Komm, spuck aus oder Der Zucker & ich.

Meine ersten drei Lebensjahre fanden zuckerfrei statt. Meine Eltern sind bis heute keine großen Fans von Schokolade und Gummikrams (es sei denn, es ist extrem hochwertig, handgeschöpft und bio), und sie waren der Meinung, dass ein Kleinkind erstmal auch gut ohne Süßkram auskommen könne.

Meine Großeltern wurden dressiert, mir Obst statt Sweets mitzubringen – und ich freute mich über eine Kiwi mindestens genauso wie über den Besuch an sich. Beim Kaffee mampfte ich geruhsam meinen Zwieback und meldete keinerlei Futterneid auf Kuchen oder Kekse an. (Das Abendessen-Pendant zum Zwieback war übrigens der Hühnerknochen, an dem ich so zahnlos wie ausdauernd herumnagte.)

Kurz: Mir fehlte es an nichts. Zuckerbegegnungen gab es natürlich trotzdem, die Verführung lauerte überall außerhalb des elterlichen Hauses, aber ich war einfach nicht anfällig für den Stoff: Im dörflichen Krämerladen bekam ich zwar bei jedem Einkauf einen Lolli geschenkt, freute mir darüber mehrere Löcher in die Mütze (und bekam einen Tobsuchtsanfall, als der Vorrat eines Tages erschöpft und Lolli aus war) – aber gegessen habe ich die Dinger nie. Ein, zwei Mal daran geleckt – das schon. Oh ja. An den künstlichen Kirschgeschmack erinnere ich mich dabei bis heute deutlich. Genauso wie an den im Sommer leicht fauligen Geruch der Müllsäcke, die hinter der Scheunentür standen, und in denen ich die klebrige Köstlickeit nach zwei Mal Lecken sofort versenkte. So ein ganzer Lolli, das war einfach zu viel für mich und meine sensiblen Geschmacksnerven.

Genauso wie die Sache mit dem Schokoladenkeks. Meine Mutter war leidenschaftliche Handballspielerin und nahm mich als Kleinkind jeden Sonntag mit in die Halle, wenn Punktspiele anstanden. Irgendwer fand sich immer, um mit dem kleinen Sabinchen herumzualbern, denn im Alter von 2-3 Jahren war das kleine Sabinchen pre-trotzphasig sehr niedlich.

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Mitschnitt: Lesung & Book Release im Mastul, Berlin (15.05.2015).

Nummer 1 in der Runde war Candy Bukowski. Sie machte den Anfang mit dem von mir gewünschten “Melisande Hartmann wirft sich dem Leben zu Füßen”, “Das Paradies bleibt” und (ui!) “Detlef. Eine Geschichte aus der Wilden Maus”.

Es folgte: Me-Myself mit “Vincent III.” und “Rico III.” aus meinem Roman “Druckstaueffekt”. Was ich bei der Lesung als Einleitung vor Aufregung (weiß auch nicht, was an diesem Abend los war) vergaß, hole ich hiermit nach: Beim Crowdfunding wurde doch recht viel Gewicht auf den Sex in meiner Geschichte gelegt. Ich will gar nicht abstreiten, dass es davon eine Menge gibt – immerhin datet meine Protagonistin ungefähr acht verschiedene Typen – aber explizite Szenen à la 50 Shades? Fehlanzeige. Es geht viel mehr darum, was sie in diesen doch eher flüchtigen Begegnungen zu finden hofft. Und um es gesellschaftswissenschaftlich auszudrücken: Es geht darum, wie sich diese Lebensweise genderspezifisch manifestiert und etabliert. Kurz: Es ist eine Liebesgeschichte ohne Kitsch und Trara.

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Die 2. Auflage wird gedruckt!!

Nachdem der kladde|buchverlag nach nur 3 Wochen schon keine Exemplare von meinem “Druckstaueffekt” mehr am Lager hatte, konnte ich heute morgen aus meinem Verleger endlich eine finale Aussage zum Nachdruck rauskitzeln:

Die gute Nachricht: Ja, es wird sie geben. Punkt. BÄM!

Die Schlechte: Mein Buch wird ja klimaneutral gedruckt (kein Scherz, übrigens). Sprich, mit Faustkeil und selbsthergestellter Tinte aus Stechäpfeln und Purpurschnecken. Zum einen dauert das und zum anderen hat die DHL das letzte Paket mit den Purpurschnecken verschlampt. Deswegen braucht der Nachdruck noch so 8 Wochen. Aber (und hier nochmal die gute Nachricht): Er kommt!!!

Für alle, die als Leser ein Exemplar vorbestellen, als Buchhändler gleich einen ganzen Schwung ordern oder eine Lesung buchen wollen, läuft derzeit pro forma ein ganz dezentes, zweites Funding auf Kickstarter (Klick aufs Bild):

Kickstarter

PS: … bei Kickstarter hat es das Projekt übrigens zum Staff Pick, also Empfehlung der Redaktion, gebracht (yay! Mit Pauken und Trompeten!).

