Runter vom Sofa oder Ach, bleib halt sitzen!

Es ist immer noch Hundewoche! Und wenn ich schon erzählt habe, wie unser Hund meine Osterhasen verspachtelte, dann muss ich ja auch erzählen, wo er überhaupt herkam, dieser Hund.

Eines Tages brachte ein Schüler meiner Mutter einen Hund mit in die Klasse. Sein Name war Putzi oder Bello oder Wuffi oder so ähnlich. Es war so ein blöder Hundename, wie Kindern ihn gern vergeben, wenn sie einen total putzigen Welpen als Spielzeug geschenkt bekommen. Putzi oder Bello oder Wuffi ist als Welpe eine Zeit lang das Highlight der Familie gewesen: Seine Welpenaugen sooo groß, seine tapsige Art sooo niedlich und seine frechen Streiche sooo süß. Doch jetzt war er ein schlecht- bis unerzogener Jungbullterriermix, und bei Welpen ist es wie mit Kindern: Was bei Babys noch süß ist, wird bei Teenagern schwer abgestraft.

Plötzlich war es lästig, dass Putzi-Bello-Wuffi nicht hörte, auf den Teppich pinkelte und sonst nichts konnte. Außer liebgehabt werden – aber das wollte dann keiner mehr. Es musste eine Lösung her – und auf dem Land kann die ganz einfach sein. Und deswegen hatte der Junge Bello mit in die Schule geschleppt: „Wenn wir ihn heute wieder mit nach Hause bringen, erschießt ihn mein Vater“, erklärte er, „wenn ich keinen finde, der ihn nimmt.“

Es war Freitagmittag, das Tierheim war zu. Meine Eltern wollten nach einem geerbten Boxer, einem mit dem Haus gekauften wilden Mischling und mindestens fünf Katzen kein Haustier mehr. Auf keinen Fall. Aber da saß Bello, mit braunem Fell, weißer Schwanzspitze und weißen Fellsöckchen, und nach einem langen Schultag junghundmäßig sehr hungrig. Es gab nur eine Lösung, und die bestand nicht im Erschießen.

Zuhause bei meinen Eltern sprang Wuffi-Putzi als erstes aufs Sofa. Dann pinkelte er in den Flur. Beim Spazierengehen riss er meinem Vater fast den Arm aus, so gut ging er an der Leine. Und als am Montag jemand anrief, den den Hund übernehmen wollte, war nichts mehr zu machen. Meine Eltern gaben ihn nicht mehr her. Er hatte einen neuen Namen bekommen (denn wer ständig „Schmacht wie Harry“ hat, kann natürlich nicht Putzi-Bello heißen) und war Familienmitglied. Auf dem Sofa sitzen war zwar nicht drin, aber Liebe kann man ja auch anders zeigen.

Und Harry gab reichlich davon zurück. Rabaukig, nicht kaputtzukriegen, und großmäulig.  Und auch davon sind noch Geschichten zu erzählen.

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7 Gedanken zu “Runter vom Sofa oder Ach, bleib halt sitzen!

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