Pro & Contra: Helloween – Straight Out Of Hell .

 (VÖ 18.01.2013) – Grusel, Grusel, Helloween. Michael Myers, leg dein Messer beiseite. Denn Andi Deris & Co. haben gerade ihr neues Album herausgebracht. Volltreffer? Oder Nadelpieks ins Trommelfell? Zwei Redakeure streiten sich, aber eins ist sicher: Neues Album und (k)ein bisschen leiser.

Helloween - Straight Out Of Hell.

Helloween – Straight Out Of Hell.

Helloween gilt als DIE erfolgreichste Metalband Deutschlands. Zu Recht, wenn man sich die errungenen Erfolge und durchlebten Leiden der Band in den letzen 29 Jahren ihrer Geschichte anschaut: Die für jeden Speedmetaler unvergesslichen Keeper-Alben, kommerzieller Durchbruch, Krise, Reunion. Zusammenarbeit mit Motörhead, Jubiläumskonzert in WACKEN, Duett mit Candice Night. Aber auch die Schattenseiten, wie der Suizid von Ingo Schwichtenberg (Drummer) 1995, Erkrankung am pfeifferschen Drüsenfieber des Folge-Drummers Marc Cross 2003 oder die für jeden Metaler grausamste Auszeichnung: Der BRAVO-Otto.

PRO

Manche Bands klingen immer gut gleich – AC/DC, Motörhead, Status Quo. Ich bin ein großer Fan aller drei Legenden, aber dass sie bei jedem Album etwas Neues auf der Pfanne haben, kann ich bei aller Liebe nicht behaupten. Aber: Das will ich auch gar nicht. Ich will „Back in Black Reloaded“, mit all der gewohnten Soli-Power. Ich will mehr von der „Ace Of Spades“-Qualität. Ich lass mir den „Fifth Chord“ grad noch so gefallen, aber sonst sollen die Herren Rossi und Parfitt bitte auf dem Soundteppich bleiben.

Dasselbe gilt für Helloween. Schon beim Auspacken von „Straight Out Of Hell“ freue ich mich auf Highspeed vom Feinsten. Und vielleicht auch die ein oder andere Ballade. Eingängige Gitarren, saubere Hooks – und da kommen mir die sieben orientalisch-dramatischen Minuten von „Nabatea“ gerade recht.

„World Of War“ danach ist dann genau das, wofür man Helloween schätzt – Gitarrenriffs und mehrstimmige Soli-Einlagen, glasklar und handwerklich wirklich perfekt. Saubere Sache! Auch bei „Far From The Stars“ kommen eben diese mehrstimmigen Gitarren wunderbar zum Tragen.

„Burning For The Sun“ und „Live Now!“ besitzen im Refrain ein unschlagbares Live-Potential, hymnisch, mitsing- und tanzbar. Großartig! „Waiting For The Thunder“ ist dann eher Midtempo, ein schöner Versuch mit dem Piano, aber nein – mein Helloween ist Highspeed-Helloween. Dasselbe gilt auch für „Hold Me In Your Arms“. Ein bisschen Dramatik, jawohl, hier bitte! – aber das ist dann doch etwas zuviel Topping auf dem Metal-Cake.

Der Titelsong „Straight Out of Hell“ holt das dann wieder aus, und bei „Church Breaks Down“ und die zweite Version von „Burning Sun“ zeigen, was im Metal mit einer wohlplatziert eingesetzten Orgel angestellt werden kann. Um das leidige Thema auch gleich mal anzusprechen: Mit Andi Deris hat man natürlich immer noch keinen Kiske am Gesang (und mit Brian Johnson keinen Bon Scott), aber mal ernsthaft: Der passt zu Helloween wie kein anderer, der eben nicht Kiske ist.

Alles in allem: Gut gemacht! Vielleicht nicht das allerbeste Helloween-Album ever, aber je öfter man die Scheibe im Player rotieren lässt, desto mehr hängt sich der Sound vom gigantischen „Nabatea“ bis zu „Another Shot Of Life“ im Ohr fest. Treibend, mit Anklängen an die guten alten 80er – so, und nicht anders habe ich es mir erhofft.

