Von literarisierter Sprache & anderen Must-Haves.

Vor ein paar Wochen habe ich mit meinem Manuskript zu „#dreiworte“ einen (ersten und letzten) Versuch bei einer Literaturagentur gestartet. Heute kam die Ablehnung – warum ich das hier verkünde, hat mehrere Gründe: a) Es KAM überhaupt etwas. b) Es kam mit Begründung. Und c) Die Enttäuschung führte dazu, dass ich sicherer auf meinen Füßen stehe.

Aber von vorn. Ich zitiere aus der Absage-Mail der Agentur:

„Ich muss zugeben, dass ich schon nach Lektüre des Exposés meine Zweifel hatte, ob dieser kleine Rahmen, dieses Coming-of-Age einer (bzw. mehrerer) Beziehung(en) mir als Handlung für einen Roman ausreicht, war aber durchaus bereit, mich vom Text überzeugen zu lassen. Nur leider ist das dann nicht erfolgt, gleichwohl ich Ihnen nicht einmal deutlich benennen könnte, woran es „krankt“, ich kann Ihnen keine dramaturgischen oder figurenpsychologischen Punkte nachweisen, an denen ich das festmachen könnte. Verlage nennen Stoffe gerne „zu klein“, aber nur, weil weder ein Weltkrieg noch die Wende noch ein 3-Generationen-Konflikt noch eine Naturkatastrophe in einem MS steckt, macht es das für mich nicht uninteressant. Ich glaube, in Ihrem Fall ist es eher so, dass ich mir für diesen Plot dann zumindest eine stärker literarisierte Sprache, eine eigenere Stimme gewünscht hätte. Aber manchmal muss man auch einfach nur anerkennen, dass manche Bücher nicht  zu einem passen. Insofern bleibt mir nur, Ihnen mehr Erfolg an anderer Stelle zu wünschen.“

Bäm. Highfive, in my face, with a chair. Autsch. Einmal mehr höre ich, dass ich keine Literatur bin. Und überraschenderweise hört das wohl nie auf, weh zu tun. Ich tue, was wohl alle Schreiber tun, wenn so etwas kommt: Jammern & sofort alles hinschmeißen wollen. Aber am Ende raffe ich mich wieder auf und suche nach den Punkten, die mir weiterhelfen können (und die gibt es in jeder Kritik):

a) Es ist ein kleiner Plot, jawohl. Wie alles, was ich schreibe. Ich mag kleine Plots. Die großen Wollknäuel überlasse ich lieber anderen (auch beim Lesen).

b) Ich bin nicht „literarisiert“ – was bedeutet das eigentlich? Wenn ich das als künstliche Form von „literarisch“ lese, kann ich nur sagen: Gottseidank, dass ich’s nicht bin!! Und auch sonst: Ich bin keiner (und keine), der sich in den Ätherwolken der Kunstsprache aufhält. Hab’s versucht, bin gescheitert und suche mein Glück jetzt mit Freuden auf der Erde.

Aber vielleicht sollte ich genau das kommunizieren? Dass ich meine Figuren erzählen lasse, wie ihnen der Schnabel gewachsen ist, und von dem, was ihnen ganz alltäglich und gar nicht ungewöhnlich zustößt? Vermutlich sollte ich genau das tun. Und dann im Roman selbst noch mal deutlicher ausführen, was das Erzählen-lassen angeht.

Guten Tag, mein Name ist Sabine Wirsching, Alltagserzählerin.
Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Advertisements

21 Gedanken zu “Von literarisierter Sprache & anderen Must-Haves.

  1. 500woerterdiewoche schreibt:

    Mit Fassung getragen 🙂

    Ich denke mal, das darfst du auch nicht persönlicher nehmen, als es gemeint war. Die Agentur schreibt ja selber „dass manche Bücher nicht zu einem passen“, nicht „dass manche Bücher schlecht sind“. Ich finde, in den Bücherregalen der Welt ist für alles Platz, für große Plots und für kleine, für literarisierte Sprache und für alltägliche. In meinem Bücherregal steht sowieso von allem etwas 😉 Wenn es nur eine Sorte Bücher gäbe, wie traurig wäre diese Welt?

    Und man muss ja als Autor auch die Bücher schreiben, die zu einem passen. Wenn du an deinen eigenen Plot nicht glaubtest und ihn nur gewählt hättest, um jemanden zu beeindrucken: Warum sollte den dann jemand lesen wollen? Und wenn du dir eine Sprache abringst, die nicht deine ist, wie soll das dann gut werden? „Literarisch“ heißt ja nicht „gut“, und „alltäglich“ heißt nicht schlecht. Tiefgang kann man auch mit leichter Sprache haben („leicht“ hier wie „leichtfüßig“, nicht wie „simpel“ oder gar „seicht“).

    Wenn du an dein Manuskript glaubst, dann findest du bestimmt auch einen Ort dafür. Und Leser(innen), zu denen es passt. Wie zu dir als Autorin 🙂

    • rocknroulette schreibt:

      ❤ mehr kann ich nicht sagen.
      genau das denke ich auch. große geschichten, große sprache… das wäre dann höchstens nur noch ein klein wenig ich. vermutlich sogar weniger.

