Uropa Fuhrenkamp oder Ich bin doch nicht euer Treppenterrier.

Wenn ich richtig rechne, war Uropa Fuhrenkamp, also der Opa meiner Mutter, als Soldat im Ersten Weltkrieg gewesen. Zumindest liegt ein Stahlhelm mit formschönem Durchschuss als Staubfänger bei meiner Oma im Partykeller. Im Zweiten Weltkrieg war er auf jeden Fall schon eine Ecke über 50. Noch älter war allerdings der Parteifunktionär Kaminski, der im Häuserblock meiner Urgroßeltern Sammlungen für die NSDAP durchführte – dementsprechend hätte er den Posten gern an meinen Uropa abgegeben.

Der war aber zum Einen einer von der roten Sorte und außerdem ließ er sich ungern von anderer Leute Karren spannen. Seine Reaktion auf die entsprechende Anfrage war entsprechend knapp: „Habt ihr sie noch alle? Ich bin doch nicht euer Treppenterrier!“

Die Partei war not amused. Wundersamerweise entging Uropa Fuhrenkamp dem „Konzertlager“, wie er sagte, aber dafür musste er keine acht Tage später zum zweiten Mal in seinem Leben in die Soldatenuniform schlüpfen. Mit über 50 war er zu alt für den Krieg (noch! Wir sprechen hier vom Anfang der 40er), stattdessen war er dafür zuständig, erkrankte französische Kriegsgefangene zum Austausch zu eskortieren.

In Zivil hat Uropa Fuhrenkamp auf dem Schlachthof gearbeitet und war bekannt für sein Organisationstalent im Bereich Essbares. Seine Familie und auch die Nachbarn wurden immer gut versorgt, und diese Versorgung ließ er auch den kranken Franzosen angedeihen: Wann immer es ging, machte er mit seinen Gefangenen einen Zwischenstopp in Hannover.

Am Ende hat er damit sein eigenes Leben gerettet: Als er nach Kriegsende selbst in Gefangenschaft geriet, versorgten ihn seine ehemaligen Gäste mit Dauerkeks und Brot aus ihren eigenen Rationen. So überlebte er die Zeit, die mein Opa „auf der Wiese schlafen“ nennt.

Damit hat sich das Lebensmotto von Uropa Fuhrenkamp einmal mehr bewahrheitet: Eine Hand wäscht die andere – nicht nur beim Schnapsbrennen. Nicht nur beim Schnapsbrennen? Jawohl. Diese Geschichte wird auch noch erzählt werden.

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27 Gedanken zu “Uropa Fuhrenkamp oder Ich bin doch nicht euer Treppenterrier.

      • rocknroulette schreibt:

        wenn ich jemals groschenromane schreiben sollte, wäre es sicher erfolgsversprechend: „Dr. Westend und die schmachtenden Schwestern“ von Sabinchen Rollmops? GEKAUFT!
        PS: geiler name? das ist mir ja noch nie untergekommen… ich wollte das gesamte gebilde immer loswerden, aber mittlerweile… na ja… man gewöhnt sich wohl an alles.

      • westendstorie schreibt:

        Ne, find ich echt klasse den Namen.
        Groschenroman? Kommenden Sonntag wollt ich mit Kurzgeschichten , 10 Wörter nach Zeit, anfangen. Wie wäre es mit diesem Thema? Und schon gibt es eine wundervolle Anthologie – sogar werter Mersemann zeigte Interesse und möchte mitmachen. Da freu ich mich dann ganz besonders, wenn dieses Thema angenommen werden würde , für den Tag 😀

      • westendstorie schreibt:

        Hehe…
        also, weiß nicht, ob du diesen Beitrag gelesen hast, aber vor einigen Wochen hab ich eines Abends spontan mit Mr Mo eine Schreibübung gemacht…
        10 Minuten einschreiben, jeder mußte 5 Wörter raussuchen, dem anderen mitteilen. Jeder schrieb sich die 10 Wörter gesamt dann auf und hatte genau 15 Minuten Zeit, daraus eine Geschichte zu schreiben.

        Diese hab ich dann hier veröffentlicht und einige fanden das gut und hätten Lust mitzumachen.
        Siehe Link.
        Und vielleicht könnte man ein Motto für die erste große gemeinsame Sache vorgeben, oder eben auch nicht. Zeitrahmen müsste überlegt werden. Hier im Netz wäre es sicher einfacher, abwechselnd gibt einer 10 Wörter vor und 24 Zeit gibt es dann, bis zur Veröffentlichung.. oder so ähnlich 😀
        Thema Groschenroman wäre ja mal klasse 😀

      • rocknroulette schreibt:

        das klingt tatsächlich sehr interessant!
        ich werde das verfolgen, grad ist nur wegen crowdfunding und dergleichen die zeit etwas knäpplich.

  1. guinness44 schreibt:

    Mein Opa väterlicherseits hat die Hinrichtung auch nur überlebt, weil der franz. Kriegsgefangene den Amerikanern erklärt hat, dass sie gerade den falschen an die Wand gestellt haben.

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