#2 Über Stolz & Handwerk.

„Ich stelle die Fragen mittlerweile so, dass ein „keine Ahnung“ eine prächtige Antwort ergibt. Oder ein „hierauf möchte ich nicht antworten“ – da klatscht man in die Hände und sagt: prima Antwort.“ (Moritz von Uslar)

Interviews fallen mir schwer.

Bei meinem Ersten war ich den ganzen Tag ein Nervenbündel und habe ich mich beim Termin dann stoisch und blutschwitzend an mein Konzept gehalten. Was die alten Hasen von The Bones sehr amüsiert. Die Nervosität legt sich halbwegs, aber es gibt noch etwas viel Schlimmeres: Ich bin beim Fragen einfach zu nett und will keinem an den Karren fahren bzw. bin zu dankbar, dass ich diesen Job überhaupt machen darf.

Was ich in diesem Moment vergesse: Es ist eben kein Job, solange ich das so sehe. Stattdessen gibt es dafür ein ganz böses Wort, das den Nagel auf den Kopf trifft: Groupie-Journalismus.

Während des Vier-Wochen-Artikels habe ich viel über unbequemes und provokantes Fragen gelernt, alles nach dem Motto: „Solange du den anderen ausweichen lässt, wird er es tun“. Und ich habe festgestellt, dass präzise und scharfe Fragen präzise und zitierbare Antworten hervorbringen. Und zwar nicht im Sinne von BILD-Konstrukt, sondern als ehrliche Meinung – statt dem dem PR-Lala, was nette Fragen oft erzeugen.

Passenderweise fand ich dazu ein Interview mit Moritz von Uslar, der mit seinem 99-Fragen-Konzept sogar aus „Keine Ahnung“ noch Sinn herausholt. Und wie man aus jedem eigenen Text mit 35 Fragen alles rausholt, das zeigt dieser Link zu Cordt Schnibben von meinem persönlichen Peitschenschwinger.

In diesem Sinne: Fragen, Fragen, Fragen. Lernen.

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7 Gedanken zu “#2 Über Stolz & Handwerk.

  1. oliver2punkt0 schreibt:

    Interviews sind so schwierig. Für Aussenstehende klingt das immer banal. Aber die ganze Vorbereitung, die Wenn-und-Aber-Überlegungen sieht man halt nicht.
    Man hat nur wenig Zeit und wenn man vergeigt, ist es vorbei.
    Ich denke, mit der Zeit lernt man und wird cooler.
    Viel Spaß weiterhin!
    Oliver 2.0

    • rocknroulette schreibt:

      ich finde schon, dass man die vorbereitung sieht: wenn der interviewer sich nicht so schlau wie möglich gemacht hat, kommen so fragen wie „erzähl mal was über die bandgeschichte“. das kann man ja höchstens bei totalen newcomer mit schlechter internetseite und auch nur beim ersten interview ever machen.
      was meinst du mit wenn und aber?

      • oliver2punkt0 schreibt:

        Klar, das sieht man natürlich. Aber die Zeit welche Du mit der Vorbereitung verbracht hast, sieht man nicht. Mit Wenn-und-Aber meinte ich die möglichen Antworten, welche weitere Fragen aufwerfen oder plötzlich ein neuer Weg entsteht.
        Vielleicht war das bei mir auch ein bischen anders. Als Pressesprecher leitete ich immer live nach nem Eishockeyspiel die Pressekonferenz. Das war nicht immer lustig… nicht nach Niederlagen. 🙂

      • rocknroulette schreibt:

        dann mag ich wenn & aber, glaube ich.
        ja, als pressesprecher hast du genau die andere seite… und ich will dann von dir wissen, was du nicht sagen willst 😀

  2. 500woerterdiewoche schreibt:

    Ich glaube, Interviews würden mir auch nicht liegen… Ich wäre bestimmt auch viel zu nett 😉

    Moritz von Uslars „99 Fragen“-Interviews finde ich aber, ehrlich gesagt, nicht so dolle. Da kommt doch eine ganze Menge Banales heraus, und den Anschein von Substanz kriegen sie nur, weil der Interviewer hinterher in jedes Lidzucken und jeden Atemzug irgendwas hineininterpretiert.

    • rocknroulette schreibt:

      ich bin aber sehr gespannt auf seine fragen. und ich mag, wie er sich auf eine stufe mit dem interviewten stellt… nach dem motto: du sagst mir nichts, aber tja! das ist auch ’ne antwort.

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