Royal Republic im Astra, Berlin am 07.10.2012.

Für die vier Schweden live on stage könnte man eine Menge Vergleiche finden: Duracell-Hasen, High Voltage Red Bull, Power Player… oder ein einziges Synonym: Energie. Im ausverkauften Austra spielen Royal Republic ihre bisher größte Headliner-Show.

Die Vorband Kopek aus Irland steht den königlichen Herren in Sachen Energietechnik dabei in nichts nach. Vor allem der Bassmann rockt die Bühne und schüttelt die Frisur, dass der Schweiß nur so spritzt. Sänger Daniel hat mit seiner auf dem Kopf fixierten Dreadlockspalme eine weitaus imposantere Frisur als Royalist Adam Grahn zu bieten und Stimmung machen Kopek auf jeden Fall reichlich. So ist das Astra schon ordentlich aufgeheizt, als Royal Repuplic mit „Save The Nation“ vom gleichnamigen neuen Album die Bühne entern.

Wie sich zeigt, ist das Publikum bereit, vom ersten Ton an jede Bewegung, jedes Lächeln und jeden Scherz von Frontman Adam zu bejubeln. Kreischende Mädchen in Ekstase? Oh ja, es gibt sie noch. Scheinbar ist an diesem Abend alles versammelt, was Lust zum Jubeln, Hüpfen und Feiern hat. Und Royal Republic sind die unbestrittenen Könige der Meute. Here they go! Es folgen „You Ain’t Nobody (‚Til Somebody Hates You)“ und „Make Love Not War“ mit einer Binsenweisheit für alle Trennungsgeschädigten im Saal: „It’s not about me, it’s all about you. Don’t give me that look, you know it’s all true. I’m always right, you’re always wrong! That’s the way it always has been and it won’t be long. Fuck you!”.

Jawohl. Apropos Frisur: Langsam beginnt die zementierte Tolle von Adam zu beben – und wird spätestens bei “All Because Of You” vom Debütalbum so derbe durchgeschüttelt, dass auch got2b-beton hier nichts mehr halten könnte. Jedes verrutschte Haar, jedes Kopfschütteln wird dabei begeistert bejubelt, und bei “Full Steam Spacemachine” hüpft der ganze Saal bis zur letzten Reihe im Gleichtakt mit.

Die Band weiß so viel Einsatz zu schätzen und heißt zur bisher größten Headliner-Show willkommen: Am Tag davor habe man in Schweden noch vor 150 Leuten gespielt, doch dieser Abend sei ausverkauft und tatsächlich der Höhepunkt der Royal-Republic-Karriere. Eigentlich könne man nach diesem Konzert alles an den Nagel hängen… nein, zum Glück werden sie das wohl nicht tun. Und erst mal gibt es einen Akustikbattle bei “Walking Down The Line” – samt ironischer “Summer of 69”-Hommage.

Zur anschließenden Akustik-Version der aktuellen Single “Addictive” verlässt Drummer Per seinen Arbeitsplatz und nimmt neben Gitarrist Hannes am Mikro Aufstellung. Mit schweißglänzemdem, nacktem Oberkörper – die Reaktion der erwähnten Mädchen kann man sich auch mit nur wenig Phantasie lautstark vorstellen. Auch Adam amüsiert sich: “What is this thing about drummers? This body is all fake! He bought it at Media Markt!” Was folgt, ist allerdings kein Fake: Quasi a-capella entwickeln die vier Herren ein ungeahntes Stimmvolumen. Mit ein paar Quiekern zwar, aber doch von repektablem Ausmaß.

Bei “OIOIOI” starten Royal Republic dann mit einem kleinen Ausflug zu Black Sabbath‘ “Iron Man” – und dreschen anschließend auf ihre Gitarren ein, als müsse diesen Mistviechern jetzt und hier endlich der Garaus gemacht werden, und zwar mit möglichst viel Vehemenz. Blut fließt zwar keins, doch im Gegenlicht der Scheinwerfer sieht man nun auch Schweiß vom Gitarrenhals tropfen. Aber keine Gnade für niemanden – sondern “21st Century Gentlemen” für alle.

Nach einer kurzen Pause läutet eine Spieluhr das großartige “Sailing Man” ein, das ebenfalls enthusiastisch mitgetanzt und gesungen wird. Man versteht es nicht: Laut eigener Aussage wird ihre Astronaut-Single in Schweden nicht im Radio gespielt “and we’re working our asses off tonight! Every Night! Does this mean that rock’n’roll is dying? Show us that rock’n’roll is not dying!!” Mit Sicherheit nicht. Es ist zwar “The End”, aber noch längst nicht das Ende, weder dieses Konzertes, noch vom Rock’n’Roll. Nicht, solange die vier Unzerstörbaren auf der Bühne stehen können.

Nach “Underwear” (mit Drumsolo for Two) und “Tommy Gun” vom ersten Album ist erst mal Schluss. Aber die Schweden lassen sich nicht lange um eine Zugabe bitten – im Gegenteil. Die Spielfreude in der vollen Halle leuchtet dieser Band aus allen Knopflöchern. Das Charisma und die “Shut the fuck up!”-Charmanz des Frontmans lassen um keinen Deut nach, der Bassist lässt ebenfalls unermüdlich die Haare fliegen und bis auf kleine Atempausen zum Luftschnappen gönnen sich die Jungs keine Pause.

Als Zugabe gibt es “Everybody Wants To be An Astronaut” und “Let Your Hair Down”. Dann fliegt aus dem Publikum ein kleiner Gegenstand auf die Bühne und selbst dafür wird noch Interesse aufgebracht: “Is that drugs? … Oh no, this is a fucking something!” Merke also: Kronkorken kommen als königliche Geschenke nicht an. Vielleicht dann doch lieber das Bier, das am Kronkorken dranhing.

Stattdessen beweist Adam, dass er nicht nur Bühne und Saal beherrscht, sondern auch noch ganz gut Deutsch spricht: Zählen bis 20 ist (fast) kein Problem, Vorstellung und Berufsbezeichnung auch nicht und auch “die geilste Band der Welt” will hier keiner bezweifeln. “Fucking awesome night!” Dito! Zum Abschluss gibt es noch das Cover “I Don’t Wanna Go Out” einer australischen Punkband – nicht das beste Stück des Abends und in den Ohren der Schweden “the worst song ever”. Na, wenn das mal kein Grund zum Covern ist! Und wenn wir gerade bei den schlimmsten Songs überhaupt sind… es wird noch ein bisschen (und sehr falsch) “Wind of Change” gepfiffen, um das Ganze dann in Scream-and-Shout-Manier zu beenden. Noch eine Liebeserklärung an Berlin und dann werden die Gehörgänge mit “We Are The Royal” noch einmal final durchgeputzt.

Schweißnass und strahlend verabschiedet sich die Band, und mindestens genauso verschwitzt und glücklich taumelt das Publikum aus dem Saal. Könige der Herzen wär ja abgedroschen, aber Könige von Energie & Hochdruck sind die Royals wirklich.

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