Out of the Box oder Was ich beim neuen Manuskript (nicht) besser machte.

Acht Testleser gibt es für #dreiworte und jeder hat so seinen eigenen Blick auf den Text.

Meine Mutter zum Beispiel liest das Ganze im Lehrerinnen-Modus. Sie bemeckert entsprechend, dass ich die Komma-oder-nicht-Komma-Regel beim „als“ überhaupt nicht auf die Reihe kriege. Und als (hier kommt kein Komma, ha!) sie innerhalb weniger Minuten auch noch zwei Grammatikfehler findet, folgt der trockene Kommentar: „Und dich haben wir Germanistik studieren lassen…“ Hm. Ja. Ich hab dich auch lieb, Mama!

Der Män korrigiert sämtliche Mechanikerthemen und Kumpeldialoge. Von ihm erfahre ich, dass man(n) mit Ende 20 nicht mehr „Atze“, sondern „Dicker“ sagt und dass möglichst wortkarge Gespräche die besten sind. Meine Frau Doktor Schwester kreidet mir einige Logikfehler sowie die Verwechslung von Statik und Statistik an – huppsa.

Soweit sind das alles Kinkerlitzchen. Wichtige Kinkerlitzchen, aber eher der Zucker auf der Torte. Das Konfetti in den Haaren. Ihr wisst schon. Die drei wichtigsten Kritikpunkte liefern mein Suburban-Road-Mitschreiber und Monsieur Winter (wenn auch hier das dicke Ende erst noch kommt) und ich denke sie taugen nicht nur für meinen Text, sondern ganz generell als wertvolle Schreibtipps:

1. Zuviel des Guten ist nicht mehr gut.

Bei der ersten Version vom „Druckstau“ hatte ich den Figuren bis auf zwei Ausnahmen praktisch keine eigenständige Persönlichkeit gegönnt. Bei „#dreiworte“ passierte das genaue Gegenteil: Statt lebloser Zombies habe ich eine Bande hyperaktiver Tausendsassas geschaffen, die viel können, viel tun und vor allem viel zu sagen haben.

Abgesehen davon, dass ich mich dabei hier und da auf meine eigenen Leidenschaften bezogen habe (da kenne ich mich wenigstens aus), wollte ich mir einen Großteil der Abschweifungen wohl auch vor allem selber erzählen. Raus mit den Hintergrundinfos für mich selbst – eine Lektion mehr zum Thema kill your darlings.

2. Ja, aber also ganz eigentlich war das schon so mit ein bisschen ein Lieblingswort!

Habe ich erzählt, dass beim „Druckstau“ am Ende bei 120 Manuskriptseiten eine ganze Seite raus flog, nachdem ich die Aufgabe Strg+F „aber“ erledigt hatte? Es ist beschämend, aber (mmmh…) Tatsache. Deswegen nahm ich mir vor, diesmal darauf zu achten.

Kein Aber! Mein Unterbewusstsein wich daher auf Alternativen aus: ja, mal, ein bisschen, kurz, ganz, alles, eigentlich, und, dann, schließlich, als, nichts, noch, doch… und ach ja: 924 „aber“ waren auf 184 Seiten auch noch am Start. Hust. Und, was sind eure Lieblingsworte so?

3. Testleser merken alles.

Es ist paradox: Man hat Testleser, damit sie Fehler entdecken. Sie finden Dinge, die einem selbst im Traum nicht aufgefallen wären („Wieso reden die die ganze Zeit schon von Flughafen, wenn sie doch eigentlich mit dem Zug kommen soll?“) – aber dann gibt es da noch diese anderen Dinge. Die Makel, die versteckt im Text lauern wie ein Monster unterm Bett: Man weiß, dass sie da sind – aber man will lieber nicht nachschauen. Und hofft, dass der Testleser das einfach nicht merkt und man sich den Schreck erspart.

Aber Testleser sind furchtlos: Sie schrecken jedes Monster gnadenlos auf un sagen so Sachen wie „Deine Struktur funktioniert hier nicht“, „wenn du das so und so machst, habe ich das Gefühl, als hättest du dich kein Stück weiterentwickelt“ und „der Teil kommt mir bekannt vor“. Dann wird man erst rot, dann blass, dann möchte man alles hinschmeißen – aber am Ende ist man froh, dass das Monster aus dem Sack ist. Ausgesackte Monster lassen sich nämlich beseitigen – oder stellen sich am Ende als niedliche Staubfluse heraus.

Deswegen an dieser Stelle: Ein Hoch auf euch alle. Und auch für das Lob, das ihr wohldosiert einstreut, bevor ich einen emotionalen Zusammenbruch erleide ❤

 

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6 Gedanken zu “Out of the Box oder Was ich beim neuen Manuskript (nicht) besser machte.

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