Berliner (Un)Bekannte: Die Perfekte.

11207328_841791012557232_7594034395103888538_nWenn man von Claudi spricht ohne ihren Namen zu kennen, wird sie meistens als “die, die immer perfekt geschminkt und frisiert ist” umschrieben. Und das ist wahr: An ihrem Outfit ist alles perfekt und von ihrem Fotogesicht könnte sich manches professionelle Rock’n’Roll-Model noch eine Scheibe abschneiden. Aber abgesehen von ihrem eigenen Stil hat Fräulein Witschaß eine Mission: Vom H&M-Model bis zur Frontfrau von Bonsai Kitten lässt sie auch andere perfekt aussehen. Als Freelance Maskenbilderin ist sie spezialisiert auf die Bereiche Fotoshooting, Tages-, Abend- und Showstyling und kennt sich – Überraschung! – besonders mit den Vintagelooks der 20er bis 50er Jahre aus.

Weshalb bist du Maskenbildnerin geworden?

Ich wusste als Kind auch schon vom meinem Umfeld her, dass ich später mal einen kreativen Beruf ausüben sollte. Aber dass ich Maskenbildnerin werden will, kam erst später… als mir als Jugendliche auffiel, dass ich bei Filmen vor auf die Masken geachtet und überlegt habe, wie diese wohl entstanden sind. Nachdem ich wusste, dass an der Schule in Dresden von 100 Bewerbern nur ca. 4 angenommen werden, rückte der Traum erstmal in die Ferne und ich lernte Kosmetikerin. Was ich bis heute nicht bereut habe – aber ich war doch sehr froh, als ich dann 2006 für die Ausbildung in Berlin angenommen wurde. Seit 2010 habe ich jetzt meinen Abschluss in der Tasche und kann meinen Traumberuf seit 2013 sogar selbstständig ausüben!

Auf was schaust du bei Fremden z.B. in der U-Bahn als Erstes?

Weiterlesen

Getaggt mit , , , , , , , , , , ,

When The Rollercoaster of Life comes crashing down.

Sich verlieben ist die totale Scheiße. Das erkenne ich, wenn ich zwischendurch mal einen hellen Moment habe. Lieben – großartige Sache. Sich verlieben – große Scheiße. Liebe macht stark, verlieben nicht. Nie ist man schwächer, angreifbarer und verletzlicher. Ja, klar – auch glücklicher und jauchzender und tralala, wenn es gut geht. Aber ganz ehrlich: Wann geht es schon mal gut.

Also ist man schwach, angreifbar und verletzlich. Und wenn der andere nicht auch verliebt ist, womit es ja unter die seltene Kategorie „gut gehen“ fallen würde, wird man geschwächt, angegriffen und verletzt. In einer Tour. Man öffnet für einen anderen Menschen die Tür und der schmeißt einem zum Dank nicht nur die Fenster ein, sondern tritt einem auch direkt noch die Wände durch, so dass man am Ende ohne Dach über dem Kopf da sitzt. Nackt und zitternd und in Panik, wie man die kläglichen Reste seines Herzens diesmal zusammenkratzen soll. Aber man kratzt, weil man nicht aufgeben will. Kratzt zusammen, was noch da ist, nennt das dann Durchhalten und Hingabe und wartet dann im armselig zusammengeschusterten Verschlag seiner Emotionen darauf, dass der andere einem wieder die Bude zusammenschlägt. Sich verlieben ist die totale Scheiße, wenn der, in den man sich verliebt, jemand wie Till ist. Ein emotionales Wrack, dessen vier Wände so fadenscheinig sind, dass sein eigener Atem sie bei jedem Luftholen umpustet.

Weiterlesen

Getaggt mit , , , , , ,

Black Rebel Motorcycle Club oder Hallo, Phatti.

Wenn ich an meinen Vater denke, dann denke ich an Motorradfahren. Daran, wie er im Sommer seine 52er Ariel ankickte. Oder anzukicken versuchte – denn wenn es klappte, war es ja nur ein kick-aufröhr-und-weg. Wenn es nicht klappte, wiederholte sich das ktk-klack, ktk-klack vorm Haus so ein halbes Dutzend Mal, bevor es von einer Atempause unterbrochen wurde. Immerhin sind Lederjacke, entsprechende Hosen, hohe Stiefel und Helm bei Hitze nicht die leichteste Arbeitskleidung. Dann noch einmal ktk-klack, ktk-klack… Öffnen der Lederjacke. Ktk-klack, ktk-klack… und dann endlich das erlösende WRRROOOOM!! oder das entnervte Wegfeuern von Jacke und Helm nebst Auffrischung meiner frühkindlichen Fluchkenntnisse.

