Coogans Bluff in der Jägerklause, Berlin am 26.10.2012.

Die Jägerklause war früher einmal eine der berühmten Berliner Eckkneipen: Jagdtrophäen an der Wand und gutbürgerliche Küche. An diesem Abend mutierte die Musikkneipe zu einer wilden Mixtur aus Whiskey A-Go-Go und moshpit-eye of the hurricane.

Seit 2003 sind die fünf bis sechs Rostocker mit ihrem „Natural Heavy Kickass Blues Rock’n’Roll“ unterwegs, in dem sie auf ihre ganz eigene Art die Musik der späten Sechziger und frühen Siebziger zelebrieren – ordentlich vermischt mit einer guten Portion Stoner Rock. Dementsprechend war auch das Publikum: Langhaarig, gut gelaunt, voll im Flow, in Vorfreude auf einen guten Abend mit gekonnten Hooks und (seit Neustem auch regulär) mit funky Bläsereinlagen von Stefan Meinking und Max Thum.

Die Vorfreude wurde bis 22.30 Uhr ein bisschen überstrapaziert, aber dann legten sie endlich los – mit „Poncho Express“ und brachialer Gewalt. Zur Ur-Besetzung von Coogans Bluff gehören eigentlich Charlie Paschen (Drums), Willi Paschen (Gitarre), Clemens Marasus (Bass) und Thilo Streubel (Gesang) – seit dem aktuellen Album „Poncho Express“ schnappt sich allerdings auch Clemens ab und an das Mikro und walzt mit seiner überraschend tiefen, rauen Stimme etwa bei „Beefheart“ jeglichen Widerstand nieder.


Und die Jungs entwickelten schon beim ersten Song einen Druck, einen Dampf, dass man sich vom gutbürgerlichen Ambiente der Jägerklause in die rauchige Atmosphäre des legendären Whiskey A-Go-Go und zu einem frühen Auftritt der Doors versetzt fühlt. Laut, fett, schwer und mehr als großartig.

So weit, so gut – denn im Gegensatz zu anderen Musikkaschemmen ist die Jägerklause tatsächlich mit einer guten Anlage und einem technisch versierten Mischer ausgestattet. Aber… was passiert, wenn man diesem ausbalancierten Mix aus Stoner-Schunkel-Vorfreude und fettem Sound ein bis zwei halbnackte Ois -Schrägstrich-Krawallbrüder hinzufügt?

Ja, dann… Dann kommt es zur Entwicklung einer höchst seltenen Spezies: Dem Hardcore-Moshpit im Stoner-Rock-Konzert. Ganz plötzlich purzeln Leute verdutzt vor der Bühne durcheinander – um sich im Anschluss erschrocken zurückzuziehen oder hocherfreut mit allem Körpereinsatz mitzumischen. Die Band selbst scheint nicht genau zu wissen, ob sie diese Art des Engagements nun befürworten oder lieber die eigene Haut in Sicherheit bringen soll, aber über mangelnde Stimmung kann an diesem Abend wirklich keiner klagen.

In den epischen Instrumentalphasen, wenn alle ein bisschen Atem schöpfen und sich doch wieder dem Stoner-Schunkeln widmen, machen die beiden Unruhestifter in der plötzlichen Ruhe ihrerseits einen leicht überraschten Eindruck, aber am Ende ist eins klar: Super Abend. Klasse Konzert mit einer genialen Band, Wahnsinns-Sound und schweißgebadetem Publikum. Blaue Flecken beim Stoner Rock gibt’s nicht alle Tage. Unvergesslicher Abend also. Anyway.

Nachtrag: Das aktuelle Album „Poncho Express“  wurde übrigens richtig schön oldschool-analog aufgenommen und vom Coogans Bluff-Drummer höchstselbst abgemischt. Da ist noch echte Handarbeit am Werk, und das lohnt sich. Nur zu empfehlen!

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