Highlights: Nabatea, Church Breaks Down, Straight Out Of Hell

Pro: swi

CONTRA

Alles Vergangenheit, heute zählt „Straight Out Of Hell“. Nach dem ersten Probehören des Albums ist man vielleicht dazu geneigt, den Albumtitel mit den Worten „Into The Wastebasket“ zu vervollständigen. Ein guter Einstieg, das perfekte erste Lied entscheidet manchmal schon deutlich darüber, ob einem das Album am Ende auch gefällt. Track Nummer 1 ist manchmal wie der erste Satz eines Buches: entweder entführt er uns oder er lässt uns unbeeindruckt sitzen. Helloween treiben es mit ihrem ersten Song, „Nabataea“, mit 7:13 Minuten ziemlich weit, und gehen dabei gleich ordentlich an die Belastungsgrenzen. Bereits nach einer Minute gehen einem die hohen Gesangstöne des Frontmanns Andi Deris gehörig aufs Trommelfell. Schnelles Saitengeschrammel, das durch elektronisch nachbearbeitete Synthesizer fast untergeht, macht den Track nicht besser. Nach drei Minuten hat der Song gefühlte 10 mal die Richtung gewechselt, eine klare Linie ist nicht erkennbar, bei 4:10 kommt ein Kinderreim hinzu und so weiter und so weiter. Wer nun mal mutig und experimentierfreudig ist, springt einfach mal stumpf in den zweiten Track, am besten ziemlich mittig. Und, was fällt auf? Richtig, könnte immer noch „Nabataea“ sein.

Sicherlich könnte man jetzt jeden einzelnen Song von „Straight Out of Hell“ auseinanderpflücken. Würde ich auch gerne tun, wenn nicht alles (und ich meine wirklich: ALLES) komplett gleich klingen würde. „Waiting For The Thunder“ mag vielleicht langsamer anfangen, endet aber nichts desto trotz im gleichen Helloween-Trott. „Wanna Be God“ ist ein schlechter Versuch, mit Drums die Massen überzeugen zu wollen. Das gelingt vielleicht Queen mit „We Will Rock You“, Helloween hingegen versagen kläglich, was nicht nur am fehlenden lyrischen Inhalt, sondern auch an der Soundqualität liegen mag. Nach 2:05 ist das Träumen, Gott sein zu wollen, zum Glück auch beendet. Ganz klarer Schwachpunkt des Albums, bei dem man sich offen fragt, was sich eine Band mit so viel Erfahrung dabei gedacht hat. „Make Fire Catch The Fly“ heißt der vorletzte Song, und einem kommt der Vergleich „Mit Speck fängt man Mäuse“ in den Kopf. Ein Feuer haben Helloween sicherlich nicht entfacht, die Fliegen scheinen sie allerdings doch gefangen zu haben, wenn man den offiziellen Chartzahlen glauben schenken darf. „Straight Out Of Hell“ stieg promt auf Platz 4 ein und schaffte damit den besten Start eines Helloween-Albums der Bandgeschichte.

„Straight Out Of Hell“ mag von Vielen lange erwartet worden sein. Ich persönlich hätte gerne darauf verzichtet. Das Album glänzt nicht, sticht nicht heraus, ist Meilen (Lichtjahre wäre übertrieben, aber auch nennbar) von vorangegangenen Alben entfernt. Man mag bei Speedmetal nicht die Neuerfindung des Rades erwarten, jedoch sind selbst heruntergeschraubte Erwartungen vollkommen unerfüllt geblieben, da wirklich jeder Song den ewig gleichen Trott wiederspiegelt. Schnell Saiten zupfen, schnell trommeln, mal hoch mal tief singen, bums, fertig. Einen von fünf möglichen VALVE-Punkten vergebe ich gerne an die Gestaltung des Album-Covers. Soll ja niemand sagen, es wäre alles schlecht. So, und nun bitte straight out of my CD-Player! Thank you!

Highlights: —

Einleitung und Contra: Markus Dunker

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