Damit wir uns nicht missverstehen: Mein Vater liebt sein Motorrad. In seiner ersten Wohnung stand es samt Werkbank in seinem Wohnzimmer (er wohnte im Souterrain) und frühe Sonntagmorgen begann er am liebsten auf der Landstraße. Sommers wie winters, bei Wind und Wetter. Während der kalten Jahreszeit trug er dabei eine Schaffelljacke, aus kompletten Fellen genäht, so steif und dick, dass er die Arme nicht krümmen und ich die stehende Jacke als Zelt zum Indianerspielen benutzen konnte.

Aber meine schönste Erinnerung ist nicht das scharf nach Schaf riechende Zelt (obwohl ich es sehr liebte), sondern etwas anderes: Als ich Kind war, kamen regelmäßig Freunde meines Vaters aus Westberlin zu Besuch. Für das Dorf waren sie vermutlich eine wilde Horde marodierender Rocker – ich hab sie geliebt. Weil sie ihren rotzigen Dialekt mitbrachten, lustige Geschichten, die durch den Dialekt doppelt so komisch wurden,… und die Trial-Ausflüge.

Weiterlesen

Getaggt mit , , , , ,

Was mich den Sommer lieben lässt.

*** Sonne. Die Glut, die einem auf der Haut brennt, das Fleisch wärmt bis auf die Knochen und nichts übriglässt als Wohlbefinden und Schweiß.

*** In der Spree schwimmen. Vorsichtig über glitschige Stufen voller Algen steigen, mit dem Fuß im grünen Wasser nach der eisernen Leiter tasten, von der man nichts sieht als die oberste Stufe. Dann Abfall ins Nichts, ins dunkle Nichts, das 50 Meter tief sein könnte, und vermutlich nur 5 tief ist. Aber tief genug, um voller Fische zu sein, langen Greifarmen und Seeungeheuer, die meine weißen Beine mit bleichen Augen beobachten, wenn ich endlich den Sprung ins Wasser gewagt habe.

Das Wasser. Das eiskalte, kühle, erfrischend klare Wasser, was mir die Luft aus den Lungen drückt beim Eintauchen und die ganze Hitze, die ganze schwitzende Klebrigkeit wegspült. Was den ganzen Körper klärt und strafft und anstatt des überhitzten Blutes durch meine Adern fließt. Luft schnappen, Arme strecken, Beine strecken, durchziehen. Langsam, stetig, wie ein Frosch durchziehen.

Schnaufend und prustend aus dem Wasser steigen, die Gänsehaut zieht alles zusammen – bis sich Wärme ausbreitet. Das erwärmte Blut heizt das kalte Fleisch auf, aber alles bleibt straff und glatt, nichts klebt, nichts schwitzt. Heiße Steinplatten unter den kühlen Füßen. Ganzheit, alles ist ganz.

*** Abendlicht. Das Gold im Wald, über der Wiese und auf der Haut.

*** Die ganze Nacht tanzen. Techno, Rock’n’Roll, ganz egal, und erst aufhören, wenn der Morgen schon grünlich-rosa im Osten graut, wenn die Füße schmerzen und der Schweiß auf der Haut trocknet. Am Bahnhof die Schuhe ausziehen, kühles PVC in der S-Bahn unter den Füßen und auf dem Heimweg warmer Asphalt, während die ersten Vögel singen und man Straßen und Wege mit niemandem teilt.

*** Schlaf unter einem dünnen Laken und ein weicher Wind, der durch die Dachfenster strömt.

Getaggt mit , , , , , , ,

Wenn die Zeit vorbeigeht.

„Und lass mich in deinen Geschichten nicht zu schlecht aussehen“, sagt sie noch, dann steigt sie aus. Ich sehe ihr nach, wie sie über die Einfahrt geht, der Beutel in ihrer Hand schleift an langen Henkeln fast über den Boden. Vor der Haustür kramt sie in allen Taschen nach dem Schlüssel. Ich weiß genau, dass er in ihrer Jackentasche ist, rechts. Sie hat den Schlüssel in der Jacke, immer rechts, ich weiß das, aber sie klopft alle Taschen ab, bis sie ihn endlich findet. Rechts, in der Jacke.

