutzte ich meine Anfälligkeit für Kreislaufprobleme und kippte nach den ersten 20 Metern Aschenbahn vornüber auf den Rasen. Der Spruch: „Immer diese Vegetarier! Wieder nicht anständig gefrühstückt, was?“ kam mir da nur recht.

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Erst mit 25 Jahren ging ich das erste Mal freiwillig zum Sport: In der Ausbildung hatte ich ratzfatz sieben Kilo zugenommen, weil Buchhändler neben Büchern in jeder Ecke auch Schokolade in jeder Schublade haben. Auweia. Als ich nach dem Studium wieder im Buchhandel anfing, wusste ich, dass ich der Schokolade nicht entgehen konnte. Denn die Gleichung lautet: ein garstiger Kunde = ein Viertelpfund Zucker.

Also meldete ich mich bei einem Fitnessstudio an. Und wider Erwarten gehe ich ganz gern dorthin. Weil ich nicht muss. Weil es keine Termine gibt, keine Zensuren, und ich ganz in Ruhe vor mich hin körperklausen kann. Denn Arm-Hand-Bein-Koordination gehört (direkt neben Sportlehreraffinität) nicht gerade zu meinen ausgeprägtesten Fähigkeiten.

Doch wenn ich mir einbilde, dass keiner guckt – dann geht’s. Und das inzwischen seit fast acht Jahren.

 

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Ach so: Was ist ein Hase im Fitnesstudio? Ein Pumpernickel! Hihihi.

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11 Gedanken zu “Bockstarre oder Was ist ein Hase im Fitnessstudio?

  1. Herr Hund schreibt:

    „weil Buchhändler neben Büchern in jeder Ecke auch Schokolade in jeder Schublade haben“…wie wahr….und ich erst. Ganz schlimmschön. Die Nachbarschaft von Hölle und Paradies, eigentlich dieselbe Räumlichkeit, ist hiermit bewiesen.

    Und dann noch Krümelmonster-Superheld-Video. Vielen Dank.
    Liebe Grüße
    Herr Hund

    • Sabine Wirsching schreibt:

      wenn man eine eindeutige, berufscharakterisierende bewegung machen sollte: ich könnte mich zwischen stapelgraderücken und etwas-kleines-in-den-mund-schieben nicht entscheiden!

  2. Censay schreibt:

    Isch sach dir. Da hab ich bis zum reifen Alter von 28 Sport so gut es ging umgangen. Dann finde ich durch Zufall einen Sport der gefällt und gehe darin auf. .. Bandscheibe raus. Ja ne is kla.

    Wer lange keinen Sport gemacht hat muß gut auf sich aufpassen. 😉
    Insofern: verflucht seien keifende Sportlehrerinnen und das muss im Sport. 🙂
    Und deinem ’nickelchen fehlt ein l.

  3. Claudia Wirsching schreibt:

    Du hast ganz und gar die Traumfabrik Regensburg als Alternative zum keifenden Sportlehrerinnen-Unterricht vergessen. Auch Sport in der Schule geht gaaanz anders!!!

    • Sabine Wirsching schreibt:

      ich habe auch kurz erwähnt, ob ich meine weltbeste sportlehrerinnenmama mit ihren jonglier- und zirkusprojekten noch erwähne… asche auf mein haupt!

      ja, es geht auch anders. sonst würden deine ehemaligen schüler nicht mit begeisterung ihre kinder bei dir einschulen (während ich meine ex-sportlehrerin auf der straße nicht mal grüße).

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