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Lesung im Mastul, 15.05.15 – mit Candy Bukowski & Alexander Winter.

rocknroulette:

Schön war es mit euch beiden, eine große Ehre.
Die Mitschnitte folgen auf dem Fuße!

Ursprünglich veröffentlicht auf Candy Bukowski:

Ein Minirückblick auf unsere Lesung in Wedding. Schön war das! Bis auf den letzten Platz passten alle in das herrliche “Wohnzimmer” im Mastul, kuschlige Stimmung, aufmerksame Zuhörer, schwere Texte, leichte Texte, tolle Reaktionen und zum Abschluss Livemusik. Klasse, das hat sehr, sehr viel Spaß gemacht. Jetzt geht es zurück nach Hamburg und bei nächster Gelegenheit wieder mal nach Berlin oder ganz wo anders hin :)

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Geburtstagstradition oder Was machst du denn noch hier?!

Alljährlich zu meinem Geburtstag erzählt meine Mutter eine meiner Lieblingsgeschichten – natürlich die meiner Geburt, wie könnte es anders sein. Und da ich ja die Tradition der Geburtstagsgeschichten etabliert habe… kommt sie hiermit auch für euch:

Ich war ein Wunschkind mit Nebenwirkungen. Das Unangenehmste für meine Mutter waren dabei nicht die vorzeitigen Wehen – die kriegte sie erstmal gar nicht mit, sondern machte als Sportlehrerin mit Vorbildfunktion weiterhin Bocksprünge über den Kasten und Kobolz mit Überschlag in den Deckenringen. Dass so ein Kind dabei Bauchrabatz macht, nahm sie als gegeben hin. Der Frauenarzt, der sie Ende des 6. Monats an den Wehenschreiber legte, war da anderer Meinung.

Ab sofort war Schluss mit Kobolz und auch sonst mit allem. Stattdessen war liegen angesagt. 6 lange Wochen, während sich draußen schönster Frühling und drinnen pure Langeweile ausbreitete. Anderthalb Monate vorm errechneten Geburtsdatum war das Kind endlich groß & fit genug, die Wehenhemmer wurden abgesetzt und meine Mutter durfte aufstehen. Sollte sogar, denn vermehrte Spaziergänge bringen Schwung in so einen Geburtsvorgang.

Nachdem meine Mutter vormittags den Krankenhausflur allein auf und abgewandert war, ohne dass sich etwas tat, wurde ihr das am Nachmittag langweilig. Sie wollte wenigstens Gesellschaft. Da meine Eltern zu dieser Zeit noch kein Telefon hatten, rief sie die Nachbarin an, die mit gerafften Röcken über die Kuhwiesen zu meinem Vater rannte und mit Panik in der Stimme seine sofortige Anwesenheit im Kreißsaal anordnete.

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Die Knobloch’sche hat minirezensiert.

rocknroulette:

Über das bestmögliche aller Enden. Ein fabulöses Dankeschön an die, die hoffentlich bald mal endlich irgendwo dabei ist!!

Ursprünglich veröffentlicht auf bittemito:

Manchmal ist kein Happy End das bessere Ende eines Buches. Und wer das nicht glaubt, der überzeuge sich selbst. Fünf von fünf möglichen Scheißherzchen und sechs von möglichen sechs Dankschneckchen für den “Druckstaueffekt” der wundervollen Rocknroulette gibt es jedenfalls von mir. Hey, eine Lesung steht auch noch an. In Berlin, in Berlin!

druckstaueffekt

*Leidernurkurzdruckstaurezension? Naja, ich habe das Buch förmlich verschlungen, da hielt sich der Druckstau vornehm zurück. Die Lesebeglückerey hingegen wirkt nachhaltig. Und wenn ich könnte, wie ich wöllte, ich wäre dabei, da in Berlin. Zur Lesung zuoberallererst, aber auch bei den Feten, naja, bis auf die eine… Aber das muß jeder selbst sich eindioptrenieren. Ich werde Wiederleser sein, denn das war erst ein prickelnder Lesequickie, ich wooohooohe vorfreudig auf erneute Pupillenbeglückerey. Weil man bei manchen Büchern gerne Wiederholungstäter wird. Druckstaueffekt? Fetzt! Als Buch eh und sogar wenn man ihm sich selbst ergibt…

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SofaSophia hat rezensiert: In einem Zug zu lesen #2.

rocknroulette:

Kurz und knapp. Und mich sehr, sehr glücklichmachend.
Überraschend sein – das ist wirklich eins der schönsten Lobe. Lobs. Löber.

Ursprünglich veröffentlicht auf Sofasophien, Fallmaschen & Herzgespinste:

Selten hat mich ein Buch so überrascht, positiv überrascht.

