Begleitmusik: Februar.

Song des Monats: Ezra Furman „My Zero“ (2013)

Ezra Furmann, du vollgedröhnter Schuljunge. Du glühender Bühnenenthusiast, du raustimmiger Meister der feinsinnigen Texte, ein bocksbeiniger Publikumsschleicher im Blümchenkleid. Oh Ezra! Bei seinem Konzert im Privatclub, Berlin (mit seiner neuen Band The Boy-Friends) hatte der Amerikaner vermutlich alles intus, was man zwischen Kotti und Schlesischem Tor so für Geld kriegen kann. Seine Ansagen waren eher verwaschen – aber in die Musik hat er sich umso mehr reingekniet. Ich höre nichts anderes mehr als das neue Album „Day Of The Dog“. Rauf und runter, kreuz und quer und dann noch mal „Walk On In Darkness“. Und „My Zero“, eine Liebeserklärung, wie sie vor einem ignoranten Berliner Hipsterpublikum niemals enthusiastischer geschmettert wurde.

Nötiger Nachtrag: Ich weiß nicht, was Konzertpublikum dazu bringt, Geld für ein Ticket hinzulegen und danach 90 Minuten durchzuquatschen. Ist es nur, damit man dann in der Warteschlange für die Garderobe schnell noch bei Facebook „Geiles Konzert mit Ezra Furman“ posten kann? Oder damit die immergleichen Selfies wenigstens mal neu verlinkt werden können? Ich werde wohl alt und verstehe das deswegen nicht mehr. Altmodisch wie ich bin, höre ich der Musik zu – und die…. will always be my zero. With love from me to you, Ezra.

Album des Monats: Demented Scumcats „Splatter Baby“ (2005)

… wo ich gerade bei Drogen bin, ist Sparky nicht weit. Es gibt Gerüchte, dass der Demented-Are-Go-Frontman vor Auftritten sein Blut waschen bzw. währenddessen mit frischer Chemie aufpimpen muss, um durch die Konzerte zu kommen. Eine Zeitlang war er wohl auch mit einem Pudel in der Handtasche unterwegs. Aus Plüsch, muss man da zu sagen – der Pudel. Nicht die Handtasche. Dennoch ist er mit seiner Reibeisenstimme-from-hell einer meiner Psychobilly-Lieblingssänger, und neben DAG hat er einige Seitenprojekte laufen, die ich sehr empfehlen kann. Etwa das mit der italienischen Hillbilly-Chanson-Crew The Hillbilly Moon Explosion – man beachte hier nicht nur die Stimm-, sondern auch die Frisurfestigkeit:

Aber was ich eigentlich vorstellen wollte, ist Sparkys das Gemeinschaftsprojekt mit den Klingonz. Ein bisschen rockiger als die meisten DAG-Sachen – besonders empfehlenswert: Das Dylan-Cover „Man Of Constant Sorrow“.

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7 Gedanken zu “Begleitmusik: Februar.

  1. tikerscherk schreibt:

    Was für eine geile Variation von „Constant „Sorrow“! Jetzt bin ich wach!
    Und: die Leute, die auf Konzerten durchgehend quatschen müssen, sind die Gleichen, die im Kino ihre Klappe nicht halten können, und alles, was so in ihr seichtes Hirn kommt, nach außen tragen müssen.
    Wahrscheinlich posten sie in der Zwischenzeit auf Facebook, dass sie gerade auf ´nem voll geilen Konzert sind.

    • rocknroulette schreibt:

      ja, der sparky fetzt – und so wacklig, wie er manchmal auf den beinen ist, hält er hoffentlich besser durch als lemmy derzeit.

      bei den quatschenden seichtköpfen habe ich ähnliche beobachtungen gemacht: zwei mädels hinter mir haben sich 80% des konzertes unterhalten (besonders schön das: „mein körper ist bestens in form, so gut wie noch nie!“ in einer plötzlichen spielpause, so dass alle was davon hatten). aber: sie konnten die songs komplett mitsingen (wenn sie es denn mal taten) und haben 20% der zeit tatsächlich wild getanzt. was…? aber…? was…? was soll denn das?

      • tikerscherk schreibt:

        Das ist rätselhaft.
        Hätte eher vermutet, dass das Leute von der Fraktion sind, die sich gerne mit Namen schmücken und von der Musik keine Ahnung haben.
        Jedenfalls finde ich es banausig die ganze Zeit rum zu labern, während andere ein Konzert genießen wollen.

        Ja, hoffenttlich hält er länger durch als Lemmy.

      • rocknroulette schreibt:

        ja, ganz rätselhaft… man sollte sich als reporter verkleiden und umfragen starten: „entschuldigung, sie haben augenscheinlich ahnung vom thema, wieso reden sie? und sie da, sie knipsen ein selfie nach dem nächsten und sind total betrunken, was machen SIE hier?“

        die sollen mal beide so alt werden wie keith richards aussieht 😀

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