Uropa Köln oder Der Bär ist da, schließt das Tor.

Wenn mein Opa von seinem Vater erzählt, streckt er als erstes beide Hände aus: „So groß wie die beiden hier, so groß war eine seiner Hände!“. Und er zeigt mit gewölbter Hand am Oberarm, was Uropa Köln für Muskeln hatte. Der Bär, so haben sie ihn genannt.

Der Bär arbeitete in der Kesselschmiede bei den Vereinigten Westdeutschen Waggon-Fabriken in Köln und wenn man meinem Opa glauben kann, dann konnte er die Front eines Lokomotiv-Kesselwagens, also ein paar Hundert Kilo Stahl, allein tragen. Er arbeitete hart, 6 Tage in der Woche, 12 Stunden am Tag, und am Wochenende ging der Bär sich amüsieren.

Manchmal kam er vom Amüsieren erst am Montagmorgen wieder zurück – und marschierte dann gleich im feinen Ausgehanzug in die Kesselschmiede. Er ging also meist als Letzter durchs Fabriktor, woraufhin der Pförtner jedes Mal brüllte: „De Bär is do, kannst zomache!“

So locker wie auf Arbeit wurde das Amüsemang des Bären während seiner Militärzeit nicht gesehen: Als der Bär hier eines Abends feingemacht zum Ausgang ausrücken wollte, wurde er von einem seiner Vorgesetzten mit ein paar verdreckten Stiefeln in der Hand aufgehalten: „Musketier, Stiefel putzen!“

Genaues zum Hergang ist nicht überliefert. Aber es gab wohl ein Wort das andere, denn der feingemachte Bär hatte keine Lust, Stiefelwichse auf seinen Anzug zu schmieren. Also beendete er die Diskussion mit einem wohlgezielten Hieb der kesselgewohnten Pranke: bäm! Der Vorgesetzte flog, schlitterte eine ganze Reihe Spinde entlang und blieb mit dem Gesicht auf dem Boden liegen. Der Bär ging, schließlich hatte er Ausgang.

Als er am nächsten Morgen wieder in der Kaserne war, wurde er beim Morgenappell vom Hauptmann aufgerufen und musste vortreten. Dort stand auch schon der geschlagene Vorgesetzte. „Sie behaupten, Musketier Köln hätte Sie geschlagen?“ – „Jawohl, Herr Hauptmann.“ – „Haben Sie dafür Zeugen?“ – „Nein, Herr Hauptmann.“ – „Dann: Eintreten!“

Mit einem Schritt rückwärts verschwand der Bär wieder zwischen seinen Kameraden und der geschlagene Oberst wurde zum zweiten Mal gedemütigt – denn der Bär hatte nicht nur einen starken Schlag, sondern war auch der beste Schütze der Kompanie. Das rettete ihn – diesmal. Als er beim nächsten Mal seinen Ausgang überzog, wurde er mit aufgepflanztem Bajonett vom Tanzboden geholt. Manchmal helfen eben auch Bärenkräfte nicht weiter.

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3 Gedanken zu “Uropa Köln oder Der Bär ist da, schließt das Tor.

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