The Reverend Peyton’s Big Damn Band – Between The Ditches.

 (VÖ 07.08.2012) Direkt aus Süd-Indiana, aus den heißen Feldern, aus dem Staub endloser Straßen, kommt mit “Between The Ditches” ein weiteres Stück Delta Blues plus Hillbilly plus Americana-Rock auf den Plattenteller. Ebenso hot und scharfkantig trocken wie seine Herkunft.

Between The Ditches.

Between The Ditches.

Wenn Blues ein Sprengstoff wäre, dann wäre Reverend Peyton wohl der Sprengmeister. Bisher hat die Big Damn Band ihre Alben in nur wenigen Stunden aufgenommen, roh und unverschnitten. Unmittelbar und leidenschaftlich. Bei „Between The Ditches“ wurde mit Paul Mahern (Iggy Pop, John Mellencamp) zum ersten Mal ein professioneller Produzent engagiert, der die ungeschminkte Power aus Indiana in gezähmtere Bahnen gebracht hat.

„Between The Ditches“ gilt als das bisher reifste und vielseitigste Peyton-Album. Dennoch braucht es ein wenig Anlaufzeit: Die ersten vier Tracks stampfen durch die Gehörebene, noch ein wenig brachialer als gewohnt, die Stimme ein wenig tiefer und gar nicht mehr so hell schnarrend, kräftige Basslinien und Waschbrett-Schrubbereien, aber alles in allem ein wenig eintönig. Oder minimalistisch-kraftvoll in seiner Monotonie, man schwankt beim Hören zwischen beiden Einschätzungen. Und das immer mehr, je öfter man sich „Devils Look Like Angels“, „Something For Nothing“, „We’ll Get Through“ und „Big Blue Chevy ‘72“ anhört.


Wer Reverend Peyton und seine Verdammten für Tanzbares im flotteren Tempo schätzt, dürfte wohl eher mit „Shut The Screen“ glücklich werden: Der Chorgesang erinnert ein wenig an das legendäre Gospel-Album und die verspielte Gitarre macht den nicht besonders kreativen Text mehr als wett. Aber für hochliterarische Lyrics schätzt man Peyton ja auch nicht – sondern für seine handfesten, schweißgetränkten Erzählungen aus dem ländlichen Alltag. Das anschließende „Shake’em Off Like Fleas“ geht ebenfalls in die Beine, wobei man den Hoosier sehen möchte, der zu diesem Beat seine Flöhe abschüttelt, muhaha. Aber vielleicht lässt die durchaus interessante Bluesgitarre auch einfach nur Flohbisse und alles andere vergessen.

Mit „Easy Come Easy Go“ reguliert sich die Stimme von Rev. Peyton samt Begleitung wieder in gewohnte Höhen – ein eher simpler Song, aber durchaus empfehlenswert. Bei „I Don’t Know“ wird das Gewebe aus zweiter Gesangsstimme und Gitarre allerdings fast anstrengend, was vor allem an der piepsenden Zweitstimme liegt. Ausgleich schaffen „The Money Goes“ und „Move Along Mister“, die mit Mundharmonika und treibendem Rhythmus bzw. einem summenden Blues-Einstieg eine gute Grundlage für den fröhlichen Bluesgrass-Track und Titelsong „Between The Ditches“ schaffen.

Den Schluss bilden „Brokedown Everywhere“ mit einem schon fast banjohaften Sound und das Akustik-Stück „Brown Country Bound“, bei dem die Zweit-Piepsstimme wirklich überflüssig ist. Egal. Man schlage die quietschende Tür seines rostigen 72er Chevy kräftig zu, spucke mit geringschätzigem Nicken eine Ladung Kautabaksaft aus dem Mundwinkel und fahre dem Sonnenuntergang entgegen. Big damn it.

Bewertung: 3,5/5
Highlights: Shut the Screen, Shake ‚em Off Like Fleas, The Money Goes, Move Along Mister

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