Der Tanzbär ist tot. Es lebe der Tanzbär!

Gerockt, nicht geschüttelt #18: Wenn ich das Tanzbein schwinge, tanzen die Mäuse lieber unter dem Tisch. Wenn gefragt wird: „Willst du tanzen?“, dann ist das „du“ niemals Ich – denn ich habe zwei linke Füße. Da kann man die Tanzschuhe vergessen.

(c) Farina Gerhardt

(c) Farina Gerhardt

Es fing ganz harmlos an. Dass ich auf der Schule mit zarten 14 noch keine Lust auf den obligatorischen Tanzkurs hatte, habe ich unter allgemeinem Spätzündertum verbucht. Mit 16 wurde ich von einer Freundin unter Anwendung schwerer Folter (ich glaube, es war Tequila) dazu gezwungen, diesen Meilenstein der Jugend nachzuholen.

Schon allein die Spiegelwände und der glatte Tanzboden haben mir damals den Angstschweiß ausbrechen lassen. Zum Glück fiel der Kurs wegen zu geringer Herrenquote aus – wieder nüchtern hatte ich auch wirklich wenig Lust, mich als ausgewachsenes Weibsbild von knapp 1,75m von einem zwei Jahre jüngeren (und zwei Köpfe kleineren) Spargeltarzan über das Parkett schubsen zu lassen.

Ich blieb also erst mal verschont. Den obligatorischen Walzer zum Abiball konnte ich mir auch ersparen. Kleiner Tipp an alle, denen ebenfalls vor diesem Ereignis graut: Wenn man während der Probestunde beim ersten falschen Hüftwackler einen Riesenstreit mit seinem Tanzpartner vom Zaun bricht, hat man zwar den Ball über nichts zu lachen, ist aber auch auf keinem peinlichen Falschtanz-Video zu sehen.

Seitdem gingen etliche Jahre ins Land. Mittlerweile habe ich mich immerhin an Tanzböden gewöhnt, eigentlich tanze ich sogar gern. Also, freestyle, damit wir uns recht verstehen. Taktfrei rumgrooven, headbängen (obwohl meine morschen Nackensehnen mir das mittlerweile noch tagelang heimzahlen), und ansonsten den Mangel an Balance so gut wie möglich durch motiviertes  Zappeln überdecken.

So weit, so gut – wenn da nicht die Männerwelt wäre. Bei meiner ersten Elektro-Swing-Party konnte ich gar nicht so schnell „nein, ich tanze nicht!“ schreien, wie ich geschnappt und über die Tanzfläche geschleudert wurde.

Als ich danach die aufgelöste Frisur samt Gleichgewicht wieder herstellt hatte, hatte sich mein Tanzpartner längst eine kompetentere Lady zum Wirbeln gesucht. Trotzdem ist mir eine Erkenntnis geblieben: Wenn der Mann wirklich führen kann, ist es eigentlich banane, was ich kann. Oder nicht kann. Zumindest, solange ich nicht hinfalle.

Das bereitete den Boden für den nächsten hartnäckigen Tanzgesellen. Silvester sind er und ich bei dem Versuch, so etwas wie einen halbwegs brauchbaren Move zu zweit hinzulegen, ziemlich reingefallen. Eine echte Nieder-Lage, sozusagen. Sowas können echte Männer natürlich nicht auf sich sitzen lassen. Wurde ich noch gefragt, bevor ich meinen Namen auf der Teilnehmerliste für einen Jive-/Rock’n’Roll-Kurs wiederfand? Ich glaube nicht. Na ja. Bei Hinrichtungen wird man ja auch nicht gefragt. Und um die kommt man genauso wenig herum wie um die erste Tanzstunde.

Solange ich mich am eigenen Mann festhalten darf, geht es ja noch. Der hat gute zwanzig Kilo mehr als ich, steht betonfest und hat ein Taktgefühl wie ein Metronom. Und liebt mich auch dann, wenn ich die ach-so-logische Drehung auch bei der sechzehnten Wiederholung beharrlich mit dem falschen Bein angehe. Den wirft das nicht um – weder charakterlich, noch von den Füßen.

Allerdings muss man ab und an auch mal den Tanzpartner wechseln. Und dann hänge ich mit meinen 1,75m plötzlich doch an meinem Spargeltarzan-Alptraumkandidaten. Muss ich extra erwähnen, dass ich nicht nur mit dem falschen Fuß auftrete, sondern auch noch Wackelpudding in den Oberarmen und einen Springteufel in den Knien habe? Wohl nicht.

Machen wir es kurz: Der arme Mann.

Theoretisch führt ja der Männerpart, aber mit anderthalbfachem Kampfgewicht und ordentlich Schwung in den Gummigliedern tanze ich, wie ich es für richtig halte. Und zwar ihm auf der Nase herum. Mein großer Trost: Wenn ich es doch irgendwann hinkriege, könnte es mal so aussehen wie in dem Video hier unten. Und das wäre doch toll, oder?

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