Sie schließt die Tür auf, ich sehe, dass sie sich noch einmal umdrehen will, und gebe Gas. Weg, ich muss weg. Ich werde ihr Gesicht für lange Zeit zum letzten Mal gesehen haben, habe sie eben zum letzten Mal im Arm gehalten, zum letzten Mal ihre Hand in meinem Nacken gefühlt. Ich wusste, dass es für mich nicht leichter werden würde, wenn wir uns umarmen. Aber ich konnte nicht anders, ich wollte nicht anders, ich wollte es noch einmal – auch wenn ich dabei die ganze Zeit daran denken musste, dass es das letzte Mal sein würde, für immer vielleicht.

„Lass mich in deinen Geschichten nicht zu schlecht aussehen“, das kreist in meinem Kopf, zusammen mit dem halben Lächeln, das diesen Satz begleitet hat und der sommerblonden Strähne, die sie sich dabei hinters Ohr klemmte. „Lass mich in deinen Geschichten nicht zu schlecht aussehen.“ Wenn ich mich auf all die Geschichten konzentriere, die ich noch schreiben will, auf den Roman, der halbfertig in meiner neuen Wohnung auf dem Küchentisch liegt, dann muss ich sonst nichts denken. Dann muss ich keine anderen Sätze in meinem Kopf zulassen.

Weiterlesen

Getaggt mit , , , ,

John Allen: Orphan Keys.

Nach einem Album und einer Tour mit Full-Band-Begleitung kehrt John Allen auf seiner aktuellen EP mit insgesamt 7 Songs zurück zu seinen Solo-Wurzeln. Ein altes, leicht rachitisches Klavier – und sonst nichts. Nach all den fröhlichen Songs muss ich mich erst einmal wieder einhören in die wehmütig-raue Stimme des Hamburger Singer-Songwriters, die sich Seite an Seite mit ein paar einsamen Pianoklängen zu voller Pracht entfaltet.

235035-511e45f740584120a888822396201a4fMit “Orphan Keys” verabschiedet sich John Allen von einem „normalen“ Leben und hängt sein sicheres Lehrerdasein zugunsten eines Musikerlebens on the road an den Haken. Weil ich mir den naheliegenden Scherz – und guten Wunsch – nicht verkneifen kann: Man kann nur hoffen, dass er dieser neuen Zukunftsrichtung etwas weniger rabenschwarz gestimmt gegenüber steht, als „Orphan Keys“ angelegt wurde: „[Producer]René [Dlugosiewicz] and I decided to create an atmosphere as dark and as spooky as possible. Be prepared to put on your headphones and be roped into the songs!” In der Tat, Und er versucht sich an einer neuen Stimmung seiner Songs,

Es beginnt äußerst schwermütig: Das Simon-and-Garfunkel-Cover „America“ ist beileibe keine Heiterkeitsnummer geworden. „Criminals & Baseball Stars“ stammt wieder aus seiner eigenen Feder und ein ganz neuer Song – im Gegensatz zum nachfolgenden „Thou Shalt Be Saved“, das in der reinen Klavierfassung wirklich absolut niederdrückend traurig gelungen ist. Hut ab, so viel darkness muss man erst mal in einen eigentlich optimistisch gestimmten Text hineinbringen. Aber John Allen schafft es.

Weiterlesen

Getaggt mit , , , , , , ,

Cherry Bomb: Where We Started From.

Zwei Worte vorweg: knallt rein!

11241622_926678640723413_1382729135965032606_nCherry-Bomb-Alben transportieren transportieren (neben einer ausgesprochenen Potsdam-Verhaftung) für mich vor allem gute Laune. Wenn Fleisch und seine Jungs die Bühne entern, muss ich tanzen – dass die „Jungs“ altersmäßig betrachtet längst keine mehr sind, macht das Ganze umso besser.

Aber von vorn: Der Titelsong und Opener beginnt mit ordentlich Gitarrendresche, wie man es von Cherry Bomb gewohnt ist. Danach sind Füße und Ohren aufgewärmt, weiter geht’s mit „For The Kids“: Oh Boy, this is all for you/ I will give you shelter… – bei diesem Auftakt läuft mir ja immer eine Gänsehaut den Rücken runter. Und mit viel Krawall gibt Papa Fleisch dann noch einen guten Rat: nämlich das Leben mit Leidenschaft zu leben. Und wenn man sich die Cherry-Bomb-Scheiben so anhört, kann man davon ausgehen, dass die Herren durchaus wissen, wovon die singen.

