Liebe Autoren, ich hab da mal ’ne Frage…

… bzw. eigentlich sind es gleich mehrere. Schließlich ist die Verlagssuche eine äußerst haarige Angelegenheit und ich bin neugierig auf eure Erfahrungen. Eventuell mitlesende Verleger sind ebenfalls herzlich eingeladen, ihr Meinung kundzutun! Vielleicht lassen sich ja auf diese Weise auch ein paar „Einer für alle, alle für einen“-Tipps sammeln.

Also:

  • Bei welchen Verlagen/Literaturagenturen seid ihr und wie habt ihr sie gefunden? Oder fanden sie euch?
  • Wie gestaltet ihr eure Exposés? Schreibt ihr sie im Stil des Buches und/oder eher „sachlich“? legt ihr Wert auf einen formal eher bürokratischen Look (1. Ausgangslage, 2. Entwicklung, 3. Entwirrung etc.) oder auf optische Hingucker?
  • Wie gestaltet ihr das Anschreiben? Was gehört eurer Meinung nach hinein? Kurzes zum Buch, Kurzes zum Autor, bisherige Veröffentlichungen…?
  • Wie wählt ihr die Leseprobe aus? Eignen sich die ersten Kapitel, zusammenhängende Szenen, verschiedene Szenen? Soll es das spannendste Kapitel sein oder Beispielhaftes für die verschiedenen Charaktere?
  • Und – so banal-formal diese Frage ist, so sehr hat sie mich schon fluchen lassen – wie bringt ihr dieses verfluchte Normseite mit ihren 30 Zeilen à 60 Zeichen zustande, ohne stundenlang in Word herumzufummeln?

cover-hb8Für Anregungen bin ich dankbar – außerdem ist (sehr passend) in diesem Jahr die 8. Neuauflage des „Handbuch für Autorinnen und Autoren“ erschienen, die ich mir unter den Weihnachtsbaum legen (lassen) möchte.

So sieht das Inhaltsverzeichnis aus und schon die 7. Auflage war recht interessant – schon wegen der vielen Verlagsadressen samt Genres. Nichtsdestotrotz bin ich sehr gespannt auf eure Erfahrungen und Tipps.!

Candy Bukowski, Matthias Engels, Herr Literaturfrey, stefanini & Co… lasst eure Weisheit leuchten!

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22 Gedanken zu “Liebe Autoren, ich hab da mal ’ne Frage…

  1. stefanini schreibt:

    Hi Sabine, dazu kann ich wenig sagen, weil ich ja ohne Verlag veröffentlicht habe. Ich hatte das Manuskript damals nur an 3 rausgesendet. Dazu hatte ich zwei Seiten eher nüchternes Expose, ein Anschreiben ähnlich einer Bewerbung aufgesetzt und zwei Kapitelauszüge von mittendrin beigelegt. Und einen hellblauen Umschlag gebastelt, damit es zumindest etwas aus der Reihe tanzt. Es irgendwie individuell zu gestalten, war ein Tipp von irgendwoher, aber ob der ankommt… wer weiß…

    • Sabine Wirsching schreibt:

      ist vermutlich auch wieder so ein ding, was bei dem einen super ankommt und bei dem anderen überhaupt nicht 😀 ach, es ist ein elend.
      aber ich versuche diesmal auch ein bisschen mutiger & individuell zu sein.

  2. pgeofrey schreibt:

    Hallo Sabine, klingt bei mir ähnlich:

    (Ehe es die Möglichkeit gab im Selbstverlag zu verlegen, habe ich reguläre Verlage angefragt. Mein „Höhepunkt“ war im Rowohlt-Verlag mal diskutiert worden zu sein, (lt. Rückschreiben).
    Agenturen habe ich drei versucht, die wollten ein neues Skript, was ich zu dem Zeitpunkt nicht hatte.)

    Seit es die Möglichkeit bei neobooks, Amazon, u.a. gibt, nehme ich keinen Kontakt mehr zu Verlagen auf. Auch Agenturen sind außen vor.
    Ich wäre nicht unglücklich in ein Verlagsprogramm aufgenommen zu werden, da Layout, Cover, Typografie, Marketing eine Unmenge Arbeit mit sich bringen. Aber ich erlebe, seit ich diese Arbeitsabläufe mitdenken muss, das Buch noch intensiver.

