Die Ärzte in der Waldbühne, Berlin am 18.08.2012.

Wenn die Ärzte auuus Berlin iiin Berlin spielen, kommt es schon beim Kartenvorverkauf zu tumultartigen Szenen. Resultat: Die FunPunkRocker mieten die Waldbühne schon mal drei Tage am Stück und geben dann „ganz spontan“ noch zwei Zusatzkonzerte – alle natürlich restlos ausverkauft. Zwei Worte: Gelungener Tourabschluss.

Das Ende ist noch nicht vorbei-Tour.

Das Ende ist noch nicht vorbei-Tour.

Ein traumhaft warmer Abend mitten im deutschen August – dass man das überhaupt noch erleben darf, in diesem Sommer ist eigentlich wunderbar genug. Ein Open Air in der schönen Waldbühne am Berliner Olympia-Stadion ist an einem solchen Tag als absolute Krönung zu bezeichnen, und dass für dieses Open Air auch noch die Ärzte verantwortlich sind, ist das absolute Sahnehäubchen auf dem Eiskügelchen.

22.000 gutgelaunte Fans von Emo bis Punk, von Mutti bis Kleinkind-mit-Ohrschützern, von Normalo bis Freak, haben sich an diesem zweiten Konzerttag versammelt. Pünktlich um halb acht kommen BelaFarinRod dann selbst auf die Bühne und kündigen ihre Vorband an: The Undertones. Die sie selbst lieben und ohne die sie noch geworden wären, was sie sind. Aha. Und die natürlich viel besser seien als die drei Berliner sich jemals selbst erachten würden. So, so.

Darüber mag mancher Fan anderer Meinung sein, denn The Undertones sind zwar nicht übel und sorgen nicht nur im Party-Pit vor der Bühne schon ordentlich für Stimmung – aber letztlich bleiben sie eben doch nur die Vorgruppe für die beste Band der Welt.


Nach einer Ansage vom Band, die ein bisschen ihren Zweck verfehlt, weil die Berliner Schnauzen an den falschen Stellen anti-autoritäre Haltung an den Tag legen, kommen sie dann endlich: Bela B., Farin Urlaub und Rodrigo Gonzalez. Mit „Ist das noch Punkrock?“. Ich glaube nicht – wenn man da mal so die alten Stücke aus der „Schrei nach Liebe“-Ecke danebenhält. Aber das spielt keine Rolle, es sind die Ärzte, und die allein sind ein Stimmungsgarant. Das beinahe Schönste dabei: Die Drei scheinen selbst immer noch jede Menge Spaß am Bühnenauftritt zu haben.

In den mittlerweile legendären Plaudereinlagen wird natürlich zur Publikumsbeteiligung von der La-Ola-Welle über herzförmige Wall of Deaths bis zum T-Shirt-Wedeln aufgerufen, es werden Band-Mütter verunglimpft (und ihnen im nächsten Lied wieder mit einem Textschlenker gehuldigt), Brüste bejubelt, sich gegenseitig verarscht, dass die Bretter wackeln, und am Ende mit fremden Schildern für die Freilassung von Pussy Riot protestiert.

Dazu gibt es jede Menge Songs vom neuen Album und das Beste vom Besten: Die fette „Elke“ ist diesmal nicht dabei (die hätte auch gar nicht mehr in die vollgestopfte Arena gepasst), aber dafür natürlich von „Angeber“ und „1/2 Lovesong“ über die Evergreens „Schunder-Song“ und „Langweilig“ bis „Rebell“ noch etliches mehr. Beim wohl schönsten Gitarreneinstieg der Welt hat Berlin dann sogar doppelt Glück im Unglück: Nach den ersten Takten von „Deine Schuld“ verweigert die Farin’sche Gitarre den Dienst, sein Backliner Jochen kommt ins Schwitzen, alle anderen bleiben entspannt. Und als die Klampfe wieder will, gibt es das Intro gleich noch einmal.

Aber irgendwann ist Schluss. Zum Glück heißt die Tour heißt ja „Das Ende ist noch nicht vorbei“ und das ist es auch jetzt noch nicht. Stattdessen gibt es mit drei Zugabenblöcken von „Westerland“ und „Unrockbar“ über „Junge“ bis zum Akustik-Zuckerstück „Der Graf“ nochmal ordentlich Nachschlag. Passend dazu geht gegenüber der Bühne ein Feuerwerk los – nicht ganz kompatibel mit der musikalischen Untermalung und auch so, dass die meisten Zuschauer es nicht sehen können, aber trotzdem: Irgendjemand in Berlin scheut keine Kosten, Mühen und Zufälle, wenn es um NurEinenGott geht.

Eben diese verabschieden sich dann auch. Ganz unromantisch. Mit „Dauerwelle vs. Minipli“, dem wohl besten Kotz- und Brüllstück aus ihrem Repertoire. Einfach mal Schreien, Schrammeln und noch ein letztes Mal ohne Rücksicht auf Verluste ausflippen. Ist das noch Punkrock? Ich glaube doch.

Setlist
1.  Ist das noch Punkrock?
2.  Bettmagnet
3.  Tamagotchi
4.  Hurra
5.  Lied vom Scheitern
6.  Heulerei
7.  Wir sind die Besten
8.  Angeber
9.  Deine Schuld
10. Die ewige Maitresse
11. Sohn der Leere
12. 1/2 Lovesong
13. ZeiDverschwÄndung
14. Langweilig
15. Schunder-Song
16. Wie es geht
17. Grace Kelly
18. Popstar
19. Waldspaziergang mit Folgen
20. Lasse reden
21. Nie wieder Krieg, nie mehr Las Vegas!
22. Rettet die Wale
23. Ignorama
24. Schrei nach Liebe
25. Ist das alles?
26. Rebell

Zugabe 1:
27. TCR
28. Westerland
29. Unrockbar

Zugabe 2:
30. Himmelblau
31. Perfekt
32. Junge

Zugabe 3:
33. Der Graf (acoustic)
34. Punkbabies
35. Zu spät
36. Dauerwelle vs. Minipli

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