Lieber weniger als leer.

Katharina erinnert sich noch gut an die letzte Nacht, in der sie mit Christoph im Bett gesessen hatte, die Beine angezogen unter der gemeinsamen Decke, die Wand im Rücken und jeder von ihnen mit einer Bierdose in den Händen. Ein letztes Gespräch, eine letzte Diskussion, ob das, was man hat, nicht doch reichen könnte. Erfolglos.

Normalerweise trank Christoph kein Bier, er war eher ein Weintrinker gewesen. Aber um schlafen zu können, ein letztes Mal in diesem Bett schlafen zu können, half ein Sturzbier am besten. Zur Not zwei oder drei, weil Baldrian und Johanniskraut auch nicht mehr helfen wollten und die Gedanken sich um Verfall drehten.

“Wie vergänglich wir sind, wie klein”, das denkt Katharina jetzt, während sich draußen der Himmel grau tönt wie hinter einer Sonnenbrille. Der Fenriswolf in der Ragnarök verschlingt das Licht, und würde er es nicht wieder ausspucken, alles Leben auf der Erde würde vergehen. “Momente wie diese sind es, die man braucht, um zu spüren wie klein man eigentlich ist”, denkt sie. Wie unwichtig für das Universum die Probleme, mit denen man sich kleinklein jeden Tag herumschlägt.

Dann zieht sich der Mond zurück, die Nacht verfliegt und der Tag kehrt zurück. All-Tag kehrt zurück.

Was bleibt, ist die fiese Stimme im Kopf, die von Verfall flüstert und die Jahre zählt. 25, 26, 27. 28, 29, jetzt aber los. Wer jetzt kein Haus gebaut, keinen Mann gefunden, kein Kind gekriegt hat, der wird feststellen, dass man Einsamkeit nicht messen kann. Christoph war weg. Was geblieben war, war die kleine Stimme und die Zahlen. Als wenn das irgendwas ändern würde. Und es wenn das Leben nicht einfach weiterläuft, ob man die Jahre zählt oder nicht.

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1 aus 56 aus 171: Der “Druckstaueffekt” und die Hotlist 2015.

Ich musste grad ein leichtes Kreischen unterdrücken. Es ist einfach immer wieder… aaaaaaaaaaaaaaaaaaah!! (so viel zum unterdrücken)… also, immer wieder zum Ausflippen schön, wenn es einen Schritt weitergeht:

Unbenannt

Ich darf zitieren: “Alle deutschsprachigen und unabhängigen Verlage wurden auch im siebten Jahr der Hotlist aufgefordert, jeweils ein Buch einzureichen, das sie für eines der Besten aus ihrem aktuellen Programm halten. Die 171 Einreichungen stellen insgesamt die Spitze dessen dar, was unabhängige Verlage für die Qualität und die Vielfalt in unseren Buchhandlungen leisten.

Unbenannt1Wer als Leser das Individuelle, das Gute, das Interessante, das Seltene, das Schöne, das Unerwartete, das Leise, das Laute, kurz: wer das Besondere und Unabhängige sucht, der hat hier die beste Chance, seine persönlichen Entdeckungen zu machen.”

Und hier… ist mein “Druckstaueffekt”: Einer unter 56 deutschsprachigen Romanen.

10 Bücher werden am Ende die Hotlist 2015 bilden, die gemeinsam von der diesjährigen Jury und euch allen im Internet gewählt. Die Wahlphase beginnt Anfang Juli – ich halte euch auf dem Laufenden…

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Einladung zur “Druckstaueffekt”-Lesung am 04.07.2015 in Berlin!

Freunde, Leser, hochverehrtes Publikum!

Voller Stolz darf ich bekannt geben, dass ich am Samstag, den 04.07.2015 bei der Buchwoche in den Wilmersdorfer Arcaden lesen werde!! For free, in Berlin und mit hoffentlich so vielen bekannten Gesichtern im Publikum, dass ich mich vor Freude gar nicht zu lassen weiß.

Meine liebe Ex-Kollegin Nancy hat bei Thalia auch schon angefangen, die Trommel zu rühren:

Thalia_BuchwocheDie Textstellen sind auch schon ausgesucht (ja, es gibt Neues!), die Zunge geölt & die Lippen gespitzt. Ich freu mich auf euch!!

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#Drei Worte: Eine Geschichte für Die Grüne Lunge.

Erinnert sich noch jemand? Die Grüne Lunge hat letztes Jahr saftige 200 Euro zu meinem Roman-Crowdfunding beigetragen. Dafür habe ich Inhaber Sascha und seinen Kollegen eine Geschichte versprochen. Und die dreht sich – natürlich – um E-Zigaretten und Dampfen. Außerdem ist sie der erste Entwurf eines Kapitels aus meinem zweiten Roman mit dem Arbeitstitel “Drei Worte”.

