Mach’s Maul auf.

„Mach’s Mauf auf“, sagt Knochenkalle und pinselt mir Salbeitinktur auf die wunden Stellen im Hals.

Ich bin stumm, seit Wochen schon. Am Anfang konnte ich noch piepsen und fiepsen, inzwischen kommt gar nichts mehr raus aus meinen morschen Stimmbändern und dem rauen Hals. Es tut nicht weh, es ist sogar auf eine seltsame Art entspannend. Wenn nichts zu schreiben in der Nähe ist, muss man auf Kommunikation mit mir verzichten.

Am Strand schreibe ich mit dem Zeh in den Sand und am Lagerfeuer mit brennenden Zweigen in die Luft und beim Frühstück macht sich Knochenkalle über mich lustig, wenn ich nach Salzfass, Marmeladentopf und Gersterbrot gestikuliere. „Mach’s Maul auf“, sagt er und lacht, weil er weiß, dass ich im Geiste schimpfe wie ein Rohrspatz und Kesselflicker.

Dafür muss er auf sein Kaffeeschwätzchen verzichten. Nur „ja“ und „nein“, die gibt es trotzdem. Nicken und Kopfschütteln, das beherrsche ich immer noch. Sollte ich beherrschen, würde mir nicht langsam der Nacken steif und der Kopf schwer.

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6 Gedanken zu “Mach’s Maul auf.

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