Lambchop – Mr M.

(VÖ 24.02.2012) Der Freitod eines Freundes 2009, die folgende Schaffenskrise – eine ganze Weile sah es nicht gut aus für Kurt Wagner, den Chef des vielköpfigen Lambchop-Clans. Doch mit „Mr M“ ist alles wieder da: Melancholische Melodien, fein arrangiertes Chaos und ein neues Album von gewohnter Eleganz.

Lambchop - Mr. M

Lambchop – Mr. M

Der Anlass zum 11. Lambchop-Album ist ein wahrhaft trauriger: Nach dem Tod von Vic Chestnutt, einem gelähmten Singer/Songwriter, Freund der Band und Mentor von Frontman Kurt Wagner, war Wagner lange Zeit nicht mehr im Stande, musikalisch überhaupt noch etwas irgendetwas auf die Beine zu stellen. Stattdessen tat er etwas, was er seit Jahren nicht mehr gemacht hatte: Malen.

Dabei entstand unter anderem das Cover zu „Mr M“ – und fand die Kraft für neue Songs, die jetzt auf eben diesem Album zu hören sind. Sanfte Musik mit beinahe dylanesken Texte, neuen Stilelementen wie den „Psycho-Sinatra“-Streicher-Arrangements und der über allem schwebenden Präsenz von Wagners rauchiger Stimme, die „Mr M“ zu einem prägnant angenehmen Lambchop-Album machen.

Der erste Song „If Not I’ll Just Die“ beginnt mit den wie in einer alten Hollywood-Schnulze heiter vorgetragenen Zeilen „Don’t know what the f***/ they’re talking about“ und versetzt einen sofort in eine ferne Welt, in Lambchop-Zeit, in eine dezent dekadente Swing-Stimmung, wie man sie heute kaum mehr kennt. Man weiß tatsächlich nicht recht, wovon die Rede ist – aber schön und entspannend ist es trotzdem.

Nach den gesprächsfetzengarnierten Gitarren in „2B2“ folgt das mit sieben Minuten nahezu ausufernde „Gone Tomorrow“, das mit einem sonnendurchfluteten Klavierauftakt beginnt und im wilden Strudel einer Jam-Session endet – definitiv der absolute Höhepunkt.

Was dann folgt, ist traditionell ordentlicher Lambchop-Sound. Elegant, ruhig und fließend. Etwas, auf das man sich einlassen muss, um es wirklich zu hören – sonst könnte es zum bloßen Hintergrundgeräusch verkommen, und das wäre schade. Ein paar Instrumentals wie „Gar“ und „Betty’s Overture“ sind dabei, auch etwas elektrisch Aufgepepptes wie „The Good Life (Is Wasted)“ und beim Schlussstück „Never My Love“ hat sich Wagner Unterstützung von der Sängerin Cortney Tidwell geholt.

Alles in allem „a record of, and about, love and the healing, binding force hat it represents”, so formuliert es Kurt Wagner selbst – und benutzt dabei mit “Liebe” eines der Wörter, die bei Lambchop sonst nicht allzu häufig und auch bei „Mr M“ nur dick mit melancholischer Melodie kombiniert vorkommen. Seine Liebe zur Musik hat ihn wieder auf den Boden und ins Aufnahmestudio gebracht, und wenn man den Worten des mittlerweile 55-jährigen glauben darf, dann lässt sich hoffen, dass das auch noch eine ganze Weile so bleibt.

Bewertung: 3,5/5
Highlights: Gone Tomorrow

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