Das Erbstück oder Wenn das Kind kein Elefantengedächtnis hätte.

Es ist ein Erbstück bei mir eingezogen:

20150408_191603-1_resizedDie letzten 30 Jahre stand dieser wunderbare Küchenschrank im Partykeller meiner Großeltern und beherbergte eine etwa 1000-teiliges Menü-Geschirrset für 18 Personen. Und seit 30 Jahren habe ich auf ihn gewartet, voller Liebe und seeehr ungeduldig.

Alles begann damit, dass ich als Dreikäsehoch meinen Opa in der Werkstatt diesen Schrank abschmirgeln sah. Schon mit knapp 2 Jahren war ich schwer begeistert – Liebe auf den ersten Blick eben. „Jaaaa“, sagte mein Opa, „das ist dein Schrank, mein Kind, aber jetzt geh da mal weg, der Opa muss arbeiten.“

Hm ja. Arbeiten ließ ich ihn. Aber dass er „dein Schrank“ = mein Schrank gesagt hatte, das vergaß ich nicht. Nicht bis zum nächsten Besuch, als „mein Schrank“ nicht mehr in der Werkstatt stand, wo ich ihn suchte, sondern im Partykeller und ich erstmal einen Wutanfall bekam. Man hätte mich schließlich fragen müssen – klare Sache. Und auch danach vergaß ich es nicht.

Großmütig erlaubte ich die Nutzung im Partykeller und da blieb der Schrank erst mal. In meinen ersten eins-zwei-drei-vier-fünf Wohnungen war einfach kein Platz. Aber jetzt. Jetzt ist er Kern- und Herzstück meiner Wohnung und ich liebe ihn wie am ersten Tag. Wie nur Elefanten(kinder) unvergessend lieben können.

Gebaut hat den Schrank übrigens der Schwiegervater meiner Urgroßtante: Sie bekam ihn vor fast 100 Jahren zur Hochzeit geschenkt. Mein Opa hat dann in mühsamer Kleinarbeit all die Farbschichten runtergeschmirgelt. Ich bin mal gespannt, was dieses weitgereiste Möbel noch so erleben wird… und wüsste gern, was er noch so erzählen könnte, abseits der Partykellergeschehnisse.

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13 Gedanken zu “Das Erbstück oder Wenn das Kind kein Elefantengedächtnis hätte.

    • rocknroulette schreibt:

      absolut. früher war ich ja IKEA-fan (wegen bezahlbar), aber davon sind nur noch die BILLYs geblieben (die sind einfach praktisch). aber sonst sammele ich mittlerweile auch lieber alte schätze zusammen.

  1. Der Emil schreibt:

    Oh, wenn ich den Platz für einen solchen wunderbaren Schrank hätte, ich würde beinahe alles tun, um solches Möbel zu beherbergen und zu nutzen.

    Na gut, der Kleiderschrank im Flur stammt aus den späten 20ern, glaube ich. Den hab ich aus einer Wohnungsauflösung …

    • rocknroulette schreibt:

      so ging es mir auch 😀 es ist wirklich ein echtes herzstück geworden und ich mag seine kleine eigenheiten sehr (zum beispiel die kleine schublade für den „ZIMMT“).

  2. Wolfgang Russ schreibt:

    Sag mal, wie hast Du es geschafft, dass ein Bauamt die Leiter zur Galerie nicht beanstadetn hat? Sieht richtig geil aus!
    War das Küchenbuffet mal weiss? Massives Holz ist einfach haltbar und warm!

  3. glumm schreibt:

    ich möchte gern mehr über den trick wissen, 30 jahre lang auf ein möbelstück zu warten, wenn man ungefähr erst 27 ist. ich dachte immer, du bist 27..

  4. Bonnie schreibt:

    Ooohhh wie toll 🙂 da hat sich das warten ja echt gelohnt!!! Ich liebe, liebe alte Möbel. Mein ganzes WG Zimmer besteht daraus! Mein Papa sagt wegen meiner Einrichtung auch immer liebvoll „Omi“ zu mir 😀 Habe das meiste jedoch vom Sperrmüll zusammengesammelt.. Verstehe gar nicht wie man so tolle Möbel wegwerfen kann, wenn die noch so gut aussehen. Unfassbar. Leider kenne ich daher von meinen Möbelstücken die Geschichte nicht, was echt sehr schade ist. Alles Liebe und viel Freude mit deinem Schrank 🙂

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