Eine erste Leseprobe davon gab es zum Thema Spreepark: Mein Protagonistenpaar Till und Milka hatte dem geschlossenen Freizeitpark im Plänterwald darin einen Besuch abgestattet und war beim unerlaubten Riesenradfahren “erwischt” worden. Das folgende Kapitel dreht sich nun um die Freuden des (werdenden) Vaterdaseins und des Dampfens… Also noch einmal: Tausend Dank, lieber Sascha!! Die 500-Worte-Schreibmaschinenversion ist in Arbeit und wird in den nächsten Tagen bei euch eintrudeln!

Als Beck vor der Tür steht, ist tatsächlich alles wie immer. Er knallt seinen Rucksack in den Flur, schnappt sich ein Bier aus dem Kühlschrank und wir setzen uns raus auf den Balkon. Ich stecke mir eine Zigarette an und halte auch Beck die Schachtel hin. Er winkt ab: „Nee, lass ma, ich hab was Besseres.“ Er greift in seine Jackentasche und zieht ein längliches Ding heraus, wie ein Kugelschreiber sieht es aus. Grinsend schiebt er es zwischen die Lippen und stößt genießerisch Rauch aus. „Was’n das für’n neumoderndes Zeugs?“, frage ich. „Das ist ‘ne E-Zigarette, du Banause“, sagt Beck wichtig. „Rauchst du jetzt nicht mehr?“, frage ich. „Ich rauche nicht, ich dampfe“, sagt Beck. Und weil ich ihn auslache, hält er mir gleich einen ganzen Vortrag über die Vorteile seines neuen Spielzeugs. Billiger als Kippen, besser für die Gesundheit, körperlich viel fitter und überhaupt. Ich kann nur den Kopf schütteln: Beck, der früher jeden einzelnen Tag mehr gequalmt hat als ich zu meinen schlimmsten Zeiten, macht jetzt einen auf Missionar und „ich kann die Bäume im Wald riechen“.

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Wenn aus dem Soundcheck Sound wird: “Druckstaueffekt” von DeFranzy!

Ich hab sie euch neulich schon als Berliner (Un)Bekannte vorgestellt, und jetzt hat die Nachwuchs-Trashy-HipHop-Queen aus Spandau doch tatsächlich einen Song aus meinem Roman gemacht: Ich präsentiere voller Stolz DEFRANZY und ihre Interpretation meines “Druckstaueffekts” – und das sogar als Free Download:

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3 Dinge, die so Berlin sind, dass sie eh keiner glaubt.

Manchmal passieren einem Dinge, die sind so schön-Schrägstrich-crazy, dass man sie in keinem Buch der Welt verwenden kann. Weil einem sonst nur wieder vorgehalten wird, dass man Berlin überidealisiere, wenn man sich sowas ausdenkt.

Erstens:

Wenn frau zum Tanzen gehen eine fette Rockerjacke trägt (zum knappen Kleidchen, wohlgemerkt), nach anderthalb Stunden Wartezeit vorm Club von einem Türstehergorilla aus der Schlange für die Mädchen-Körperkontrolle gezerrt und die Jacke abgetastet wird, als wär frau Vin Diesel mit sechs Knarren in der Unterhose – bis der Typ dann bei der direkten Leibesvisitation doch merkt, dass er eine weibliche Taille zwischen seinen groben Pranken hat. Und frau feststellt, dass Gorillas ganz schön schnell rot werden können.

Zweitens:

Letzte Woche bin ich in den Wald gegangen, um Meerschweinchenfutter zu machen (Stories, die so anfangen, können eigentlich nur Bestseller sein). Es war heiß, Abendlichtzeit, Sommer. Ich stapfte also durch den Kiefernwald auf der Suche nach Gras und Löwenzahn, als ich es hinter mir Quietschen und Knatschen hörte. Ein Blick: Bloß ein kleiner Junge mit einem Arm voller bunter Luftballons. im Wald. Lustig genug, aber vermutlich eine Schnitzeljagd, oder was kleine Jungs um die 13 vorm Wachstumsschub alles so machen. Ich ging weiter, fand eine vielversprechende Löwenzahnader und fing gerade an, die gewinnbringend abzuernten, als es hinter mir fragte o-o-o-ob ich Knoten m-m-m-machen könne. Da stand der kleine Kerl, Arm voller Luftballons, Gesicht voller Pickel, und ich brauchte einen Moment, bis ich verstand: “Einen Knoten in die Ballons? Klar. Aber aufblasen musst du selber.” Seltsam genug, der Dialog, noch seltsamer wäre nur gewesen, im Wald mit dicken Backen Ballons aufzupusten. So stand ich nur da, machte Knoten in vollgeseiberte Luftballonhälse und musste mir zunehmend das Lachen verkneifen, während Ballonboy immer nervöser wurde. Aber er hatte die Taschen voller Ballons, das Ganze nahm kein Ende.