  2. Sarah Riedeberger schreibt:

    Ach, liebe Sabine. Mir gefällt natürlich nicht, dass du eine Absage bekommen hast! Mir gefällt aber, wie du damit umgehst. Ich handhabe das ja inzwischen so: Wenn das Leben dir eine Absage schickt, mach Konfetti draus. Aber auch das hilft nicht, man baut nur kurzweilig die Wut ab. Ja, mich macht so etwas immer wütend. Absagen sind Antworten aus der Hölle. So fühlt es sich jedenfalls immer an. Aber du machst das schon alles. Du bist deinen Weg bisher auch gut ohne Agentur gegangen. Nein nicht gut, sehr gut. Ich bewundere dich und hoffe, du bleibst immer du selbst, so wie jetzt, wie hier in diesem Beitrag, wie in all deinen Texten. Wie dir der Schnabel gewachsen ist. Ich umarme dich virtuell. ❤

    • rocknroulette schreibt:

      oh du!! und ja, wir rocken das, verdammt!! es war definitiv mein letzter agenturversuch (und auch nur noch auf empfehlung). alltagserzählung goes to hollywood (oder eben genau nicht). aber wenn, dann gehe ich mit euch!!

  3. Tristan Rosenkranz schreibt:

    Ich kann bestätigen, dass Ablehnung sehr schmerzt. Allerdings, eingangs hast Du das angedeutet, ist es wirklich viel wert (und aus meiner Sicht Bestätigung für Potential), dass eine so ausführliche Antwort kam. Meist kommen nur Standardfloskeln daher, wenn überhaupt eine Reaktion kommt. Und: es ist nur ein Anbieter / Verlag, bei mehreren angeschriebenen wären möglicherweise auch andere Reaktionen dabei. Nicht beirren lassen, dran glauben….

  4. Candy Bukowski schreibt:

    Bäm. Scheiße. An die Wand nageln, weitermachen. Weshalb letzter Versuch mit Roman 2? Weil ein Agenturtyp einen miesen Tag hatte und Dir den direkt weitergereicht hat? Du hast mit viel Eigenkraft Roman1 bei Kladde auf den Markt gebracht. Das ist ein Pfund, Du kommst jetzt als Autorin. Alltagsschreiberin oder was auch auch immer, ich finde das völlig egal, das wird immer wieder anders bemessen. Du bist eine verdammt gute Worthandwerkerin, das ist viel. Mir tut das unheimlich leid, dass Du da gerade eine schmerzende Ohrfeige einstecken musst. *dicken Brocken Käse liebevoll reich* – aber fuck off! Roman 2 hat mehr verdient, als einen Versuch. Schicke ihn 10 Mal raus, an 10 Agenturen. Nicht aufgeben. Nicht genau jetzt 🙂 ❤

  5. svenheuchert schreibt:

    Ich finde das gar nicht negativ. Im Prinzip sagt sie doch deutlich, dass sie der Geschichte, rein objektiv betrachtet, gar keine Mängel nachweisen kann. Die meisten Manuskripte scheitern doch genau daran: keine Dramaturgie, keine Charaktere, kein durchdachter, funktionierender Plot. Bedeutet: dein Text funktioniert.

    Was sie hier sagt, ist, dass sie sich für diese Art Text einfach eine andere Erzählstimme gewünscht hat bzw hätte. Das finde ich durchaus legitim, weil eine Agentin muss deinen Text doch auch am Markt platzieren können, da benötigt man Merkmale, Eigenschaften. Allerdings ist es, finde ich, auch sehr schwierig, eine wirklich eigene Stimme zu finden. Das wird immer so einfach gesagt. Niemand sieht den Autoren endlos daran feilen und oft verzweifeln.

    Und „stärker literarisiert“, damit meint sie glaube ich im Umkehrschluss nicht, dass du nur Alltagssprache benutzt und dass dein Text unliterarisch ist. Auch Alltagssprache kann literarisch sein. Oder nur noch Kunstsprache, also dieser bewusst gezüchtete, elaborierte Stil, der einem Toten die Würmer aus dem Sack treibt, benutzen. Ich glaube, sie meint tatsächlich so etwas wie „Sound.“ Eine eigene Sprache entwickeln, einen eigenen Rhythmus. Etwas Subjektives, Unverkennbares. Vielleicht legst du den Text nochmal drei Monate in die Schublade und liest ihn dann noch mal mit frischen Augen?

    Ich finde, diese „Absage“, sollte dich nicht entmutigen. Das ist eine Meinung, mehr nicht. Palahniuk hat für „Fight Club“ über dreißig Absagen bekommen, und dass schlussendliche Angebot war dann so schlecht dotiert, dass der Verlag annahm, der Autor lehne sowieso ab.

    Gruss, Sven.

    • rocknroulette schreibt:

      die anekdote zu fight club gefällt 😀
      ich ziehe auch raus, dass ich die „stimme“ (meine und die der figuren) noch deutlicher ausbauen muss. noch ist der text nicht fertig und die korrekturschleifen werden da sicher noch einiges hinzufügen. vielen dank für deine aufmunterung und den kleinen tritt 😉 LG

  6. Sofasophia schreibt:

    Aber ehrlich: Das ist echt eine tolle Absage. Sehr persönlich. Sehr vorbildlich. Sehr ehrlich.
    Und du: mach genau das: Geh deinen Weg. Mich und andere hast du überzeugt.
    Danke fürs offene Teilen!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s