Zeus – Busting Visions.

(VÖ 26.03.2012) Frühsommer – Sonne – Lebenslust! Beim Zeus, so sieht’s im Wetterbericht aus und so klingt auch das zweite Album der kanadischen Indie-Rocker. Melodischer Rock vom Feinsten, und wüsste man nicht, dass diese Scheibe 2012 erschienen ist, könnte man dieses Papas-Plattenkisten-Potpourri Reloaded auch durchaus in den 70s verorten.

Zeus - Busting Visions.

Zeus – Busting Visions.

Stop! Potpourri heißt in diesem Fall nicht – niemals, auf keinen Fall! –, dass man sich hier mit billigen Cover-Versionen irgendwelcher Best Ofs die Ohren stopfen müsste. Mitnichten und im Gegenteil! Wie man schon im Stream hören konnte, haben es Zeus tatsächlich geschafft, den leicht grasduftdurchsäuselten, entspannten Rock der Siebziger kräftig zu entstauben und seinen Qualitäten wieder neue Power einzuhauchen.

Das geht schon beim ersten Song los: „Are You Gonna Waste My Time? wird da gefragt, und was das Musikalische betrifft, kann hier mit einem klaren „nein geantwortet werden. Stattdessen überkommt einen beim Hören ein spontaner Anfall guter Laune, den das rhythmusbetonte„Love/Pain mit frohgemutem Synthie und angenehm knirschenden Gitarren übergangslos fortsetzt. „Anything You Want Dear erinnert beim Auftakt ein wenig an „What Is Life“ von Ex-Beatle George Harrison – aber so ein Vergleich kann eigentlich nur positiv ausfallen. Wenn’s eben gut gemacht ist – und das ist es.


Das nachfolgende „Let It Go, Don’t Let It Go“ kann sich nicht ganz für einen starken Sound entscheiden, und kommt neben den anderen Tracks etwas zu leichtgewichtig daher. „Strong Mind“ macht den Verlust mit seinen wabernden Gitarren und beschwingten Rhythmus samt Geräuschexperimenten aber im Handumdrehen wieder wett.

Der Knaller ist allerdings „With Eyes Closed“ mit seiner Stairway To Heaven-Hommage: Schön, fast zu schön schon, und fast genau so schön wie das Original. Der Gesang erinnert hier ein wenig an Mando Diao, aber Dixgard/Norén klingen in ihren besten Stücken ja auch gern wie etwas Altbewährtes. Und wenn man nur einigermaßen genau zuhört, dann findet man über das ganze Zeus-Album verteilt in Lyrics oder Melodien immer wieder kleine Hinweise auf die Großen vergangener Zeiten. Und dass die vier Herren aus Toronto mit ihrer geschickten Melodieführung und den gekonnten Chor-Einsätzen immer wieder an die Beatles erinnern, während die Gitarren des Öfteren Stones-Qualität erreichen, das fällt selbst beim oberflächlichen Reinhören sofort auf.

„Hello Tender Love“ im Anschluss ist das experimentellste Stück auf „Busting Visions“, aber auch hier gibt’s puren Sonnenschein für die Ohren. Entspannt, cool und gut gelaunt. So auch „Stop The Train“, das mit seinem nervösen Start beinahe Rummelplatzatmosphäre verbreitet. Wer bis jetzt noch nicht tanzte, dem dürften spätestens jetzt die Füße jucken!

„Cool Blue (And The Things You Do)“ wartet noch einmal mit einem fast dramatischen Anfang und unerwarteten Rhythmuswechseln auf, bevor die letzte Nummer „Now That I’ve Got You“ noch einmal alles aufbietet, was dieses Album bis jetzt überdurchschnittlich gut gemacht hat: Humorvolle Texte, Fantasie und Leichtigkeit, tanzbar gute Laune und eine Verbeugung vor denen, die den langen Weg guter Musik vor über 30 Jahren bereitet haben. Großartig!

Großartige junge Band und ein Sound, dass man die Mundwinkel nicht mehr runter bekommt. Da könnte auch ein erneuter Wintereinbruch die Sommerlaune nicht mehr trüben.

Bewertung: 4,5/5
Highlights: Are You Gonna Waste My Time?, With Eyes Closed, Strong Mind, Now That I’ve Got You

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