Dropkick Murphys in der Columbiahalle, Berlin am 29.01.2012

Beim Konzert in der ausverkauften Columbiahalle zelebrieren die lieben Sieben aus Massachusetts iro-amerikanischen Folk-Punk mit Schottenrock, Dudelsack, Proletariatsstolz und Tradition. Da tanzt nicht nur das Publikum.

Mit 14 Jahren Bandgeschichte im Rücken hat das Septett aus Boston schon einige Shows und Alben hinter sich – und wie es sich für eine Folk-Punk-Band gehört, gibt es Sitten und Bräuche, die bei jedem Auftritt gepflegt werden: Noch während der Vorband entkleidet sich der Pogo-Pulk also bereits zur Hälfte, entfaltet die irische Flagge und setzt die grünen Zylinder auf.

Apropos Vorband: Europa bekommt für seinen Teil der „St. Patrick’s Day“-Tour leider nur die solide rockenden The Bouncing Souls zu hören, ab Ende Februar wird der kongeniale Frank Turner mit den (Achtung, nicht verwechseln!) Sleeping Souls bei den US-Auftritten dabei sein. Das treibt einem ein wenig die Tränen in die Augen, aber eigentlich geht’s an diesem Abend ja darum, die Dropkick Murphys zu hören.

Also pflegt man einer weiteren Tradition: Dem Schlachtruf. Let’s-go-Mur-phys! Let’s-go-Mur-phys!! Alles wartet gespannt auf das Signal zum Ausflippen. Und nach dem Traditional-Intro stürmen die Murphys dann mit „Hang ’em High“ endlich die Bühne.

Wenn sich Sänger Al Barr (dessen Reibeisenstimme einen viel wuchtigeren Mann vermuten lässt) gleich mit dem ersten Song ins Publikum stürzt, dann rockt die ganze Band mit und dass der Banjomann aka lebender Brummkreisel aka Jeff DaRosa da nicht tüdelig über seine eigenen Füße fällt, ist wohl nur jahrelanger Übung zu verdanken.

Die Setlist selbst ist ein Querschnitt durch die Murphys-Laufbahn und ihre beiden Elemente: Den Punk-Anteil stellen Songs wie „The Gang’s All Here“, „Sunday Hardcore Matinee“, „Flannigan’s Kitchen“ und der Titeltrack des aktuellen Albums „Going Out In Style“ – und dann kehren die Murphys mit einem Akustikpart im Sitzen (genannt: „Folk on stuhls“) zurück zu ihren traditionellen Wurzeln: Arbeiteraufstand mit „Take ‚em Down“, Kampfgesänge á la „Warrior’s Code“, „Devil’s Brigade“ und „Boys On The Docks“.

Anschließend schleudert der bassspielende Ken Casey seinen Hocker mit einem Fußtritt zurück in den Bühnenhintergrund, und spätestens bei „The State of Massachusetts“ weiß man wieder, wo der Punk hängt. Es folgen „Peg O‘ My Heart”, „Barroom Hero” und dann mit der Murphys-Version des traditionellen „The Irish Rover” wieder ein wenig Folk. Außerdem fehlen weder der schottenrockberockte und weißbestrumpfte Dudelsackspieler im Hintergrund, noch die Tin Whistle, noch das Schifferklavier. Playing folk in style, gewissermaßen.

Nach dem Gassenhauer „I’m Shipping Up To Boston” ist erst mal Schluss, aber natürlich gibt es noch Zugaben: Bei „Kiss Me I’m #!@*faced“ holt Ken Casey nach altem Murphys-Brauch etwa 50% der weiblichen Konzertbesucher auf die Bühne. Zum Knutschen bleibt ihm allerdings keine Zeit, weil er sich noch einmal die Seele aus dem Leib röhrt. Die Damen rocken derweil fröhlich allein, und als zu „Skinhead of the MBTA“ auch noch die Männer die Bühne stürmen dürfen, wird es da oben neben den immerhin sieben Murphys richtig voll.

Fast schade ist, dass zum Abgangscover „T.N.T.“ beinahe am lautesten mitgesungen wird – aber Himmel! Diese Iren nuscheln sich beim Singen ihrer eigenen Texte auch ziemlich was zusammen. Und ebenso beim Deutschsprechen. Was sie eigentlich ganz gut können. Aber noch besser können sie Feiern und es auf der Bühne richtig krachen lassen. Und darauf kommt es ja ganz traditionell bei jedem Konzert an. Let’s-go-Mur-phys!

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