Mark Lanegan – Blues Funeral.

(VÖ 03.02.2012) Frontmann der Screaming Trees, QOTSA-Sänger, ehrgeizige Soloprojekte. Zusammenarbeit mit Kurt Cobain, dem Pearl Jam-Gitarristen Mike McCready, Isobel Campbell von Belle & Sebastian und vielen mehr. Die musikalische Biografie von Mark Lanegan kann sich sehen lassen – und nach fast acht Jahren Pause hat er ihr ein Album hinzugefügt, das ab dem ersten Ton hypnotisiert. Track by Track…

Mark Lanegan - Blues Funeral.

Mark Lanegan – Blues Funeral.

„The Gravedigger’s Song“ startet mit fetten Drums und noch fetter verzerrtem Bass – und besser kann man wohl kaum anfangen! Treibend und düster, voll melancholischer Kraft und Schönheit, und dazu Lanegans raue Whiskeystimme… Wahnsinn.

Aber es wird noch besser: Der zweite Track „Bleeding Muddy Water“ ist gleich das Highlight des Albums. Ein schleppender Grundrhythmus, der hypnotische Gesang und dezente Geigen, die sich zum Refrain aufbauen, steigern und erlösend öffnen. Über sechs Minuten dauert diese Perle, die vom Stil her ein wenig an Eddie Vedder erinnert und den Hörer mit ihrer Klarheit regelrecht aufsaugt. Dieser Song könnte locker doppelt so lang sein, satt würde man nicht.

Das nachfolgende „Gray Goes Black“ mutet dagegen in Melodie und Rhythmus fast hektisch an, wäre da nicht Lanegans gebetsmühlenartiger Gesang. Seine Reibeisenstimme prägt auch die ruhige Stimmung in „St. Louis Elegy“, aber bei „Riot In My House“ wird es dann in Zusammenarbeit mit QOTSA-Kollege Josh Homme richtig rockig. Unweigerlich denkt man bei der frickeligen, mitunter beinahe schrillen Gitarre an Hendrix, so eigenständig und wild umtanzt sie Melodie und Gesang.


„Ode To Sad Disco“ beginnt dagegen elektronisch – hier merkt man zum wiederholten Male deutlich, dass Mark Lanegan diesmal mit Drums-PC und Keyboard statt mit der üblichen Gitarre komponiert hat. Aber Elektro-Einflüsse und Lanegan passen gut zusammen: Die gleichförmigen, präzisen Beats ziehen sich durch das gesamte Album und spätestens jetzt scheint man die Musik manchmal gar nicht mehr zu „hören“. Vielmehr taucht man in den hypnotisierenden Songs und flüsternden Melodien ab wie bei einem Spaziergang in der Tiefsee.

Es folgen der träumerische „Phantasmagoria Blues“ und das gitarrenlastige „Quiver Syndrome“. Bei „Harborview Hospital“ wird der Synthie-Beat zum ersten Mal störend, diesen Song kann man getrost überspringen – ebenso wie den Nachfolger „Leviathan“, dessen Regungslosigkeit nicht hypnotisch, sondern eintönig und einförmig wirkt.

„Deep Vanishing Rain“ bekommt genau das aber wieder perfekt hin: Ruhe, eingängige Gitarrenmelodien, eine magische Stimme, die einen nicht loslässt – und einen Überraschungseffekt, wenn plötzlich das surreale Solo einer Flöte einsetzt. Der letzte Song „Tiny Grain Of Truth“ lässt das Album gebührend enden. Und eigentlich bleibt danach nur eines: Die Kopfhörer zurechtrücken, die Augen schließen und noch einmal auf „Play“ drücken. Zurück in Mark Lanegans Tiefseewelt, in der der Blues nicht beerdigt, sondern in der man mit ihm begraben wird.

Bewertung: 4/5
Highlights: Bleeding Muddy Water, Ode To Sad Disco, Riot In My House

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