„Here Comes The Blitz“ schlägt tatsächlich ebenso ein, „Lights Of Our City“ bringt ein wenig ruhigere Töne mit (Betonung auf: „ein wenig”) und der ausgestreckte Mittelfinger von „Go Away“ räumt danach mit alten Freunden und Liebschaften auf. „Heroes“ schleicht sich mit dem sanften Klingklang einer Spieluhr an und legt dann umso heftiger nach: We push hard forward, we keep moving on – noch so ein Mantra, was man Cherry Bomb ohne Abstriche abnimmt.

Weiterlesen

Getaggt mit , , , , , ,

Ein Spaß für Kind, Hund & Kegel.

… bei meiner Lesung zur Buchwoche in den Wilmersdorfer Arcaden war es gar nicht mal so leer, wenn man in Betracht zieht, dass draußen locker-flockige 40 Grad waren. Drinnen war’s allerdings schön kühl und ich hatte auch extra ein paar besonders coole Stellen aus dem “Druckstaueffekt” rausgepickt.

GW8A0462 GW8A0483 GW8A0488

Getaggt mit , , ,

Der Walzer-König oder Prinzesschen hat Sendepause.

Meine Großeltern hatten Hochzeitstag. Der Silberne war es sicher nicht, denn meine Mutter war schon selber Mama und ich etwa 5 Jahre alt – also war es vermutlich der 40. Jahrestag. Ich war auf jeden Fall klein und Opas Prinzesschen in jeder Lebenslage (außer, wenn er sonntagmorgens die Zeitung mit den Fußballergebnissen am Wickel hatte, was vermutlich meine lebenslange Abneigung gegen Ballspiele begründete).

Zum Hochzeitstag trug Prinzesschen natürlich auch das passende Kleid: bodenlang rauschend mit Rüschen und viel Rosa. Ich war 5, wie gesagt, und auch wenn ich sonst Schlamm und Bäumeklettern Barbiespielchen vorzog, wollte ich manchmal doch ganz gern eine sein. Und als Barbie-Prinzesschen war mir natürlich auch klar, dass ich mit Opa den Tanz eröffnen würde.

Opa sagte nein. Zum allerersten Mal in meinem kurzen und aufmerksamkeitsgesegneten Leben sagte Opa nein. Und eröffnete mit seiner Angetrauten. Ich war beleidigt bis ins tiefste Mark, schaltete von Prinzesschen um auf Bocksbein und war den Rest des Abends nicht mehr unterm Tisch hervor zu locken. Schade eigentlich.

Rund um die 50er waren meine Großeltern in allen Tanzsälen Hannovers zu finden. In der Nachkriegszeit wanderten sie Dutzende von Kilometern durch die dunkle, zerbombte Stadt, um irgendwo hinter versteckten Türen noch ein Stückchen heiles Parkett zu finden, was sie durchtanzen konnten. Rheinländer, Wiener Walzer, Tango… sie müssen toll ausgesehen haben (und fit wie die Turnschuhe nach 12 Kilometern Anmarsch durch unwegsames Gelände).

Weiterlesen

Getaggt mit , , , , ,

Mach’s Maul auf.

“Mach’s Mauf auf”, sagt Knochenkalle und pinselt mir Salbeitinktur auf die wunden Stellen im Hals.

Ich bin stumm, seit Wochen schon. Am Anfang konnte ich noch piepsen und fiepsen, inzwischen kommt gar nichts mehr raus aus meinen morschen Stimmbändern und dem rauen Hals. Es tut nicht weh, es ist sogar auf eine seltsame Art entspannend. Wenn nichts zu schreiben in der Nähe ist, muss man auf Kommunikation mit mir verzichten.

Am Strand schreibe ich mit dem Zeh in den Sand und am Lagerfeuer mit brennenden Zweigen in die Luft und beim Frühstück macht sich Knochenkalle über mich lustig, wenn ich nach Salzfass, Marmeladentopf und Gersterbrot gestikuliere. “Mach’s Maul auf”, sagt er und lacht, weil er weiß, dass ich im Geiste schimpfe wie ein Rohrspatz und Kesselflicker.

Dafür muss er auf sein Kaffeeschwätzchen verzichten. Nur “ja” und “nein”, die gibt es trotzdem. Nicken und Kopfschütteln, das beherrsche ich immer noch. Sollte ich beherrschen, würde mir nicht langsam der Nacken steif und der Kopf schwer.

Getaggt mit , , ,
Folgen

Erhalte jeden neuen Beitrag in deinen Posteingang.

Schließe dich 454 Followern an