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Brownie-Philosophie oder Warst du schon mal verliebt?

Für philosophische Texte über die verschlungenen Pfade des Lebens & des Abgrunds dahinter sind ja eigentlich Sarah Riedeberger und auch Bitterkalt zuständig. Oder der Knochenkalle. Zwischen Sonntag, Brownie & Flucht, kann ich allerdings nicht umhin, auch hier und da etwas Philosophie zu wagen, versuchsweise.

Ich sitze mit einem noch ofenwarmen Brownie und einem Buch vor einem Café in der Bergmannstraße als sich zwei Hipstermädchen an den Nebentisch fallen lassen und zwei große Sojalatte-Shakes mit Maracuja bestellen. Sie tragen Sonnenbrillen, so groß, dass die unteren Ränder der Gläser beinahe ihre Mundwinkel berühren.

„Liebe ist nur ein Traum, eine Illusion und nicht mehr“, sagt Hipstermädchen Eins. Laut, als wäre das eine Erkenntnis für alle. Sie hat ihre strohblondierten kurzen Haare kunstvoll verstrubbelt, es sieht aus, als wäre Farin Urlaub unter einen Mähdrescher geraten. „Wie meinst du“, fragt Hipstermädchen Zwei, zupft die Wollmütze tiefer ins Gesicht, steckt sich eine Zigarette zwischen die knallrot geschminkten Lippen und wühlt in ihrer Jacke nach einem Feuerzeug. Weil die Jacke eigentlich ein knielanger Parka und sechs Sacknummern zu groß ist, rutscht sie dabei immer tiefer in ihren Stuhl. Als sie das Feuerzeug endlich gefunden hat, bleibt sie in der halb liegenden Haltung und bläst lässig den Rauch aus. „Wie meinst du das, Illusion?“, wiederholt sie.

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#Popjournalistinnen: Sabine Wirsching.

rocknroulette:

Einer der schönsten “Titel”, die ich bisher so verliehen bekam!

Ursprünglich veröffentlicht auf Popmusikjournalistinnen:

Sabine Wirsching

Tätigkeitszeitraum im Popmusikjournalismus:

2011 bis heute

Tätig für folgende Medien:

  • Dynamite Magazine
  • Punkrock Fanzine
  • noisy Neighbours Fanzine

Vergangene Veröffentlichungen:

  • Valve Online Music Magazine
  • musikblog.com

Artikelauswahl:

Surfin’ DDR: Die vergessenen Helden des Big Beat -Die Sputniks, VÖ: DYNAMITE Magazine #88 (2014)

Frauen mit Cochones [sic!] Female-fronted Psychobilly, VÖ: DYNAMITE Magazine #89 (2014)

Kontakt und weitere Infos: 

www.sabinewirsching.com

Twitterprofil rocknrouletta

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Runter vom Sofa oder Ach, bleib halt sitzen!

Es ist immer noch Hundewoche! Und wenn ich schon erzählt habe, wie unser Hund meine Osterhasen verspachtelte, dann muss ich ja auch erzählen, wo er überhaupt herkam, dieser Hund.

Eines Tages brachte ein Schüler meiner Mutter einen Hund mit in die Klasse. Sein Name war Putzi oder Bello oder Wuffi oder so ähnlich. Es war so ein blöder Hundename, wie Kindern ihn gern vergeben, wenn sie einen total putzigen Welpen als Spielzeug geschenkt bekommen. Putzi oder Bello oder Wuffi ist als Welpe eine Zeit lang das Highlight der Familie gewesen: Seine Welpenaugen sooo groß, seine tapsige Art sooo niedlich und seine frechen Streiche sooo süß. Doch jetzt war er ein schlecht- bis unerzogener Jungbullterriermix, und bei Welpen ist es wie mit Kindern: Was bei Babys noch süß ist, wird bei Teenagern schwer abgestraft.

Plötzlich war es lästig, dass Putzi-Bello-Wuffi nicht hörte, auf den Teppich pinkelte und auch sonst nichts konnte. Außer liebgehabt werden – aber das wollte dann keiner mehr. Es musste eine Lösung her – und auf dem Land kann die ganz einfach sein. Und deswegen hatte der Junge Bello mit in die Schule geschleppt: “Wenn wir ihn heute wieder mit nach Hause bringen, erschießt ihn mein Vater”, erklärte er, “wenn ich keinen finde, der ihn nimmt.”

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