DruckstaueffektcoverIch gestehe, dass ich – trotz der tollen Lesung letzten Herbst in Hamburg – ein klein bisschen Bammel vor diesem Buch hatte. Was kann man schon über die promiskuitive Liebe schreiben, dass nicht irgendwie wiedergekaut, trivial oder platt daherkommt. Und dann das!

Ein literarisch anspruchsvolles Buch, das dazu meinen haptischen und ästhetischen Ansprüchen, die ich bisweilen an ein Buch habe, gerecht wird. Das meine Augen und meine Hände verwöhnt. Außen und innen ist das Buch wie aus einem Guss.

Lesen!

Ein paar weitere inhaltliche Impressionen gibt es hier → klicken
und hier → klicken
und hier ebenfalls → klicken

Danke, Sabine, dass du dieses Buch geschrieben hast. Auch wenn ich nicht in Berlin lebe, gibt es doch ein paar ähnliche Erfahrungen in meinem Leben. Und ein paar ähnliche Erkenntnisse. Mehr verrate ich hier aber nicht.

Worum es geht?

Na, um die…

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Das Erbstück oder Wenn Kinder kein Elefantengedächtnis hätten.

Es ist ein Erbstück bei mir eingezogen:

20150408_191603-1_resizedDie letzten 30 Jahre stand dieser wunderbare Küchenschrank im Partykeller meiner Großeltern und beherbergte eine etwa 1000-teiliges Menü-Geschirrset für 18 Personen. Und seit 30 Jahren habe ich auf ihn gewartet, voller Liebe und seeehr ungeduldig.

Alles begann damit, dass ich als Dreikäsehoch meinen Opa in der Werkstatt diesen Schrank abschmirgeln sah. Schon mit knapp 2 Jahren war ich schwer begeistert – Liebe auf den ersten Blick eben. “Jaaaa”, sagte mein Opa, “das ist dein Schrank, mein Kind, aber jetzt geh da mal weg, der Opa muss arbeiten.”

Hm ja. Arbeiten ließ ich ihn. Aber dass er “dein Schrank” = mein Schrank gesagt hatte, das vergaß ich nicht. Nicht bis zum nächsten Besuch, als “mein Schrank” nicht mehr in der Werkstatt stand, wo ich ihn suchte, sondern im Partykeller und ich erstmal einen Wutanfall bekam. Man hätte mich schließlich fragen müssen – klare Sache. Und auch danach vergaß ich es nicht.

Großmütig erlaubte ich die Nutzung im Partykeller und da blieb der Schrank erst mal. In meinen ersten eins-zwei-drei-vier-fünf Wohnungen war einfach kein Platz. Aber jetzt. Jetzt ist er Kern- und Herzstück meiner Wohnung und ich liebe ihn wie am ersten Tag. Wie nur Elefanten(kinder) unvergessend lieben können.

Gebaut hat den Schrank übrigens der Schwiegervater meiner Urgroßtante: Sie bekam ihn vor fast 100 Jahren zur Hochzeit geschenkt. Mein Opa hat dann in mühsamer Kleinarbeit all die Farbschichten runtergeschmirgelt. Ich bin mal gespannt, was dieses weitgereiste Möbel noch so erleben wird… und wüsste gern, was er noch so erzählen könnte, abseits der Partykellergeschehnisse.

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#5 Über Stolz & Handwerk.

25 Minuten sind mehr als Nichts. Und mehr als du denkst.

Letztes Jahr im November war ich mit Romanprojekt Nr. 2 richtig schön im Flow – dann kam ein Lebensumsturz dazwischen. Gute vier Monate später kämpfe ich mich langsam zurück. Und zum ersten Mal überhaupt nutze ich dabei eine Technik zum Schreiben (empfohlen von Alexander Winter, der sie seinerseits von einer anderen Autorin bekam):

  • alle Ablenkungen aka Internet, Handy, Mitmenschen verbannen
  • eine Eieruhr auf 25 Minuten stellen
  • Dokument öffnen und konzentriert arbeiten, bis die Uhr klingelt

… wenn es dann grad läuft, weitermachen! Denn was anderes kommt sowieso nicht in Frage, wenn es fließt.

Wenn es gut ist, dass die Zeit endlich rum ist: Tagesziel erreicht, Erfolgsgefühl erzeugt und Panik vorm Weitermachen gelindert. Damit eignet sich diese Technik für alle, die wenig Schreibzeit im Alltag finden, irgendwie grad festhängen oder schon auf ausgewachsenen Texthass zusteuern.

Der Begriff “konzentriert arbeiten” ist übrigens weitgefasst: Sich wieder einlesen und drei Tippfehler korrigieren ist genauso wertvoll wie eine halbe Seite schreiben. So oder so, es geht voran.

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