    Exposé fällt damit weg. Gott sei Dank. Ist für mich ein Niedergang der Schreibkultur. Wie kochen nach Jamie Oliver, statt zu kochen. Ich lese/höre gerade „Hard-boiled Wonderland“ von Murakami, da muss mir jemand mal ein überzeugendes Exposé dazu schreiben …

    Anschreiben = Exposé = Schweißfüße

    Leseprobe ist spannender. Ich habe mal eine Lesung mit einer Bekannten die Schauspielerin ist organisiert. Sie hat meine Erzählung nicht am Stück, sondern in spezifischen Szenen/Figuren vorgetragen. Das hat toll gewirkt, als sie es gemacht hat … 😉
    Bei meinen Büchern im Verkauf nehme ich die ersten X %

    Es gibt vorformatierte Word-Seite im Internet im Normseiten-Format. Kommt für mich knapp nach Schweißfüßen.

    Ich habe mir bei Verlagen zu Anfang wirklich alle Mühe gegeben. Suhrkamp war so nett meine Unterlagen ungeöffnet in einen Umschlag zu packen und zurück zu schicken…
    Da ich im Erwerbsberuf nicht unerfolgreich bin und selbst Mitarbeiter einstelle, finde ich eine solche Reaktion respektlos.
    Ein nettes (und sei es nichtssagend) Formschreiben ist Minimum, bei der Mühe, die sich viele mit ihrer Verlagsbewerbung machen.
    Deshalb hält sich mein Mitleid mit den Verlagen in Grenzen, seit der Druck auf sie wächst.
    Amazon (neobooks, u.a die anderen) ha(t)ben mir eine Chance gegeben und es mir überlassen was ich daraus mache (und ob es der Leser kauft). Die Tantiemen sind lukrativer.

    Ich würde mir deshalb über diese Punkte nicht zu viele Gedanken machen, ist wie beim Lotto mit den Zahlen: klappt oder klappt nicht 🙂

    • Sabine Wirsching schreibt:

      … aber noch was… der buchhändler in mir verweigert den selbstverlag ja konsequent… u.a. wegen des „du findet mich ja kein leser!“-arguments (was man angesichts der schwemme von neuerscheinung auch sehr kontrovers diskutieren kann).
      welche erfahrungen hast du damit gemacht? wie bringt man das selbstverlegte dazu, dass es „läuft“?

      • pgeofrey schreibt:

        Drei einfache Strategien:
        Geduld, Geduld, Geduld 🙂

        Ach´ und Fleiß 😉

        PS: Eine gute Freundin von mir ist Buchhändlerin und hat lange mit meiner Entscheidung gehadert. Mittlerweile versteht sie es.
        „Den“ Buchhändler, den alle wollen, gibt es nicht nur durch Amazon immer weniger, sondern durch die Buchhandelsketten.
        Bei denen, so sagt sie, die Verlage ganze Regalwände für ihre Bücher belegen.

        Bei den wenigen, die es bei uns noch gibt, war ich natürlich fleißig und habe Exemplare direkt in Kommission gegeben.
        Da steht es klar und erfreulicherweise 3:1 für die Kooperativen.

      • Sabine Wirsching schreibt:

        ja, diese kommissionsexemplare… ich hab nie in inhabergeführten mini-buchhandlungen gearbeitet, aber auch nie in den großen 08/15-ketten. dennoch: kommission haben wir nie gemacht 😦 zu viel aufwand, oft unhübsch und schwierige abrechnung, das waren immer so die argumente, die mir im hinterkopf rumgeistern. und die gesichter der autoren, die mit einer tasche voll werke hausierend durch die stadt zogen und deren gesichtsausdruck ganz schnell von hoffnungsvoll zu traurig kippen konnte 😦
        aber eins bricht einem wohl immer das herz – der verlag, der einfach alles zurückschickt (oder nicht mal das) oder irgendwas anderes-

      • pgeofrey schreibt:

        Man darf natürlich nicht mit der Schubkarre kommen 😉

        Zwei sauber eingeschweißte Exemplare, im Vertrauen in die Hand gegeben, einmal alle drei Monate „Hallo“ sagen, mit Glück: Verkaufsquittung abholen, neue Exemplare nachlegen und: immer Verständnis haben, wenn es nicht klappt. 🙂

