Thee Attacks – Dirty Sheets.

(VÖ 21.09.2012) „Dirty Sheets“ ist das zweite Album der jungen Dänen und im Vergleich zum Vorgänger „That’s Mister Attack To You“ haben sie sich noch ordentlich steigern können. Fett, fetter und immer ordentlich auf die Zwölf – so klingt richtig guter Indie-Rock.

Thee Attacks - Dirty Sheets.

Thee Attacks – Dirty Sheets.

Die vier Jungs von Thee Attacks gehören zu den Lieblingen von Rolling Stone-Journalist David Fricke und auch zu den Favoriten von Kieron Tyler vom Mojo. Und womit? Mit Recht. Thee Attacks haben nicht nur unzählige Tourkilometer auf den Straßen der halben Welt von Kanada bis Portugal hinter sich, sondern auch jede Menge Energie. Besuchern des Roskilde oder des Reeperbahn Festivals dürften die brutal-direkte Singstimme von Jimmy Attack, der resolute Rhythmus und auch die packenden Riffs von Gitarrist Terry bereits ein Begriff sein.

Retro-Bezüge zu Punk-Rock und Blues, zu ein wenig Glam und ein bisschen Hard Rock hört man da, Reminiszenzen von Velvet Underground, Led Zeppelin, Slade, Black Sabbath, The Stooges und den Ramones. Aber auch aktuelle Querverweise zu den Black Keys, den White Stripes, The Hives oder den Eagles of Death Metal finden sich in dem klassisch fetten, muskulösen Rock-Sound.

Die Song-Titel lesen sich wie ein ganzer Großstadt-Liebesroman in 11 Sätzen, da muss man einfach nur die Tracklist von oben nach unten lesen. Thee Attacks singen von One-Night-Stands und Sex, dem schalen Zauber des Nachtlebens, gesuchter und verlorener Liebe. Dass sie dabei grade mal Anfang Zwanzig sind, tut dem authentischen Sound keinerlei Abbruch.

Zurück zum Wesentlichen: „Thee Attacks“ packt ab dem ersten Ton. Übersteuerte Boxen sorgen für fett krachenden Gitarrensound, die Drums steigen nicht minder breit ein und dazu ein Gesang wie pure Lebenslust – krasser Auftakt mit „Stab“. Schon lange nicht mehr sowas gehört und schon gar nicht von einer so jungen Band.

Es folgt das etwas ruhigere „Take Take Take“. Das klingt nach Fernweh, der Break macht regelrecht Sehnsucht, ein solches Lied muss man auf langen Autofahrten hören, wenn der heiße Asphalt die Luft flimmern lässt und der Wind die Haare flattern lässt. Energie eben, und die transportiert auch der Startschrei zu „Rock Bottom“.

Die Vorabsingle „So Cold“ erinnert ein wenig an Of Monsters & Men, nur noch fetter, noch besser – ROCK eben. In Großbuchstaben. Die ersten vier Songs sind damit die besten Stücke auf „Dirty Sheets“, obwohl der Rhythmus straff und der Sound energiegeladen bleibt. Ab „I See Through You“ brüllt sich auch die zunächst noch eher kühl-glatte Stimme von Jimmy langsam in Hitze, bei „Watch Your Game“ ist schon nichts mehr glatt und cool, hier muss man stattdessen langsam um die in Leidenschaft berstenden Stimmbänder des Sängers fürchten.

Produziert wurde dieser High-Energy-Mix mit Retro-Geschmack von Liam Watson (The Kills, The White Stripes, The Datsuns) und Jesper Reginal im legendären Toe Rag Studio in London und dem Kopenhagener Kondi Frost-Studio. Das Ergebnis soll – noch mehr als ihr Debüt – dem Klang der Thee Attacks-Liveshows nahekommen. Wenn das stimmt… Hut ab. Vor der Live- und vor der studio-Band gleichermaßen.

Bei „Where Did All The Love Go“ wird es zunächst wieder etwas ruhiger – und im Refrain auch etwas dissonant, während bei „Gun In my Hand“ Stimme, Band und Verzerrung noch einmal alles geben. Wow. Wenn „Dirty Sheets“ das sind, was von der Thee-Attacks-Großstadtgeschichte von „Girl, don’t you understand / I want to be your man“ („Stab“) bis „I promised that I will give you all of my love / just like the last girl“ („Gun In My Hand“) übrigbleibt, dann bleibt nach dem Album ein sehr zufriedener und erschöpfter Hörer in ebendiesen Laken zurück. Müde getanzt, mit einem breiten Grinsen im Gesicht und einem Zeigefinger, der schon wieder nach dem „Play“-Button juckt.

Bewertung: 4/5
Highlights: Stab, Take Take Take, Rock Bottom, So Cold

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