African Journal #6 – Tarangire Nationalpark.

Noch einmal: Tiere, Tiere, Tiere.

Heute gibt es ein besonders aufmerksam gerichtetes Frühstück mit Rührei, Würstchen (dreimal darf man mauzen, wer das meiste davon bekommt), Obst und natürlich Pancakes. Währenddessen bietet die Affenbande noch einmal alle ihre Künste im Spiegelabreißen, Zeltplanenkollern und Heckenhopsen auf.

Alles zusammen macht das Packen und Abschiednehmen nicht gerade leichter… wir tragen uns noch ins Gästebuch ein (ein bisschen tröstet der Gedanke, dass zumindest meine Unterschrift im Camp bleibt) und steigen nach dem Abschied vom Staff in den Landrover.

Eine gute Stunde Fahrt braucht man zum Tarangire. Natürlich müssen wir nach drei Schlaglöchern wieder in den Büschen verschwinden, Halifa kann nur noch über uns lachen. In Nationalpark Nr. 3 wird uns hier nach Krater und Steppe eine richtige Savannenlandschaft mit Bäumen und dem ein oder anderen Fluss geboten.

Elefant im Tarangire

Elefant im Tarangire

Der erste Elefant steht gleich zu Beginn an einer Weggabelung, wirft seelenruhig Sand auf seinen Rücken und schaukelt dann ganz entspannt an uns vorbei. Halifa sagt, dass dies ein recht altes Exemplar sei und dass es seine langen Stoßzähne am besten vor Wilderern verstecke, denn machen bei der Jagd auch nicht vor Nationalparks halt.

Und der ist voller Elefanten. Überall ziehen die Herden: Sie stehen in der Mittagshitze im Schatten unter den Bäumen, einer trompetet sogar (wie auf Kommando, denn in diesem Moment wünschen wir gerade, dass es einer tun möge). Sie ziehen über die Ebene und trinken im Fluss, während ihre Jungen im Schlamm herumrutschen.

Elefantenfamilie nach dem Bad

Elefantenfamilie nach dem Bad

Während wir dieses Familienbad im Fluss beobachtet geht ein großer Bulle stampfend mit kampflustig erhobenem Rüssel und aufgestellten Ohren auf die Gruppe der gaffenden Safarianer los: So schnell startet der sonst so entspannte Halifa den Motor nie wieder, denn im Tarangire sind bereits öfter Jeeps von Elefanten angegriffen und umgeworfen worden. Damit weiß ich endgültig, wo wir hier sind: Nicht in einem kuschlig kleinen Zoo, sondern in der freien Wildbahn, wo wir die Eindringlinge sind.

So lassen sich auch die berühmten, auf Bäumen schlafenden Löwen nicht auf Knopfdruck sichten, obwohl Halifa augenscheinlich nach ihnen sucht und dabei noch und noch eine kleine Zusatzrunde einlegt.

Giraffen im Tarangire

Giraffen im Tarangire

Stattdessen begegnen uns jede Menge Giraffengruppen, deren älteste Mitglieder – taub und blind, wie sie im Alter werden – manchmal zum Greifen nah am Weg stehenbleiben. Dazu ein paar Warzenschweine, natürlich Zebras und ein paar Gnus. Und eine Herde von mehreren Hundert Wasserbüffeln, die erst wie bei einer Stampede angetrampelt kommen und dann bei all ihrer Mächtigkeit doch nicht den Mut haben, unsere Straße zu überqueren.

Dafür hockt eine Schar von wieselgroßen Mungos mit ihren halbstarken Jungen ganz unverfroren im Schatten einer Akazie. Sie spielen im Straßenstaub herum und denken gar nicht daran, unserem Landrover Platz zu machen. So groß kann Angst und so klein kann Chuzpe sein. Und noch kleiner sind Übermut und Blutgier, denn der Tarangire wimmelt nur so von blinden Fliegen.

Now you have to say goodbye.

Baobab-Baum.

Baobab-Baum.

Unser letztes Safari-Mittagessen nehmen wir auf dem Dach des Jeeps ein, ganz ohne andere Touristen, aber mit dem Blick auf Leberwurstbäume, Baobabs und ein ausgetrocknetes Flussbett. Unsere Köpfe sind übervoll von Eindrücken und Tierbegegnungen. Nach drei Tagen Safari müssen sich die Erinnerungen erst einmal setzen.

Die Rückkehr in das nach der Naturruhe vollkommen überfüllte Arusha ist ein richtiger Kulturschock. Die Straßen riechen nach Autoabgasen und Herdfeuer, wir kommen nur langsam voran und sind am Monjes Guesthouse zum ersten Mal auf der Reise für einen Moment überfordert mit all unseren Gepäckstücken und den vor unserem Zimmer lärmenden Afrikanern. Zum Glück ist das nur der Hunger.

Mama Africa.

Nachdem wir direkt gegenüber des Guesthouse einen winzigen überdachten Hof mit ein paar Tischen zum Ugaliessen gefunden haben, beruhigen wir uns ganz schnell wieder. Während unser Ugali, ein polentaähnlicher Hirsebrei mit Spinat und Bohnen in Sauce, vorbereitet wird, essen wir zwei knusprigheiße Donuts, die eine junge Frau für uns aus einer mit sprudelndem Fett gefüllten Pfanne auf einem niedrigen Grill fischt. Sie schmecken so gut wie sonst nichts auf der Welt und alles stimmt wieder.

Nach den Donuts werden Chapattis gebacken, und zwar in aller Seelenruhe von der sprichwörtlichen Mama Africa. Wir verstehen kein Wort des anderen, aber wir lächeln uns an und bleiben so lange, bis wir uns am liebsten für einen Moment an ihre riesigen Brüste werfen wollen, um wohlmöglich für immer zwischen ihnen zu verschwinden.

Aber wir müssen zurück ins Guesthouse. Am nächsten Morgen um 6 Uhr geht der Dar Express zurück nach Dar es Salaam. Die Safari ist vorbei. Sachen packen, eiskalt katzenwaschen und ab ins Bett.

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