Danko Jones im Conne Island, Leipzig am 03.12.2011.

Niemand, aber auch wirklich niemand legt bessere Live-Performances hin als Danko Jones. Pyromanische Ausfälle hier, Ganzkörperschminke und Kostümzwang dort – das haben die drei Kanadier überhaupt nicht nötig. Was hier zählt, ist einzig Rock’n’Roll. Laut, unverfälscht und unmittelbar.

(c) Conne Island

(c) Conne Island

Und wenn man schon beim Rock’n’Roll ist, kann ein bisschen Keith-Richards-Flair auch bei der Vorband nicht schaden: So staksen die vier Jungs von The Biters mit identischen Fransenfrisuren auf Streichholzbeinchen à la Keef herum, und jeder Song scheint nach den ersten Takten wie eine Variation von „Honky Tonk Woman“. Aber das ist – im Gegensatz zu dem übelst ausgesteuerten Klangbrei der danach als Pausenfüller durch die Boxen kreischt – immerhin hörbar.

Anschließend erscheinen einem Höllenglocken wie Engelsgesang: Der Mainact des Abends wird stilecht mit „Hell’s Bells“ eingeläutet – dann legen J.C. am Bass, Atom Willard an den Drums und Danko Jones himself endlich mit „Rock Shit Hot“ los. Und spätestens nach dem zweiten Song, allerspätestens ab „First Date“, brodelt die Halle regelrecht. Auch Frontman Danko ist bester Laune: Vor zehn Jahren habe er das erste Mal im Conne Island gespielt, damals noch als Vorband der Backyard Babies: „You had ten years to learn how to rock’n’roll – now show me what you’ve learned!“ Die Aufforderung braucht es kaum, denn hier wird getanzt und gecrowdsurfed (oder doch crowdgesurfed?), was Arme und Körperspannung hergeben.

Altes und Neueres vom 2010er Album „Below The Belt“ wechselt sich ab – „Dance“, „I Think Bad Thoughts“, ein extrem zügiges „Full Of Regret“, „Sugar Chocolate“, „Samuel Sin“… oh ja, Dankos Mama hat ihren Sprössling tatsächlich für das Eine geschaffen: To get up on stage and sing! Hier ist nichts Routine, hier hat eine Band richtig Spaß an der Sache, da wird mit dem Publikum gealbert und Altbekanntes mit neuen Intros, frischen Solos und eingeschobene Riff-Reminiszenzen an die großen Meister von Angus Young bis Black Sabbath‘ „Iron Man“ in neue Gewänder gekleidet.

Technische Probleme tun da keinen Abbruch: Wackelkontakt im Mikro hin oder her, Danko erreicht mühelos die etwa 1000 Leute in der vollgestopften Halle. Sein erklärtes Ziel: Nicht 99,99% zufriedene Zuhörer, sondern 101% full power! Und so gibt er auch ohne Verstärkung alles: „Fuck the microphone! But I’d like to see the fucking guy from Coldplay to do this at his show.” Diabolisches Gelächter und Zungenflackern, da freut sich das Publikum und kichert der Tontechniker.

Auch Crowdsurfen geht ganz ohne Musik: „Look at this guy! He’s crowdsurfing to his own beat! Must have started when I was talking about the Dave Matthews Band…” Womit der Beweis erbracht wäre, dass Danko Jones nicht nur mit langsameren Songs („Cadillac“), sondern sogar mit gar keinen richtig rocken kann. Q.E.D.

Nach „Dr. Evening“ ist dann erst mal Schluss, aber die Drei lassen sich nicht lang bitten, sondern sind mit „Lovercall“ ruckzuck wieder on stage. „I might not be the flashiest dresser in the room/ I might not know how to look a girl in the eye/ I might not have the right pick-up lines/ but I’ll tell you what I got… “ und wieder ist’s die Zunge. Dirty Deeds in Ehren, aber Danko macht weder in Zungenlänge, noch in Bühnenpräsenz so schnell keiner was vor.

Nach „Code of the Road“ fehlt für mich nur noch „Mountain“ zum Konzertglück – der eine Song, der auf keinem Album auftaucht und üblicherweise Highlight und Abschluss zugleich ist. Aber das Leben ist kein Wunschkonzert: „I’m not gonna change the fucking setlist. Ask me why! Come on, ask me why!” Ja, nun, warum? Wieso nur? „It’s because I’m an asshole.” Hähähä.

Aber diesmal gibt’s dafür was Neues: „My World Is Empty Without You”. Zum Glück ist auch das mit guten Ratschlägen fürs Leben gespickt, diesmal gewidmet allen „fools for love“.

Danach ist nach anderthalb Stunden und viel zu schnell wirklich Schluss. Verbeugung, Ende. Ich luchse dem Tontechniker noch die Setlist ab (sollte ich eine Rock-Devotionalien-Sammlung eröffnen, wäre das ein würdiger Start), und dann will ich wie alle nur noch eins: Sauerstoff. Kurzgefasst: „Mountain“ hat gefehlt, aber großartiges Konzert! Shit hot Rock’n’Roll!!

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