  3. Jane Blond schreibt:

    Einige Verlage haben ja genaue Vorgaben. Wenn du auf deren Seiten gehst, kannst du die anfordern. Sollten alle Verlage machen, ich empfinde das als sehr hilfreich, denn es gibt kaum etwas, dass mehr Mühe macht … eben weil man nie weiß, was ankommt :-/

  4. AVUS CAN DO IT schreibt:

    Hallo Sabine, du heuerst doch nicht bei der Zeitung an, 30 Zeilen, 6 Zeichen,… – von einem Komponisten habe ich mal sämtliche Symphonien auf LP geschenkt bekommen. Dabei ist eine schöne lange Symphonie, die der Dirigent meines Erachtens viel zu schnell eingespielt hat. Ich argumentierte, er habe das nur in einem so schnellen Tempo aufgenommen, damit er die ganze Symphonie schön in eine Rille bekommt und nicht gar noch eine zweite Rille produzieren muss und so die Produktionskosten hebt. Als Gegenargument hatte ich einzig gehört, ein so großer Dirigent würde so was nie machen.

    Literaturagenturen sind mir jetzt neu. Ich hatte einst Musik studieren wollen und wenn man keine Extra Wurst braten will, muss man Aufnahmeprüfungen etc. bestehen. Man kann das natürlich bei jedem Verlag unterschiedlich gestalten siehe auch Kommentare oben (suhrkamp, rororo, Hanser, Bastei, Lübbe, Goldmann, Aufbauverlag etc.pp ich habe wirklich keine Ahnung) Es ist schwer. Versuche, die Verlagsleute dazuzubringen, dass sie den Mist, den du schreibst, auch lesen – ich denke, persönlich vorstellen, bringt viel. UZ

    • Sabine Wirsching schreibt:

      vielen dank für diese ausführliche betrachtung 🙂 ich werde mir dann mal mit der mistgabel einen weg bannen (so ein auftritt würde definitiv einen bleibenden eindruck hinterlassen, also vielleicht gar keine üble idee, hihi…).

  5. Candy Bukowski schreibt:

    Huhu Sabine, entschuldige bitte dass ich mich etwas verspätet rückmelde, war zuviel los die letzten Tage. Jede Menge Fragen hast Du da gestellt und ich kann sie für mich nur in Teilen beantworten.
    Ich bin bei edel&electric unter Vertrag und das war einfach zum einen großes Glück, weil nicht nur der Verlag auf mich zukam, sondern auch direkt fragte was ich an Projekten aktuell anzubieten hätte. Ich schickte meinen existenten Band der Erzählungen den ich bei Amazon bisher als selfpublisher anbot und das erste existente Drittel eines Romantitels. Beide Projekte wurden sofort gekauft, der Roman also fast wie eine „Katze im Sack“, ich wusste im Sommer selbst noch nicht, wie er letztendlich werden würde, aber er wurde und erscheint Herbst 2016 digital und in Print.

    Das ist großes Glück, das ist nicht die Norm, ich weiß darum. Aber ich schreibe es trotzdem, weil es diese Glücksfälle eben auch gibt. Ausschlaggebend war, dass ohne mein Wissen, ein sehr gut vernetzter Leser meines Blogs meinen Namen an der richtigen Stelle fallen ließ. Es war nicht mehr als ein „Schau sie Dir bitte mal an, sie ist gut“, aber ich habe daraus gelernt, dass diese Vernetzungen eben Gold wert sind. Und dass wir Autoren untereinander viel füreinander wert sind. Auch ich habe später meine neuen Möglichkeiten genutzt, um mich für andere einzusetzen und einen passenden Kontakt zu vermitteln.

    Trotzdem stellt sich natürlich auch für mich die Frage nach Agentur und anderen Verlagen, beispielsweise um die Taschenbuchrechte oder mögliche andere Projekte anzubieten. An dieser Stelle kommt die alte Verlagsvertreterin in mir raus, denn mein Ansatz ist anders als der Deine. Ich würde immer, sobald eine erste Verlagsveröffentlichung existiert, immer den persönlichen Weg gehen.
    Im ersten Schritt: den Autorennamen penetrieren. So blöd es klingt, aber auf den Sozialen Medien, direkt bei den Verlagsseiten Präsenz zeigen. Du hast mit dem Druckstaueffekt einen ersten Titel im Sortiment und darfst Dich zurecht Autorin schimpfen. Das lässt sich nutzen. Die Sozialmedia-Kanäle werden auch von den Verlagsleitern und Entscheidern mitverfolgt. Die leben nicht auf dem Elfenbeinturm. Je öfter sie einen Autorennamen lesen, um so vertrauter ist er. Das ist eine gute Basis. Oder einen Kontakt zu einem anderen Autoren beim Wunschverlag anzapfen. Es geht nur darum, den Fuß reinzubekommen und erwartet zu werden.

    Alternativ würde ich immer versuchen über einen ersten Telefonkontakt zu gehen. Kurzer Hinweis auf: „Autorin Y, Titel XXX bisher verlegt bei Verlag X, neues Projekt oder bla-Rechte stehen zur Disposition… an wen darf ich denn bitte schicken?“ So ein Telefonat mach man nicht Montag und Dienstag und auch nicht Freitag nachmittag, aber mal so grob Richtung Feierabend, dann wenn die Möglichkeit groß ist, nicht völlig unpassend bei Konferenzen zu stören oder aus Hektik abgewimmelt zu werden.

    So wird meiner Meinung nach ein Schuh daraus. Raus aus der Flut unverlangt eingesendeter Manuskripte. Rein als angekündigte Autorin. Und dann ist das Expose eben ein Expose, (nach meinem Geschmack: nicht mehr als 2 Seiten, keine ausufernde, langweilende Masterarbeit, keine Selbstbeweihräucherung, einfach ein klares Ding unter dem man sich etwas vorstellen kann. Letztendlich ist ja fast egal was drinsteht, ein Roman muss halt auf der ersten Seite bereits „reinziehen“ und zeigen was sprachlich geht. Bücher verkaufen sich, indem sie begeistern. Gilt nicht nur für Leser, sondern auch für Verlagsentscheider).

    Das mag jetzt alles vielleicht nicht nach den üblichen Empfehlungen aus den Autoren-Ratgebern klingen, aber ich persönlich halte es für den besseren Weg.
    Und drücke ganz feste die Daumen!
    Liebe Grüße, Candy

    • Sabine Wirsching schreibt:

      wow, candy ❤
      du bist wie immer ganz großartig!! und wer mag schon autoren-ratgeber… aber du sprichst viele dinge an, die ich auch überlegt habe, und bringst noch einige mehr ins rollen: mit dem "druckstaueffekt" in der hinterhand kann ich ein wenig mehr auf die pauke hauen und ich wühle auch gerade mein hirn nach kontakten durch (meine twitter-follower und ein, zwei persönliche bekanntschaften haben da schon früchte getragen… bzw. trugen mein manuskript angekündigt auf fremder leute schreibtische).
      die anrufe sind definitiv ein guter tipp – da wäre ich nie drauf gekommen (ich telefonhasser).
      und wer weiß… vielleicht kommt ein glücksfall… bei den richtig guten soll das ja vorkommen, habe ich gehört ❤
      tausend dank, you're wild!

  6. MadMike schreibt:

    Ist es mittlerweile nicht sowieso besser den Weg über Self-Publishing zu gehen? Nicht dass ich da viel Ahnung hätte. Bin gerade selbst erst am überlegen ob ich meine Bio als Buch rausbringen soll. Es beim Verlag versuchen soll oder nicht. Hmmm….
    Aber wenn man da nicht schon irgendwie bekannt ist, oder der uneheliche Sohn von Dieter fuckin Bohlen, hat man wahrscheinlich eh schlechte Karten. Ganz davon abgesehen was einem finanziell am Ende bei einem Verlag übrigbleibt..
    https://madmikediarys.wordpress.com/

    • Sabine Wirsching schreibt:

      schlechte karten hat man. aber (ein dickes sorry an alle selfpublisher, deren texte ich gern lese und schätze): selfpublishing ist für mich als ex-buchhändlerin kein buch, sondern gebundenes papier.
      es gibt ganzganzsicher ausnahmen, aber in der regel merkt man, dass die erfahrung fehlt (lektorat, gestaltung…) und es hat keine chance, jemals im laden zu liegen.
      es gibt gegenbeweise – für mich ist es nach wie vor keine alternative ❤

      PS: erinner' mich dran, wenn ich die 8000ste ablehnung für das zweite manuskript bekommen habe 😀

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